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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 13:32 Uhr

Nachrichtenfunktion : Facebook und der Messenger-Zwang

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schluss mit browserbasiertem Nachrichtenaustausch bei Facebook? Das soziale Netzwerk sperrt Smartphonenutzer aus der Funktion aus, wenn sie nicht den Messenger nutzen.

Es gehe immer um die „bestmögliche Nutzererfahrung“, heißt es bei Facebook. Ein Blick in die Realität lässt jedoch die Frage zu, dass das soziale Netzwerk jede Nutzererfahrung als gute Erfahrung verbucht – auch unangenehme. Denn seit einigen Tagen verwehrt das Netzwerk solchen Nutzern, die über den Browser auf ihrem Smartphone bei Facebook angemeldet sind, den Zugang zur Nachrichtenfunktion.

Statt die Nachrichten von Freunden anzuzeigen und den Nutzer antworten zu lassen, ploppt ein Hinweis auf: „Dieser Link wird in Google Play Store geöffnet“, der Anwendung zum Herunterladen von Apps wie dem Facebook Messenger für Smartphones mit Googles Betriebssystem Android. Ein Ablehnen dieses Vorschlags durch den Klick auf das „Nein“-Feld führt – statt zum Nachrichten-Postfach – zur Anzeige einer unschönen Erkenntnis: „Deine Unterhaltungen werden zum Messenger verschoben“, und: „Bald kannst du deine Nachrichten nur noch im Messenger anzeigen.“ Das heißt im Klartext: Wenn Nutzer weiter von ihrem Mobiltelefon aus Nachrichten via Facebook versenden wollen, müssen sie den Messenger installieren. Ohne wenn und aber. Unter der Meldung zeigt Facebook, wie viele der Facebook-Freunde die Anwendung bereits verwenden. Ein Lockversuch?

Unschlüssige wie Komplett-Verweigerer kommen nicht weit: Schließt der Nutzer den Hinweis mit dem „X“, um zu seinen Nachrichten zu gelangen, beginnt der Ladevorgang zwar, führt aber nicht zum Erfolg. Mehrmalige Selbstversuche zeigen: Trotz leistungsstarker WLan-Netze tut sich auch nach einigen Minuten nichts, das graue Rädchen dreht sich unaufhörlich weiter, die Nachrichten bleiben verborgen – zumindest in der Mobilvariante des Mozilla Firefox. Nutzer von Googles Chrome-Browser lässt Facebook auf die Nachrichten zugreifen, allerdings nicht, ohne sie beim Öffnen jeder einzelnen Nachricht zunächst in den Google Play Store zu leiten.

Ob es Facebook tatsächlich um eine angenehmere Erfahrung für seine Nutzer geht, ist fraglich – gilt der Messenger doch als besonders neugierig. Somit wäre es denkbar, dass der US-Konzern die Facebook-Nutzer in die App holen möchte, um noch mehr über sie zu erfahren. Eine Stellungnahme gab es auf Anfrage nicht.

Das Bestreben Facebooks, seine mobil surfenden Mitglieder in den inzwischen 900 Millionen Nutzer starken Messenger umzusiedeln ist nicht neu: Bereits vor zwei Jahren kündigte der Konzern diesen Schritt für sein Netzwerk an. Damals war die Facebook-App betroffen, umgehen ließ sich der Zwang – zumindest vorübergehend – dadurch, dass Nutzer auf den mobilen Webbrowser auswichen. Das ist spätestens jetzt keine Option mehr.

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erstellt am 06.Jun.2016 | 18:50 Uhr

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