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Netzwelt

10. Dezember 2016 | 21:38 Uhr

Streit um Whatsapp-Nutzerdaten : Facebook reagiert auf Kritik von Hamburger Datenschützer Johannes Caspar

vom

Hamburgs Datenschutzbeauftragter verbietet Whatsapp, Daten deutscher Nutzer zu erheben. Es geht um die Weitergabe an Facebook.

Hamburg | Eigentlich hatte Whatsapp versprochen, es nicht zu tun. Jetzt sendet der Messenger doch Nutzerdaten an Facebook weiter. Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar ist deswegen richtig sauer. Mit sofortiger Wirkung hat er untersagt, Daten von deutschen Whatsapp-Nutzern zu erheben und zu speichern. Zudem müsse Facebook bereits von Whatsapp übermittelte Daten löschen. Die rund 35 Millionen Nutzer müssten selbst entscheiden können, ob sie eine Verbindung ihres Kontos mit Facebook wünschen, erklärte Caspar am Dienstag in Hamburg. „Dazu muss Facebook sie vorab um Erlaubnis fragen. Dies ist nicht geschehen.“

Whatsapp wurde im Februar 2014 von Facebook für 19 Milliarden Dollar gekauft. Damals hieß es, durch die Übernahme werde sich für die Nutzer nichts ändern.

„Dass dies nun doch geschieht, ist nicht nur eine Irreführung der Nutzer und der Öffentlichkeit, sondern stellt auch einen Verstoß gegen das nationale Datenschutzrecht dar“, begründete die Datenschutzbehörde die Verwaltungsanordnung. Facebook und WhatsApp seien selbstständige Unternehmen, die die Daten ihrer Nutzer auf Grundlage ihrer Nutzungs- und Datenschutzbedingungen verarbeiten.

Facebook erklärte stets, das europäische Geschäft werde von Irland aus betrieben und deswegen seien die dortigen Datenschützer zuständig. Das Online-Netzwerk entgegnete Caspar am Dienstag: „Facebook befolgt das EU-Datenschutzrecht.“ Man sei offen dafür, mit dem Hamburger Datenschützer zu arbeiten, um seine Fragen zu beantworten und Sorgen zu zerstreuen.

Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar ist schon mehrfach gegen Facebook vorgegangen. Zumindest die umstrittene Gesichtserkennungsfunktion nahm das Online-Netzwerk in Europa nach seinem Eingreifen wieder zurück. Sein damaliger Kieler Kollege Thilo Weichert versuchte erfolglos, öffentliche Einrichtungen in Schleswig-Holstein Facebook-Seiten zu verbieten. Eine Auswahl der Fälle:

Nutzung unter Pseudonym

Facebook darf von Nutzern in Deutschland weiterhin verlangen, sich mit ihren echten Namen anzumelden. Caspar hatte dem Online-Netzwerk per Anordnung vorgeschrieben, eine Nutzung auch unter Pseudonym zu erlauben. Das Verwaltungsgericht Hamburg entschied im März, dass deutsche Recht gelte in diesem Fall nicht. Es sei das Recht des EU-Landes anzuwenden, „mit dem die streitige Datenverarbeitung am engsten verbunden sei“. Und hinsichtlich der Klarnamenpflicht sei dies die Niederlassung Facebooks in Irland. Die deutsche Niederlassung sei überwiegend nur im Bereich der Werbung tätig.

Geischterkennung

Facebook wollte auch seinen Nutzern in Europa bequemeren Weg bieten, ihre Freunde in hochgeladenen Bildern zu markieren. Dabei sollte Software automatisch erkennen, wer auf den Fotos zu sehen ist. Nach dem Widerstand von Datenschützern - darunter auch von Caspar - legte der Konzern den Plan im September 2012 auf Eis. Die Datenschützer fanden bedenklich, dass für die Erkennung biometrische Profile erstellt und gespeichert werden müssen. Zudem forderten sie eine „bewusste und informierte Einwilligung“ der Nutzer. Caspar stellte sein Verwaltungsverfahren gegen Facebook ein, nachdem seine Behörde die Löschung der bereits erfassten biometrischen Daten kontrollieren konnte.

Fan-Seiten in Schleswig-Holstein

Der ehemalige Kieler Datenschützer Thilo Weichert wollte öffentlichen Einrichtungen in dem Bundesland verbieten, Fan-Seiten in dem Online-Netzwerk zu betreiben. Das Verwaltungsgericht in Schleswig gab jedoch 2013 drei Unternehmen Recht, die dagegen geklagt hatten. Die Unternehmen seien für den Datenschutz bei Facebook rechtlich nicht verantwortlich. Weichert hatte 2011 verfügt, die Firmen sollen ihre Fanseiten auf Facebook deaktivieren. Die Behörde hatte ihre Verfügung mit der Androhung eines Bußgeldes von bis zu 50.000 Euro untermauert.

 

Im August kündigten die beiden Messengerriesen an, doch die Daten zu teilen. Bis zum 25. September wurde Nutzern ein Ultimatum gestellt. Über einen Unterpunkt in den Kontoeinstellungen sollten Nutzer binnen 30 Tagen entscheiden, ob ihre Daten für personalisierte Werbung an Facebook weitergeleitet werden dürfen.

Doch selbst wer widersprochen hat, wird sich ärgern: Whatsapp sendet trotzdem Daten an Facebook. Bei dem Widerspruch ging es lediglich um die Art der Datenverwendung, nicht den Umfang und die Datenweitergabe im Allgemeinen. Bei Whatsapp heißt es dazu, dass Nutzer sich zwar gegen das Teilen der Account-Informationen entscheiden könnten. „Die Facebook-Unternehmensgruppe wird diese Information trotzdem erhalten und für andere Zwecke“ verwenden. Dazu zählen laut Whatsapp unter anderem die „Verbesserung von Infrastruktur und Zustellsystemen“ oder die „Bekämpfung von Spam“. Der Widerspruch bezog sich lediglich auf die Verwendung der Whatsapp-Nutzerdaten für personalisierte Werbung auf Facebook, also den Verwendungszweck der Daten.

Was kann man tun, damit Whatsapp keine Daten an Facebook sendet?

Wenn Nutzer gar keine Weitergabe an Facebook wollen, bleibt nur das Löschen des Whatsapp-Kontos unter Einstellungen > Account > Meinen Account löschen. Alternativ können Nutzer natürlich auch ihr Facebook-Konto löschen.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 13:45 Uhr

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