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Netzwelt

03. Dezember 2016 | 20:51 Uhr

Facebook-Fake Im Namen der Polizei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Killer-Clowns verbreiten mit Baseballschlägern, gruseligen Masken und Verfolgungsjagden Angst und Schrecken – in den USA und Großbritannien, in Schweden und Dänemark. Auch in Neumünster? Dort jedenfalls sorgte eine Falschmeldung auf der Internet-Plattform Facebook für große Aufregung. In einem Eintrag in dem sozialen Netzwerk wurde behauptet, dass in verschiedenen Teilen der Stadt als Clowns verkleidete Personen ihr Unwesen treiben sollen. Die Polizei hat das gestern dementiert.

Der inzwischen gelöschte Facebook-Eintrag war mit der Überschrift „Amtliche Bekanntmachung der Polizei Neumünster“ überschrieben. Darin hieß es, dass am 18. Oktober zwischen 18 und 23 Uhr in den Stadtteilen Böcklersiedlung, Stadtmitte, Faldera und Tungendorf mehrere Clowns mit Masken und Kostümen gesehen worden seien. Weiterhin wurde der Tipp gegeben, in solchen Fällen Abstand zu den entsprechenden Personen zu halten, sich unter der Notrufnummer 110 an die Polizei zu wenden und Freunde und Angehörige zu informieren. Unterzeichnet war die Meldung mit dem Namen „Rainer Wetzel, Polizei Neumünster“.

Zwar gibt es bei der Polizei Neumünster einen Pressesprecher mit dem Namen Rainer Wetzel – der hat diese Nachricht aber nicht verfasst. Polizeisprecher Sönke Hinrichs fand gestern auf Anfrage deutliche Worte: „Diese Meldung ist falsch und entbehrt jeder Grundlage. Es gibt weder eine amtliche Bekanntmachung der Polizei zu diesem Thema noch Fälle dieser Art, die sich in Neumünster ereignet haben.“ Die Meldung hatte sich in verschiedenen Facebook-Gruppen rasant weiterverbreitet. „Das hat sich zu einem Flächenbrand entwickelt“, sagte Hinrichs. Unter anderem in den geschlossenen Gruppen „Neumünsterbook“ und „Timmaspe - unser Dorf“ wurde der Beitrag geteilt.

Viele besorgte Bürger hätten sich bei der Polizei gemeldet. Einige Facebook-Nutzer hatten aufgrund der Rechtschreibfehler in dem Eintrag jedoch bereits den Verdacht geäußert, dass es sich um eine Falschmeldung handeln könnte. Die Polizei mahnt in diesem Zusammenhang, keine Falschmeldungen zu streuen – schon gar nicht unter dem Deckmantel einer angeblich amtlichen Bekanntmachung – und grundlos Unsicherheit und Angst zu schüren.

Hinrichs prüft nun, ob diese Fake-Polizeimeldungen ein landesweites Phänomen sind. Auch rechtliche Möglichkeiten, gegen diese Falschmeldungen und ihre Urheber vorzugehen, prüft die Polizei.

Inzwischen wurden die Nachrichten in der Gruppe „Neumünsterbook“ wieder gelöscht – Facebook-Nutzer hatten Zweifel geäußert und nachgefragt, woher denn die Informationen stammten. Es gibt dort auch ein Statement einer Administratorin: „Ok, Leute, die Pressemittelung scheint ja wohl ausgemachter Blödsinn zu sein, bis jetzt hat niemand einen Clown in Neumünster gesehen und wenn das passieren sollte, wäre es sinnvoller, die Polizei zu informieren, als hier erstmal zu posten.“ Außerdem warnt sie vor Selbstjustiz.

Sönke Hinrichs ist derweil gespannt, wie sich der fragwürdige Trend um die Grusel-Clowns weiterentwickeln wird: „Halloween steht vor der Tür, und auch da laufen verkleidete Menschen herum, die andere erschrecken wollen. Aber in diesem Fall hat die Angelegenheit einen spaßigen Hintergrund.“ Mit einer Maske herumzulaufen sei natürlich nicht pauschal verboten. Allerdings: „Was derzeit unter anderem in Amerika passiert, ist kein Spaß mehr. Da laufen Menschen mit einer Axt oder einer laufenden Kettensäge hinter anderen Leuten her. Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn die mal an den Falschen geraten und beispielsweise ein Polizist im Falle einer Bedrohung von seiner Dienstwaffe Gebrauch macht. Es ist genauso möglich, dass eine Person vor Schreck einen Herzinfarkt erleidet. Da bewegt man sich schnell im Bereich einer Körperverletzung oder sogar eines fahrlässigen Tötungsdelikts.“

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erstellt am 20.Okt.2016 | 14:27 Uhr

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