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Netzwelt

06. Dezember 2016 | 11:23 Uhr

Infos über Beacon : Hamburger Michel: Rundgang mit App

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Michel ist die erste Kirche in Deutschland, die über Bluetooth Informationen an Smartphones schickt.

Hamburg | Hamburgs berühmtes Wahrzeichen gibt es jetzt auch für das Smartphone: Mit einer eigenen „MichelApp“ will die Kirchengemeinde St. Michaelis neue Zielgruppen erschließen und möglichst viele der jährlich rund 1,4 Millionen Besucher zu einer Entdeckertour einladen. „Der Michel ist die erste Kirche in Deutschland, die sich die Beacon-Technologie in dieser Form zunutze macht“, erklärte Hauptpastor Alexander Röder. Nach Herunterladen der kostenfreien App kann der Besucher durch Turm, Kirche und Krypta laufen und bekommt via Bluetooth-Verbindung an verschiedenen Standorten Infos zum Lesen und Hören auf dem Handy angezeigt – gesendet durch kleine Sender, sogenannte Beacons (englisch für Leuchtfeuer).

„Beacons sind ein weiterer Schritt für die Verbindung zwischen realer und imaginärer Welt“, sagt Rayko Enz, Geschäftsführer der Heilbronner Firma SIC Software GmbH. Im Zentrum stehe aus technischer Sicht die Möglichkeit, bestimmte Aktionen an bestimmten Orten auszulösen. Dafür senden die Minisender Identifikationsnummern aus. Je nach Einstellung kann die Reichweite von etwa 50 Zentimetern bis zu 50 Meter sein. Die Smartphone-App kann die Nummern dann interpretieren und die entsprechenden Informationen auf dem Gerät anzeigen.

In dem historischen Hamburger Bauwerk heißt das konkret: Zwischen Altarraum, Aussichtsplattform, Uhrwerk und Grabstätte sind 15 Sender installiert. Wenn man sich einem der Michel-Beacons nähert, meldet sich das Smartphone automatisch und zeigt Bilder und Informationen zum Lesen oder Hören. Dafür sollten Touristen Kopfhörer nutzen. Dann kann man beispielsweise das Läuten der Glocken hören oder den Klang der berühmten Orgeln genießen.

Die App bietet auch ein Quiz mit zehn Fragen an, mit denen jeder sein Wissen über die 330 Jahre alte Barockkirche testen kann. Die Gemeinde nutzt das Interesse der Touristen aber auch als Gelegenheit, nach dem Rundgang in Kontakt zu bleiben: Der digitale „MichelSegen“ kann empfangen und abonniert werden und einmal im Monat gibt es einen Newsletter. Wie viel Geld sie in die Entwicklung und Technik der App gesteckt hat, wollte die Kirchengemeinde nicht sagen. Die Gemeinde verspricht, die Daten der Nutzer nicht zu missbrauchen: Standorte werden nur temporär verarbeitet und nicht gespeichert.

Generell sollte ein Nutzer vor der Installation einer mit Beacons arbeitenden App genau prüfen, welche Daten erhoben werden und ob er dem Anbieter vertraut. Bei Shopping-Apps befürchten Datenschützer durch die Technologie in Richtung gläserner Kunde.

Erfahrungen mit Beacons als Orientierungshilfe in Räumen oder an bestimmten Plätzen gibt es bereits an anderen kommerziellen Orten: Ikea testete in Österreich die Minisender für eine App, die den Kunden via Push-Mitteilung beispielsweise im Restaurantbereich zum Kaffee einlud und gleichzeitig Himbeerkuchen schmackhaft machen wollte. Die US-Baseball-Liga MLB hat Beacons in mehreren Stadien installiert. Damit können Vereine ihren Fans bessere Sitzplätze anbieten.

Beacon-Technologie wird auch für Stadtführungen eingesetzt. Die Sender werden dabei an Gebäuden und historischen Orten angebracht und der Nutzer kann auf mobile Datenverbindung und GPS-Ortung verzichten. Seit April ist zum Beispiel in Bielefeld ein Beacon-Netzwerk in Betrieb, das von den dort ansässigen Stiftungen Bethel betrieben wird. Mit einer App können Besucher Informationen zu den historischen Gebäuden und medizinischen Einrichtungen erhalten.

Experten glauben, dass sich die Technologie im Kulturbereich kaum rechnet. Nur ein Bruchteil der Besucher lädt sich angebotene Museums-Apps herunter. Das Angebot lohne sich nur bei großen Museen wie dem MOMA in New York, wo 2015 eine Ausstellung der isländischen Künstlerin Björk mit Beacons erklärt wurde. Im Tourismusland Schleswig-Holstein haben sich die Mini-Sender noch nicht etabliert. „Mir ist kein Museum und keine Stadt bekannt, die das touristisch nutzt“, sagt Marc Euler, Sprecher der Tourismus-Agentur Tash. „Aber generell sind wir immer offen für solche Entwicklungen.“

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erstellt am 22.Okt.2016 | 14:17 Uhr

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