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Netzwelt

03. Dezember 2016 | 18:40 Uhr

Christiansens Netzwelt : Einfach mal „Danke“ sagen!

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Internet besteht nicht nur aus Hass – noch gibt es sinnvolle Inhalte. Das soll auch so bleiben.

„Hallo, Moin Moin und Salams!“, begrüßt Kübra Gümüsay die Leser auf ihrem Blog „einfremdwörterbuch“. Locker, leicht, offen und multikulti – ich fühle mich angesprochen, für mich passt das ins Internet.

Doch wenn Experten über das Internet sprechen, klingt das heute anders. So auch in dieser Woche auf der Internetkonferenz re:publica in Berlin: Worte wie „unaufrichtig“, „überwacht“ und „kontrolliert“ fallen zuhauf. Und auch das Thema Hassrede bestimmt weite Teile der Konferenz: Rechtsphilosoph Ino Augsberg von der Universität Kiel warnt davor, Unternehmen wie Facebook die Unterscheidung zwischen freier Meinungsäußerung und der sogenannten Hatespeech sowie den Umgang damit zu überlassen – gefragt sei der Rechtsstaat. Und die gebürtige Hamburgerin Kübra Gümüsay skizziert die Auswirkungen, die dieses Problem bei den Akteuren selbst hinterlässt: Viele ihrer Kollegen hätten sich als Folge zurückzogen, wurden depressiv oder verstummten letztlich sogar. Das Internet als Spiegel der Gesellschaft – bei solch einem Ergebnis mehr als erschreckend!

 

Netzaktivistin Gümüsay will das nicht hinnehmen – sie sieht die Nutzer selbst am Drücker. „Wir müssen Liebe organisieren, denn Hass ist organisiert“, steht auf einer Folie während ihres Auftritts in Berlin. Mit dem Twitter-Hashtag #organisierteliebe sollen die Kommentarspalten gestürmt und der Hass demontiert werden. Es geht um mehr als konstruktive und positive Gegenrede unter Artikeln, Beiträgen oder als Antwort auf Hasskommentare. Es geht darum, aus der Deckung als stiller Konsument hervorzukommen und demjenigen direkt „Danke“ zu sagen, der für den Inhalt verantwortlich ist – in Form eines Kommentars oder gar einer persönlichen E-Mail, auch wenn sie noch so kurz ist.

Nun mögen insbesondere diejenigen, die die Kommentarforen vollätzen, diese Aktion als naiv abtun. Doch das ist sie nicht. Sie von der Hoffnung auf eine Renaissance zwischenmenschlicher Werte getragen, soll der Motivation und Rückendeckung Angefeindeter dienen. Sie soll dafür sorgen, dass die Absichten der Leute, die intelligente Dinge tun, nicht im Sumpf der Hassrede versickern. Damit das Internet ein Ort ist, den wir mögen können, weil es dort nicht nur Hass – den wird es leider immer geben –, sondern weiterhin vielfältige Inhalte zu entdecken gibt.

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erstellt am 06.Mai.2016 | 18:22 Uhr

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