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Netzwelt

07. Dezember 2016 | 23:21 Uhr

Später Junggesellenabschied : «Final Fantasy XV» angespielt

vom

Mehr als zehn Jahre Arbeit, ein ganz neuer Name und ein Wechsel des Entwicklungschefs: «Final Fantasy XV» ist die Definition einer schweren Geburt. Das Ergebnis der Mühe kann sich zwar sehen lassen - Spieler müssen dafür aber reichlich Freizeit mitbringen.

«Final Fantasy XV» ist die Elbphilharmonie der Spielewelt: Mit großen Ambitionen gestartet, mehrfach umgeplant und umgebaut - und mit großer Verspätung endlich fertig.

Im Mai 2006 erstmals angekündigt, damals noch mit anderem Titel und für die Playstation 3, ist das riesige Rollenspiel von Square Enix nun für Playstation 4 und Xbox One erhältlich.

Mit so einer Vorgeschichte ist es kein Wunder, dass «Final Fantasy XV» einen gewissen Größenwahn ausstrahlt. Das Rollenspiel kombiniert epische Fantasy-Action, ein entspanntes Roadmovie sowie typisch japanisches Anime-Melodrama mit Hollywood-Jungshumor und will Spielern sowohl inszeniertes Spektakel im Stil von «Uncharted» als auch die Freiheit eines «Monster Hunter» bieten. Das klappt längst nicht immer - sehenswert ist das Ergebnis aber auf jeden Fall.

Wie jedes andere «Final Fantasy» übernimmt auch Teil 15 nichts von seinen Vorgängern. Story, Spielwelt, Charaktere und Regelwerk sind komplett neu. Die Geschichte ist etwas konfus erzählt, im Kern aber simpel: Prinz Noctis, Thronfolger eines kleinen Königreichs, zieht mit seinen drei Freunden los, um seine Verlobte Lunafreya für die bevorstehende Hochzeit abzuholen. Der Junggesellenabschied wird allerdings jäh unterbrochen, als ein böses Imperium einmarschiert. Höchste Zeit für Noctis also, seinen Thron und die Welt zu retten. Oder erst einmal in Ruhe angeln zu gehen.

Denn auch wenn die Story von «Final Fantasy XV» nach etwas lahmem Beginn ordentlich in Fahrt kommt, kann der Spieler sie weitestgehend ignorieren. Die offene Welt, in der Noctis und seine Freunde in einem Luxus-Cabrio herumcruisen, bietet schließlich genug Ablenkungsmöglichkeiten - von der Monsterjagd über die Höhlenexpedition bis zur Schatzsuche.

Am Abend beziehen die vier Reisenden entweder ein Hotel oder schlagen in der Wildnis ein Zelt auf. Dort wird natürlich auch gekocht - zur Auswahl stehen zum Beispiel Toast mit Spiegelei oder gegrillter Fisch. Die grotesk detaillierte Kochsimulation ist nur ein Punkt, an dem man «Final Fantasy XV» die lange Entwicklungszeit anmerkt. Wer mehr als zehn Jahre an einem Spiel arbeitet, hat offenbar auch genug Zeit, um Dutzende von Rezepten ins Spiel einzubauen, genau wie eine überraschend realistische Angelsimulation.

Der Kern des Spiels ist da weit konventioneller: Denn da geht es noch immer um das möglichst effektive Verprügeln von Monstern und anderen Gegnern. Anders als bei den Vorgängern läuft der Kampf ganz ohne Pausen und Menüs ab. Stattdessen darf der Spieler mit Noctis direkt angreifen, zaubern und ausweichen - seine Freunde agieren mit kleinen Ausnahmen selbstständig. Am Anfang sind die Kämpfe vor allem buntes Chaos, mit der Zeit zeigt sich aber einiges an Tiefgang.

Dass das Spiel unter all seinen Ideen nicht völlig zusammenbricht, ist ein kleines Wunder. Schwächen hat es aber natürlich trotzdem, allen voran die arg widerspenstige Kamera. Und längst nicht jede der zahlreichen Nebenmissionen ist wirklich spannend, im Angebot ist auch viel Schema F.

Und doch hat der Roadtrip einen gewissen Charme, was vor allem an den vier Hauptfiguren liegt. Die sind zwar wandelnde Klischees - der Bücherwurm, der Kraftprotz und der Witzbold - mit merkwürdigem Modegeschmack und wahnwitzig elaborierten Frisuren. Als vier beste Freunde auf der letzten unbeschwerten Reise ihres Lebens sind sie aber auch sehr glaubwürdig - und wachsen dem Spieler so mit der Zeit mächtig ans Herz.

Umso trauriger ist, dass «Final Fantasy XV» diese Qualitäten mit fortschreitender Spieldauer etwas aus den Augen verliert. In der zweiten Hälfte wird aus der tiefenentspannten Story nämlich wieder etwas hektische und sehr klassische Fantasy im Stil der Vorgänger. Das ist oft überraschend und nie richtig schlecht, aber leider auch nicht mehr so besonders wie die erste Hälfte.

Die gute Nachricht: Wer genug Freizeit hat, kann den Roadtrip von «Final Fantasy XV» auch nach Ende der knapp 30-stündigen Geschichte fortsetzen und so locker noch mehrere Dutzend Stunden Spaß aus dem Spiel wringen. Wer weiß schließlich schon, wie lang es bis zum nächsten Teil dauert?

«Final Fantasy XV» ist für je rund 60 Euro für Playstation 4 und Xbox One erhältlich. Eine PC-Version ist bisher nicht angekündigt. Die Altersfreigabe liegt bei 12 Jahren.

«Final Fantasy XV»

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erstellt am 02.Dez.2016 | 11:56 Uhr

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