zur Navigation springen

Netzwelt

10. Dezember 2016 | 15:37 Uhr

VR-Brillen und neue Spiele : Gamescom 2016 im Zeichen der virtuellen Realität

vom

850 Unternehmen, 500.000 Besucher: Die Videospielmesse ist ein Publikumsmagnet und hat in diesem Jahr ein Kernthema.

Köln | Die Gamescom ist eine der wichtigsten Messen der Video- und Computerspielbranche weltweit. Sie richtet sich nicht nur an Fachbesucher, sondern auch an die große Gemeinde der Spieler. 850 Unternehmen wollen sich in diesem Jahr präsentieren. Alle flankierenden Veranstaltungen der Gamescom-Woche eingerechnet, erwarten die Organisatoren in Köln eine halbe Million Besucher. Die Gamescom selbst läuft vom 17. bis zum 21. August. Der erste Tag ist Fachbesuchern vorbehalten, danach ist die Messe für alle geöffnet. Die Computer- und Videospielmesse ist zu einem bunten Sammelsurium geworden. Anzugträger treffen auf kostümierte Spielefans, virtuelle Welten auf glitzernde Technikspielereien. Sogar der Dom macht in diesem Jahr mit. Ein Überblick.

G wie Games

„The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ ist als offene Welt ausgelegt. Held Link kann gehen und fahren wohin er will - etwa mit einem Floß.
„The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ ist als offene Welt ausgelegt. Held Link kann gehen und fahren wohin er will - etwa mit einem Floß. Foto: Nintendo

Im Zentrum der Messe stehen - na klar - Video- und Computerspiele. Was früher noch als Daddelei für Technik-Freaks galt, ist heute längst in der Masse angekommen. Davon profitiert natürlich auch die Gamescom, die für sich in Anspruch nimmt, von 2009 bis 2015 bei der Zahl der Aussteller um 76 Prozent und bei der Zahl der Fachbesucher um 92 Prozent gewachsen zu sein. Flankiert von einem umfangreichen Rahmenprogramm werden die Hersteller in den Messehallen ein ganzes Füllhorn brandneuer Spieletitel zum Anspielen bereithalten.

Allerdings: Für private Besucher gibt es seit Wochen keine Tagstickets mehr. Wer sich einen bestimmten Spieletitel ausprobieren will, muss sich vielfach vorab registrieren und erhält einen bestimmten Termin zugewiesen. Nintendo hat zum Beispiel lediglich 50 Besucher vorab akkreditiert, die den neuen Titel der Zelda-Reihe „Breath of the Wild“ in Köln anspielen wollen - für mehr reicht der Platz nicht. Auch Sony rät Messebesuchern, sich vorab registrieren zu lassen, um sich einen Platz zu sichern.

Einen großen Teil seines Standes will Sony der neuen Rennsimulation „Gran Turismo Sport“ widmen, der erstmals die Nordschleife des Nürburgrings befahrbar macht. Den Fokus will das Unternehmen in diesem Jahr auf seine Virtual-Reality-Brille legen, die voraussichtlich im Oktober auf den Markt kommen wird. Allein 50 Anspielstationen wird es für das Headset auf der Messe geben, über die die Messebesucher in die Welten von „Robinson: The Journey“ oder „Resident Evil 7 biohazard“ eintauchen können.

A wie Aussteller

Die neue XBox One s ist kleiner als ihr Vorgänger und hat eine verbesserte Grafikleistung. EPA/
Microsoft hat vermutlich die neue Xbox One S im Gepäck. Sie ist kleiner als ihr Vorgänger und hat eine verbesserte Grafikleistung. Foto: EPA/Mike Nelson
 

Nach Angaben der Messe werden in diesem Jahr 850 Unternehmen aus rund 50 Ländern in Köln ausstellen. Partnerland ist 2016 die Türkei - einer der großen Wachstumsmärkte der Branche, wie der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) erklärt. Die Entscheidung dafür sei schon vor eineinhalb Jahren gefallen, sagt Geschäftsführer Maximilian Schenk - also deutlich vor dem Putschversuch und den Folgen. Partner sei aber auch nicht die Politik, sondern die türkische Gamesbranche.

Viele schöne, neue Titel werde es auf der Messe zu sehen geben, aber darüber hinaus werde es eine „relativ normale Gamescom“ werden, schätzt Stephan Freundorfer, Branchenkenner und Chefredakteur der Website „gamez.de“. Große Neuigkeiten oder gar Überraschungen dürften in diesem Jahr ausbleiben. Alle drei großen Konsolenhersteller verzichten diesmal auf eine eigene Pressekonferenz.

Microsoft wird sicherlich seine neue Xbox One S mitbringen, für den Markstart des neuen, schlankeren Modells wollte das Unternehmen aber offenbar die Gamescom nicht abwarten. Sony will seine neue Playstation Neo möglicherweise schon in diesem Jahr auf den Markt bringen. In Köln wird von ihr jedoch voraussichtlich nichts zu sehen sein. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Konsole auf einem Event in New York präsentiert wird, das Sony für Anfang September angesetzt hat.

M wie Mitternacht

Der Kölner Dom ist aus unterschiedlichen Gesteinen gebaut worden.
Der Kölner Dom wird nach 22 Uhr zur Chill-Out-Area. Foto: Oliver Berg
 

Wer nach einem Gamescom-Tag noch etwas anderes als Computerbildschirme sehen will, kann sich in diesem Jahr in den Kölner Dom verziehen. Die Kirche ist von 22 bis 2 Uhr in der Nacht geöffnet - und hat das DJ-Duo Blank & Jones angeheuert, um das Gotteshaus mit elektronischer Musik zu beschallen. Eine Rave-Party sollte man in den altehrwürdigen Gemäuern dennoch nicht erwarten - eher etwas zum Runterkommen.

E wie Einlasskontrollen

Ruhe vor dem Sturm an der Kölnmesse: Für die Gamescom-Tage 2016 sind der Donnerstag, Freitag und Samstag bereits ausverkauft.
Sämtliche Waffenattrappen sind verboten, die Kontrollen werden bei der Gamescom verschärft. Foto: Caroline Seidel
 

Die Messe verstärkt aufgrund der „schrecklichen Ereignisse in den vergangenen Wochen“ in diesem Jahr ihre Sicherheitsmaßnahmen, wie sie jüngst mitteilte. Die Gamescomer werden aufgerufen, alles zu Hause zu lassen, was nicht unbedingt gebraucht wird - damit die Wartezeiten bei den Kontrollen nicht länger werden.

S wie Schwerpunkte

Auf der Gamescom spielen Virtual-Reality-Brillen eine große Rolle.
Auf der Gamescom spielen Virtual-Reality-Brillen eine große Rolle. Foto: Andrej Sokolow
 

In diesem Jahr stehen drei Trends im Vordergrund: Virtuelle Realität (VR), E-Sport und die Spieler selbst als Bestandteil und Gestalter des Mediums. Mit VR-Brillen lässt sich vor den Augen eine komplett virtuelle Umgebung erzeugen. Erste Modelle sind auf dem Markt, weitere sollen folgen. Virtuelle Realitäten werden die Gamescom aber beherrschen. Die Veranstalter erhoffen sich in diesem Jahr erneut eine große Breitenwirkung für die gesamte Branche - und weit darüber hinaus. Auch außerhalb der Unterhaltung würden die Industrie sowie andere Branchen stark von der neuen Technologie als Plattform für das digitale Zeitalter beeinflusst, sagte Maximilian Schenk, Geschäftsführer des Branchenverbands BIU. Die Gamescom habe sich „von einer Videospiel-Messe zu einem 360-Grad-Event des digitalen Entertainment“ entwickelt. Das Thema Virtual Reality steht stellvertretend für die wachsende Bedeutung der Spiele-Branche über die eigenen Grenzen hinaus als Trend.

Neben Sonys VR-Brille werden auch die VR-Systeme HTC Vive oder die Oculus Rift zum Testen bereitstehen. Inzwischen sind erste Geräte für virtuelle Welten verfügbar. Es gibt zwar immer noch Lieferschwierigkeiten. „Die neue Technik ist aber jetzt im Markt angekommen“, sagt Stephan Freundorfer. Auf der Gamescom 2017 werde man dann sehen können, wo es hingeht - „oder sich die Wunden lecken“, weil die Erwartungen zu hoch waren.

C wie Cosplayer

Einige Spieler schlüpfen mit Haut und Haaren in die Rolle ihrer Games-Helden.
Einige Spieler schlüpfen mit Haut und Haaren in die Rolle ihrer Games-Helden. Foto: Koelnmesse GmbH
 

Kostümbegeisterte Video- und Computerspielfans gehören zur Gamescom wie Langhaarträger zu einem Heavy-Metal-Festival. Die sogenannten Cosplayer ahmen mit Verkleidung ihre Lieblingsfiguren aus den Spielen nach. Der Trend stammt aus Japan, wo der Begriff Anfang der 80er Jahre geprägt wurde. Problem für die Szene in diesem Jahr: Bei wem Waffennachbildungen zur Rolle gehören, darf sie aus Sicherheitsgründen nicht mitnehmen, weder Gewehre, noch Messer, Äxte, Sägen oder Beile. Laut Branchenverband BIU gibt es im Netz Diskussionen um kreative Alternativen - etwa mit Staubwedeln in der Hand zu kommen. Aussteller müssen Ausnahmen vorher beantragen.

O wie Online-Helden

Berivan Bicakci (16) sitzt auf dem Neumünsteraner Noten-Schwan auf dem Großflecken. Sie darf vielleicht vor 15.000 Menschen in Köln auftreten.
Berivan Bicakci (16) sitzt auf dem Neumünsteraner Noten-Schwan auf dem Großflecken. Sie wird vor in Köln auftreten. Foto: Kowsky
 

Teil der sogenannten Gamescom-Woche sind auch die Videodays (19. bis 20. August), bei denen vornehmlich jugendliche Fans auf bekannte Youtuber treffen. Die Youtube-Szene kommt unweit des Gamescom-Geländes zusammen und ist längst keine Nische mehr. Viele Youtuber haben online mehrere Hunderttausend Fans, die ihre Videos regelmäßig ansehen. Sie geben Schminktipps, drehen Comedy-Clips oder kommentieren Videospiele. Mit dabei ist auch Berivan Bicakci aus Neumünster.

M wie Massen

Auch im vergangenen Jahr erlebte die Computer- und Videospielmesse Gamescom eines großen Zuschauerandrang.
Auch im vergangenen Jahr erlebte die Computer- und Videospielmesse Gamescom eines großen Zuschauerandrang. Foto: Henning Kaiser
 

Während der Gamescom-Woche wird es an einigen Orten in Köln proppenvoll. Die Organisatoren erwarten - alle flankierenden Veranstaltungen eingerechnet - 500.000 Besucher.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Aug.2016 | 14:04 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen