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Netzwelt

23. März 2017 | 07:16 Uhr

Soziales Netzwerk : Facebook zeigt BBC-Journalisten an - weil sie zu Sexbildern von Minderjährigen recherchieren

vom

Die Journalisten recherchierten zu Kindesmissbrauch. Als sie Facebook das Material vorlegten, wurden sie angezeigt.

BBC-Journalisten recherchieren zu Kindesmissbrauch bei Facebook und entdecken eine Vielzahl von Bildern, die Minderjährige in sexualisierten Posen zeigen sollen. Sie finden auch ein Foto, das aus einem Kinderporno stammen soll. Die Journalisten melden die Bilder Facebooks Community-Team. Daraufhin werden von etwa 100 gemeldeten Beiträgen lediglich 18 entfernt, das Foto aus dem Kinderporno gehört nicht dazu. Aber es kommt noch schlimmer für die Journalisten - Facebook zeigt sie sogar an. Die BBC berichtet selbst über den Fall.

Facebooks Löschverhalten sorgt immer wieder für Kritik. Durch den neuen Fall muss sich das soziale Netzwerk auch im Umgang mit Medien erklären.

In einem Interview wollten die BBC-Journalisten mit Facebook-Managern den Fall eigentlich erörtern. Doch als sie die entsprechenden Inhalte in Vorbereitung auf das Gespräch per E-Mail übermitteln, zeigte Facebook die Journalisten bei der britischen Kinderschutzbehörde an. Facebooks Begründung lautete: Es verstoße gegen das Gesetz, Bilder von Kindermissbrauch zu verbreiten. Zu dem Interview sollen sich die Facebook-Manager allerdings nur bereit erklärt haben, wenn sie vorab die Missbrauchsbilder bekämen.

In einer Stellungnahme (Original aus dem Englischen übersetzt) erklärt Facebook gegenüber shz.de: „Wir haben die an uns gesendeten Inhalte sorgfältig überprüft und alle Objekte, die illegal waren und gegen unsere Standards verstießen, entfernt. [...] Es verstößt gegen geltende Gesetze, Bilder von Kindermissbrauch zu verbreiten. Als die BBC uns die Bilder schickte, folgten wir unseren Standards und haben das Material CEOP (dem britischen Zentrum für Schutz vor Kindesmissbrauch, Anm. d. Red.) gemeldet. Wir haben auch Bilder von Kindesmissbrauch, die auf unser Plattform geteilt wurden, gemeldet. Die Angelegenheit befindet sich nun in den Händen der Behörden.“

Der Fall sorgte bei britischen Abgeordneten für Kritik. Damian Collins, Leiter des Medienausschusses, spricht gegenüber der BBC von einem „außergewöhnlichen Vorgang“. Die Journalisten hätten Facebook nur helfen wollen, „ihr Netzwerk aufzuräumen“. Auch die britische Kinderbeauftragte Anne Longfield nennt das Vorgehen von Facebook „inakzeptabel“.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 12:14 Uhr

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