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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 03:35 Uhr

Nagars Netzwelt : Hetze, Porno, Terrorbilder: Facebooks stille Löschmeister

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie entscheidet Facebooks Team in Berlin, welche Inhalte bleiben dürfen?

Wie unterscheidet man eigentlich, was schon Hetze ist und was noch freie Meinungsäußerung? Was die Öffentlichkeit oder einzelne Personen vor Beleidigungen schützt und wo Zensur beginnt? Auf diese Fragen gibt es sicher keine Antworten, die alle zufriedenstellen – doch sind sie Arbeitsalltag für das Arvato-Team in Berlin, das für Facebook Löschanträge bearbeitet.

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Bericht darüber stehen, wie das praktisch funktioniert. Was für Beiträge gemeldet werden und wie dann die einzelnen Mitarbeiter über Gedeih und Verderb entscheiden. Wie viele Löschungen sind das pro Tag? Was muss passieren, dass eine ganze Seite oder eine Person gesperrt wird? Ist das Akkordarbeit? Löscht man mit besserem Gewissen, wenn etwas häufig gemeldet wurde? Diskutiert man über tiefstschwarzen Humor, Kunst und Satire? Wie viel Anteil haben jeweils Terror-Rekrutierung, Beleidigung, Volksverhetzung und Pornografie? Dazwischen vielleicht noch eine banale Anekdote, dass der Büroficus vertrocknet ist. Und der Hinweis, dass Facebook wie kein anderes soziales Medium Millionen Meinungen verbreiten und unterdrücken kann.

Doch dieser Bericht steht hier nicht. Er steht auch nicht in der „Süddeutschen Zeitung“ oder dem Vernehmen nach etwa 100 weiteren Publikationen, die Facebook gebeten haben, das Berliner Büro zu besuchen. Das Unternehmen – respektive die outgesourcten Büros – vertrösten mit den Worten, dass man so viele Anfragen erhalten habe und noch überlege, wie man dem begegnen soll. Nur wenig ist daher über das Anti-Hass-Team bekannt: Es sollen etwa 100 Mitarbeiter sein, offenbar beraten von 23 Organisationen. Wie genau, ist aber unklar und eine Skepsis gegenüber den Löschmeistern bleibt daher. Kritiker sprechen schon von Deutschlands oberster Zensurbehörde.

Unlängst erhielt Facebook den Anti-Preis der „Verschlossenen Auster“ für mangelhafte Transparenz. Denn wenn es um unbequeme eigene Belange geht, gibt der Datensammler plötzlich ungern Details preis – und die Kommunikationsprofis bleiben stumm.



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erstellt am 14.Jul.2016 | 19:17 Uhr

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