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Technologiemesse Cebit : Firmen aus SH kämpfen um die klugen IT-Köpfe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zunehmende Engpässe bei der Suche nach IT-Fachkräfte und Cybersicherheit - darum geht es auf der IT-Messe Cebit.

Hannover | Die Digitalisierung in Deutschland wird durch einen verschärften IT-Fachkräftemangel und auch Internetkriminelle ausgebremst. Das wurde am ersten Tag der Technologiemesse Cebit in Hannover deutlich, wo das diesjährige Partnerland Japan einen verstärkten digitalen Schulterschluss mit Deutschland sucht. Auch 21 Aussteller aus Schleswig-Holstein präsentierten sich auf der Computer-Fachmesse.

Als „Kampf um die Köpfe“ bezeichnete Tim Schlotfeld, Projektleiter bei Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein (DiWiSH), das Buhlen um Nachwuchskräfte im IT–Bereich. Für das nördlichste Bundesland sieht er einen entscheidenden Standortvorteil: Viele der IT-Absolventen wollten nach ihrem Studium wegen des attraktiven Lebensumfelds in Schleswig-Holstein bleiben und arbeiten; das Spektrum an potentiellen Arbeitgebern, meist Klein-Unternehmen und Mittelständler verbreitere sich. Zu ihnen müssten die Nachwuchskräfte gelotst werden. Das ist der Auftrag der DiWish als regionales Netzwerk der Digitalbranche, über das sich die Unternehmen vernetzen können. Die DiWish hilft bei der Suche nach Nachwuchs. Manchmal müsste die Sichtbarkeit der Unternehmen noch erhöht werden, sagte Schlotfeld. Das sah auch Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) so.

Viele Menschen wüssten gar nicht, wie viele innovative und wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen der Norden zu bieten habe, machte Albig bei seinem Besuch am Gemeinschaftsstand deutlich: „Schleswig-Holstein ist nicht nur Tourismus-Land. Hier sitzt das Know-how, hier gibt es viele innovative Start-Ups. Bei uns kann man nicht nur Strandkörbe, sondern auch Datenleitungen kaufen“, sagte er.

Vom gemeinsamen Messeauftritt war auch Sascha Leichsenring von der Balvi GmbH überzeugt: „Die Messe und der Stand sind ein tolles Umfeld, um sich der Welt zu zeigen“, meinte er. Die Fachsoftware seines Unternehmens etwa sei vielen noch unbekannt, dabei könne damit „von Schleswig-Holstein aus die komplette Veterinär-, Futtermittel- und Lebensmittelüberwachung mit IT-Werkzeug versorgt werden“.

Auch Hamburger Unternehmen bewiesen auf der Cebit ihre Innovationsfreudigkeit. So erhielt die Firma Viewlicity den mit 30.000 Euro dotierten zweiten Innovationspreis. Die Hanseaten hatte eine neue Visualisierungstechnik für das Golftraining entwickelt. Der erste Preis ging an ein Team von Softwareentwicklern aus Niedersachsen für eine App, mit der sich Krankheiten von Pflanzen bestimmen lassen.

Der Mangel an IT-Fachkräften in Deutschland hat sich dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zufolge zugespitzt. „Im vergangenen Jahr beklagte nur etwa jeder fünfte Befragte, dass IT-Fachkräfte für große Unternehmen schlecht oder sehr schlecht verfügbar sind - nun sieht es schon fast jeder Dritte so“, sagte Dieter Westerkamp vom VDI.

Nach eigenen Berechnungen habe es 2016 insgesamt 28.800 offene Stellen für Informatiker gegeben – 23 Prozent mehr als im Schnitt des Vorjahrs. Westerkamp: „Das heißt: auf einen arbeitslos gemeldeten Informatiker kommen 3,5 offene Stellen.“ Viele befragte Experten rechneten noch mit einer Verschärfung dieses Engpasses. Damit drohe sich der Trend zu verstetigen, dass IT-Dienstleistungen auf Standorte im Ausland verlagert oder aus dem Unternehmen herausgelöst werden.

Die größte Herausforderung beim digitalen Wandel besteht zudem für viele Betriebe nicht so sehr in der technologischen Beherrschbarkeit der Prozesse, sondern der Entwicklung und Umsetzung geeigneter neuer Geschäftsmodelle. International habe Deutschland dabei einen deutlichen Nachholbedarf, warnte der VDI.

Ein Risiko stellt für viele Unternehmen die Cybersicherheit dar. Mehrere Redner betonten auf der Messe, dass viele Unternehmen aus Angst vor Imageschäden nur selten über Schäden sprechen würden. Die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime des niedersächsischen Landeskriminalamtes rief Unternehmen auf, sich vor Cyberangriffen zu schützen. „Sie werden definitiv angegriffen, ob gezielt oder in der Masse“, warnte der Kriminalbeamte Christian Pursche.

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