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Kanzlei „Waldorf und Frommer“ : Fake-Abmahnungen in SH: Das steckt dahinter

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie sollen Software illegal heruntergeladen haben - doch das stimmt nicht. E-Mail-Empfänger in SH sind trotzdem verunsichert.

Kiel | Gefälschte Abmahnungen – und Hunderte verunsicherte Verbraucher: Weil sie angeblich eine Bildbearbeitungssoftware illegal heruntergeladen haben sollen, bekommen viele Internetnutzer in Deutschland E-Mails von einer Kanzlei. Aber: Die Vorwürfe stimmen nicht, es handelt sich um eine neue Aktion von Betrügern.

Auch in Schleswig-Holstein hätten sich mehr als 100 Betroffene an die Verbraucherzentrale gewandt, wie die Beratungsstelle gestern mitteilte. Die vorgetäuschten juristischen Schreiben seien allesamt per E-Mail gekommen und enthielten Forderungen über mehrere tausend Euro. Als Absender ist in allen Fällen die Abmahnkanzlei Waldorf und Frommer aus München angegeben. In den E-Mails behaupten die Verfasser nicht nur, der Empfänger habe die urheberrechtlich geschützten Inhalte im Internet illegal heruntergeladen – angeblich sollen sie sie anderen Nutzern zudem zur Verfügung gestellt haben. Doch nicht nur die Verbraucherzentrale – auch die Kanzlei selbst stellt auf ihrer Website klar: Die E-Mails sind gefälscht. „Die darin angegebenen Tatsachen sind allesamt falsch. Es handelt sich somit um Fälschungen, die offenkundig betrügerischen Zwecken dienen“, heißt es auf der Website.

Vorsicht ist in doppeltem Sinne geboten: Weder sollten Empfänger den Zahlungsaufforderungen nachkommen, noch sollten sie Links oder Anhänge öffnen. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass die Betrüger damit versuchen, an persönliche Daten zu gelangen.

Doch woran sind echte Abmahnungen zu erkennen? Erstens: Schon daran, dass das Schreiben per E-Mail kommt. „Das sind in der Regel Fälschungen“, sagt Dr. Boris Wita, Jurist der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Echte Abmahnungen kämen stets als Brief mit der Post. Und: Sie enthalten diverse Unterlagen mit genauen Angaben zum Verstoß, eine Unterlassungserklärung und meist einen Beschluss des Landgerichtes. In diesem Fall sollten Empfänger sie auch niemals ignorieren, sondern sie von Experten prüfen lassen, lautet die Empfehlung des Juristen. Wer dann nicht reagiert, müsse mit weiteren Mahnschreiben und Forderungen rechnen. Das gilt auch, wenn Betroffene überzeugt sind, dass sie selbst nichts falsch gemacht haben.

Doch online ist das in manchen Fällen oft gar nicht leicht zu erkennen. Habe ich mich mit dem lustigen Bild, das ich im Netz gefunden und bei Facebook gepostet habe, etwa schon strafbar gemacht? Unter Umständen ja – denn Voraussetzung für eine Urheberrechtsverletzung ist, dass man einen Text, ein Musikstück, ein Foto oder Video öffentlich zugänglich macht. „Auch wenn man es nur den eigenen Facebook-Freunden zugänglich macht, handelt es sich in aller Regel um eine Veröffentlichung“, sagt der auf Internet-Recht spezialisierte Rechtsanwalt Michael Terhaag. Eine private Nutzung dürfte nur vorliegen, wenn man ein Werk online einem sehr eng begrenzten Kreis von höchstens etwa 15 Personen zeigt.

Wer fremdes Material ohne Lizenz und auch ohne die Zustimmung des Urhebers veröffentlicht, handelt illegal und muss mit Konsequenzen rechnen. Eine strafrechtliche Untersuchung ist möglich, findet aber in der Regel selten statt. Wer im Netz das Copyright verletzt, muss sich daher vor allem auf zivilrechtliche Schritte des Urhebers einstellen. „Der Rechteinhaber hat mehrere Ansprüche“, erläutert Terhaag. So könne er verlangen, dass man die Veröffentlichung zurücknehme und künftig ausschließe. „Man muss also eine Unterlassungserklärung abgeben.“ Außerdem habe der Urheber Recht auf Schadensersatz. „Dazu kommen die Anwaltskosten. So etwas ist immer lästig und kann auch ziemlich teuer werden.“

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erstellt am 17.Mär.2017 | 09:39 Uhr

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