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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 09:33 Uhr

Fligges Netzwelt : Gegen Videoüberwachung: Ein Gesicht aus dem Drucker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Kampf ums Private nimmt absurde Züge an – notgedrungen. Denn die Überwachung wird immer ausgefeilter.

Es ist ein ständiges Wettrüsten, das sich um uns herum abspielt: der Kampf um die Privatsphäre. Forscher, Start-ups und Hacker erfinden immer neue Möglichkeiten, wie der Mensch transparenter wird. Wie sein Leben immer weiter vermarktet werden kann. Bis heute empfinde ich es als gruselig, wenn ich nach Begriffen im Internet suche und mir anschließend in sozialen Netzwerken passende Werbung angezeigt wird. Künstler, Aktivisten und andere Hacker stellen dem Tricks entgegen, die die Privatsphäre schützen sollen. Und dieses Spiel nimmt immer absurdere Züge an.

Dazu zwei Beispiele aus dieser Woche: Als Journalist überprüfe ich hin und wieder, ob unkenntlich gemachte Fotos von mutmaßlichen Straftätern über die umgekehrte Bildersuche von Google auf Seiten führen, die auf ihre Identität schließen lassen. Bisher hat das noch nie funktioniert, was auch gut so ist. Denn das Wörtchen „mutmaßlich“ steht für ein hohes Gut – die Unschuldsvermutung. Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts aber ist es jetzt gelungen, unkenntlich gemachte Gesichter kenntlich zu machen. Algorithmen vergleichen verpixelte Fotos mit unverfälschten Bildern und finden mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 90 Prozent Übereinstimmungen, je nachdem wie viel Bildmaterial vorhanden ist. Für die Forscher ist es nicht unwahrscheinlich, dass ähnliche Systeme bereits unbemerkt im Einsatz sind.

Da wirkt die Aktion von Leonardo Selvaggio gleich weniger schräg: Den Amerikaner hat die zunehmende Präzision von Gesichtserkennungssoftware auf die Idee einer „Identitätsprothese“ gebracht.

 

Im Internet bietet Selvaggio eine Maske aus Kunstharz an, die täuschend echt seinem Gesicht ähnelt – zum Spottpreis von 300 Dollar. Sein Abbild entsteht im 3D-Drucker und soll vor Überwachung schützen. Ein Leben mit Maske? Gruseliger als jede personalisierte Werbung. Bleibt nur zu hoffen, dass sich dieses Wettrüsten nicht so irre weiterdreht.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 11:23 Uhr

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