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Netzwelt

08. Dezember 2016 | 13:06 Uhr

Digitalisierung von Schulen : Digitalpakt#D: Das ist Wankas WLan-Plan

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jeder Schüler hat ein Handy und surft gern im Netz. Doch das reicht noch lange nicht, meint Bildungsministerin Johanna Wanka.

Zwar sind Deutschlands Klassenzimmer keine digitale Wüste mehr, aber noch liegen Laptop, Tablet oder Smartphone nicht gleichberechtigt neben Zirkel und Geodreieck. Die Bundesbildungsministerin will nun mit fünf Milliarden Euro nachhelfen - und dafür das Grundgesetz überlisten - mit dem Digitalpakt#D.

Was soll sich ändern?

Alle rund 40.000 Schulen in Deutschland sollen in den nächsten fünf Jahren für digitale Bildung fit gemacht werden. Während der Bund das gesamte Geld geben will, sollen sich die für Schulpolitik zuständigen Länder verpflichten, pädagogische Konzepte, Aus- und Fortbildung von Lehrern sowie gemeinsame technische Standards umzusetzen. Wankas Ziel sei, „Grundschulen, weiterführende allgemeinbildende Schulen und Berufsschulen flächendeckend mit digitaler Ausstattung wie Breitbandanbindung, WLAN und Geräten zu versorgen“. Technik sei kein Selbstzweck, das Lernen mit digitalen Medien müsse einen Mehrwert haben. „Ohne pädagogische Konzepte ist es rausgeschmissenes Geld.“ Über einen entsprechenden Pakt wolle sie in Kürze mit den Ländern sprechen, ehe das Digitalisierungsprogramm für die Schulen nach der Bundestagswahl 2017 in Koalitionsverhandlungen eingebracht werden könne.

Warum wären Computer und WLAN in den deutschen Schulen so wichtig?

Zwei Studien haben zuletzt zwar nicht gleich einen zweiten Pisa-Schock ausgelöst - aber doch große Sorgen, dass Deutschland die digitale Zukunft verschläft. Erstens landeten deutsche Schüler beim internationalen ICILS-Vergleichstest 2014 mit ihren Computer-Kenntnissen nur im Mittelfeld - viel „Gedaddel“ mit dem Handy, aber wenig echtes Knowhow, so die Bilanz. Zweitens gibt es zwischen den 16 Ländern bei Computer-Ausstattung große Unterschiede, ergab die Ende 2015 vorgelegte Studie „Schule digital“. Zwei von drei Lehrern in Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz waren noch am zufriedensten mit der Ausrüstung. Nur rund 40 Prozent sind es in Schleswig-Holstein.

Darf der Bund denn überhaupt mit Geld in die Schulpolitik eingreifen?

Durch das „Kooperationsverbot“ ist grundgesetzlich geregelt, dass Schulbildung Ländersache ist - darauf legen die Kultusminister viel Wert. Doch Wanka hat einen Verfassungspassus gefunden, der ihr einen Hebel bieten könnte: „Bund und Länder können bei der Planung, der Errichtung und dem Betrieb der für ihre Aufgabenerfüllung benötigten informationstechnischen Systeme zusammenwirken“, heißt es in Artikel 91c. Ob das ausreicht, wird derzeit bei der Kultusministerkonferenz (KMK) geprüft. Nicht zuletzt ist das viele Geld für ein dringliches Schul-IT-Projekt aber auch verlockend für die meist klammen Länder.

Wie sind die Reaktionen auf den Pakt?

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) steht Wankas Plan aufgeschlossen gegenüber: „Die Digitalisierung der Schulen ist eine große und gemeinsame Herausforderung: Bund, Länder und Kommunen sind gefordert. Ich freue mich über jede Initiative in diese Richtung.“

Auf Bundesebene ist die SPD grundsätzlich auch einverstanden, verweist aber zugleich auf ihre wesentlich umfangreichere „Bildungsallianz“ zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Die umfasst neben Digitalisierung an den Schulen auch die Sanierung von Gebäuden und den Ausbau der Ganztagsschulen - Kostenpunkt: rund neun Milliarden Euro bis 2021.

Auch der DGB meint, Wanka springe zu kurz mit ihrer Konzentration auf IT-Ausstattung. „Wo in Klassenzimmern der Schimmel die Wände hochkriecht und Schulklos verstopft sind, reicht es nicht, Tablets und WLAN bereitzustellen“, sagt DGB-Vize Elke Hannack. Die Kommunen fordern eine höhere Investitionssumme. Für digitale Bildung müssten „mindestens 2,5 Milliarden Euro pro Jahr aufgewendet werden“, sagte Gerd Landsberg vom Städte-und Gemeindebund der „Rheinischen Post“.

Digitale Technik in allen Ehren, aber wie sieht es mit dem Knowhow der Lehrer aus?

Meist eher mau. Laut Studie „Schule digital“ setzt kaum die Hälfte (47,6 Prozent) der befragten 1250 Lehrer mindestens einmal pro Woche im Unterricht Computer ein. Andererseits: Fast sechs von zehn Lehrern (57,9 Prozent) wünschen sich mehr Unterstützung für eine digitale Offensive im Klassenzimmer. Viele Pädagogen befürchten aber, dass der Einsatz von Computern die Schreibfähigkeiten ihrer Schüler verschlechtert, dass sich die Jugendlichen vom eigentlichen Lernen ablenken lassen - und dass sie selbst die Kontrolle über den Unterricht verlieren.

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