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Netzwelt

06. Dezember 2016 | 15:04 Uhr

Weicherts Netzwelt : Gesundheits-Apps, ja, aber bitte zertifiziert

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Persönliche Daten per App zu messen hat Vorteile. Doch wer profitiert am meisten?

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat sich dafür ausgesprochen, die Datensicherheit bei Gesundheits-Apps durch zusätzliche Anforderungen, etwa eine Zertifizierungspflicht, zu verbessern. Damit rennt er bei Ärztevertretungen, Verbraucher- und Datenschützern offene Türen ein. Solche Apps erfassen hochsensible Gesundheitsdaten. Die Verarbeitung erfolgt bisher fast völlig unkontrolliert und für die Betroffenen intransparent. Dies gilt für Fitness-Apps, mit denen Menschen sich, ihr Leben und ihr Freizeitverhalten selbst vermessen. Dies wird teilweise unreflektiert und tatkräftig von Krankenkassen und privaten Versicherungen unterstützt, deren Ziel es auch oft ist, so an zusätzliche private Daten heranzukommen. Selbst ärztliche Anwendungen weisen derzeit gewaltige Defizite auf.

So genannte Wearables eröffnen völlig neue Chancen des medizinischen Monitorings und schneller Nothilfe, was Prävention, Diagnostik und Therapie besser und billiger machen kann. Dies darf aber nicht dadurch auf Kosten der Betroffenen gehen, dass sie sich gegenüber anonym bleibenden IT-Unternehmen zum gläsernen Patienten machen oder Hackern schutzlos ausliefern.

Die Anwendungen müssen medizinisch zuverlässig, technisch sicher und vertraulich sein. Hierauf kommt es bisher rechtlich beim Einsatz und bei der Abrechnung von IT-Hilfsmitteln für die Gesundheit nicht an. Die Bundesregierung verfolgt also ein sinnvolles Ziel, wenn sie für die Zukunft ein transparentes, unabhängiges und qualifiziertes Zertifizierungsverfahren plant, mit dem Datenschutz, Datensicherheit und medizinische Nützlichkeit zusammengeführt werden. Schleswig-Holstein sollte diese Initiative politisch unterstützen, hat das Land doch sowohl in der Medizintechnik wie auch bei der Datenschutzzertifizierung eine internationale Führungsposition.

> Unser Autor Thilo Weichert ist Experte für Datenschutz. Er war von 2004 bis 2015 Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein.

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erstellt am 20.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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