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Christiansens Netzwelt : Hetzen ist ungesund

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer fiese Hasskommentare schreibt, ist häufiger herzkrank, haben US-Forscher herausgefunden.

Größte Risikofaktoren für Herzerkrankungen? Das ist einfach: Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, auch das Einkommen wirkt sich aus... Oder? Falsch! Einer Studie der Universität von Pennsylvania zufolge führen digital verbreitete Schimpfwörter, die mit einem „F“ beginnen, die Liste sogar an.

Dass Hetzen nicht gut ist fürs Karma, habe ich mir bereits gedacht. Diese vermeintliche Verbindung bringt allerdings die wenig Schicksalsgläubigen unter den Nutzern wohl kaum von ihrer Mission ab, es jeder Minderheit mithilfe digital-verbaler Entgleisungen mal so richtig zu zeigen. Da könnte das Argument mit der Gesundheit tatsächlich deutlich besser ziehen.

Vielleicht hilft ein weiteres – zugegeben: äußerst streitbares – Szenario: Hetzen in sozialen Netzwerken führt zu teureren Versicherungstarifen. Bis es soweit ist, dass Versicherer den Verlauf der abgesetzten Tweets und Postings analysieren und in die Berechnung des passenden Tarifs einfließen lassen, wird es vielleicht noch etwas dauern. Abwegig ist eine solche Entwicklung jedoch nicht, wird doch die Auswertung von Daten aus Gesundheitsapps oder Fitnesstrackern schon lange als Informationsquelle für Versicherer diskutiert – und von Datenschützern völlig zu Recht als schwerst bedenklich abgelehnt. Beim Rückversicherer „Swiss Re“ jedenfalls reibt man sich ob der Erkenntnisse der US-Wissenschaftler aber schon die Hände: „Das sind die neuen Datenquellen in der Risikobeurteilung“, sagt Matthias Weber gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Er ist Chef der Abteilung für Risikobeurteilung bei der Schweizer Gesellschaft.

Gesundheit und Geld – wenn das nicht besser zieht, als alle erzieherischen Maßnahmen, mit denen Facebook & Co oder gar die Justiz aufwartet, dann weiß ich es auch nicht. Schön wär’s jedenfalls – scheinen dies doch die letzten Möglichkeiten zu sein, Menschen zum Überdenken ihres Lebensstils zu bringen. Neben all den anderen Selbstoptimierungs- und Gesünder-Leben-Trends scheint mir ein Vorsatz, weniger ätzenden Verbalabfall ins Internet zu blasen, noch als der am wenigsten aufwendige.

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erstellt am 14.Sep.2016 | 18:32 Uhr

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