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Netzwelt

09. Dezember 2016 | 22:22 Uhr

Herausgabe von Nutzerdaten : Facebook: Der lange Kampf um die eigenen Daten

vom

Ein Facebook-Nutzer aus der Nähe von Flensburg will das soziale Netzwerk dazu zwingen, seine gesamten Nutzerdaten herauszugeben.

Wanderup | Welche Informationen speichert Facebook über mich? Es ist eine schnell ausgesprochene Frage – Kevin Carstensen beschäftigt sie schon seit zwei Jahren. Viel lässt sich darüber auf Blogs und Nachrichtenportalen im Internet lesen. Der 22-Jährige aus Wanderup bei Flensburg wollte es aber von Facebook selbst erfahren und Daten aus seinem Adressbuch entfernen lassen – ohne Erfolg, wie er sagt.

„Man hat mich mittlerweile auf stumm geschaltet. Ich fühle mich komplett ignoriert“, beschwert sich Carstensen heute. Denn mittlerweile erhalte er auf E-Mails an Facebook keine Antworten mehr. Im Juni dieses Jahres schickte Carstensen eine E-Mail an Facebooks Kunden-Service. Sein Anliegen: Herausgabe sämtlicher Daten, die das Unternehmen über ihn gespeichert hat.  Ein „Community-Operator“ von Facebook verweist in einer Antwort auf die Datenverwendungsrichtlinien. Facebook biete seinen Nutzern die Funktion an, eine Kopie ihrer Daten herunterzuladen.

Besonders erschreckend für Carstensen: In dem Datensatz findet sich eine vollständige Liste der Telefonnummern seines Smartphones. „An diese Daten ist Facebook über den Freunde-Finder gekommen“, erklärt der arbeitssuchende Wanderuper. Er habe zum damaligen Zeitpunkt aktiv zugestimmt, ohne die Konsequenzen zu bedenken. „Facebook hat damit Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Menschen, die der Speicherung ihrer Daten nicht zugestimmt haben“, kritisiert Carstensen.

Medienberichte machen ihn zusätzlich skeptisch: „Ich bin mir sicher, dass Facebook mehr Informationen speichert, als in dem heruntergeladenen Datensatz einsehbar sind.“ Kevin Carstensen möchte nun eine schriftliche Bestätigung von Facebook haben. Die gespeicherten Telefonnummern aus seinem Smartphone sollen nicht nur gelöscht werden. Alle über gespeicherten Daten möchte Kevin Carstensen auf einer CD zur Einsicht bekommen. Seit sechs Wochen wartet er nun auf Antwort auf eine Einschreiben an den zuständigen Europa-Sitz von Facebook in Irland. Ein Anwaltsschreiben an Facebook Berlin sei unbeantwortet geblieben. 

Dass das Anliegen des Wanderupers nicht ohne weiteres geklärt werden kann, lässt der Fall des österreichischen Datenschutzaktivisten und Juristen Max Schrems vermuten. Er prangert Datenschutzverstöße von Facebook an. Schrems und die Gruppe „Europe v Facebook“ halten Facebooks Bestimmungen zur Verwendung von Nutzerdaten nach EU-Recht für ungültig. Außerdem würden viele Daten „hinter dem Rücken“ der Nutzer gesammelt. 25.000 Facebook-Nutzer haben sich seiner Sammelklage angeschlossen, die derzeit Facebook Irland zur Klagebeantwortung vorliegt.

Auf die Nachfrage unserer Zeitung reagiert Facebook zurückhaltend. Als offizielles Statement gibt Tina Kulow, Leiterin Unternehmenskommunikation Facebook Nordeuropa, nach längerer Korrespondenz nur einen Satz frei: „Insbesondere das Aktivitätenprotokoll gibt den Menschen auf Facebook nicht nur einen detaillierten Einblick, sondern hilft dabei, die volle Kontrolle über die eigenen Daten zu haben.“ Im Aktivitätenprotokoll listet Facebook kommentierte Beiträge, „Gefällt mir“-Markierungen und verwendete Apps auf. Sogar die Suchanfragen werden dort protokolliert. Sie lassen sich dort allerdings auch löschen. Die Frage, auf welcher Rechtsgrundlage durch den sogenannten Freunde-Finder Daten von Nicht-Mitgliedern erhoben werden, gibt es trotz mehrfacher Nachfrage keine Antwort.

Für Thilo Weichert ist der Fall nicht überraschend. Der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) beklagt: „Das ULD wird von diesem Konzern seit Jahren an der Nase herumgeführt“, Verbrauchern und Politik scheine das nicht klar zu sein. Nur so könne er sich die Urteile des Verwaltungs- und Oberverwaltungsgerichts Schleswig erklären. Beide Gerichte entschieden, dass Betreiber von Facebook-Seiten nicht für etwaige Datenschutzverstöße auf Facebook verantwortlich zu machen sind.

Den von Kevin Carstensen geschilderte Fall bezeichnet der Jurist als typisch. Das ULD  hätte bereits „haufenweise“ Beschwerden gegen Facebook bekommen. „Wir informieren Betroffene über unsere Einschätzung, machen aber keine unberechtigten Hoffnungen auf Abhilfe. Das ist frustrierend.“ Bei den Privatsphäreeisntellungen habe es geringe Verbesserungen gegeben. „Die Datenhoheit liegt aber in keinster Weise bei den Betroffenen, sondern ausschließlich bei Facebook.“ 

Besonders besorgniserregend sei der Umgang mit Nutzern, die ihre Rechte einfordern. Selbst dem ULD seien von obersten Funktionären Facebooks in Deutschland schriftliche Antworten angekündigt aber nie zugeschickt worden. „Totstellen und Aussitzen scheint die präferierte Methode zu sein“, sagt Weichert.

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