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Netzwelt

08. Dezember 2016 | 19:20 Uhr

Müllers Netzwelt : Die Qual der neuen Freiheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach dem Ende des Routerzwangs stecken Telekommunikationsanbieter in einer Zwickmühle.

Neukunden von Telekommunikationsanbietern sollen die Freiheit bekommen, ein beliebiges Telekommunikationsendgerät an ihren Internetanschluss zu Hause anzuschließen. Mit einem neuen Gesetz wird zukünftig die Praxis unterbunden, dass Anbieter ihren Kunden bestimmte Router zur Nutzung vorschreiben. Warum eigentlich?

Früher war alles einfacher. Da hatten wir Telefone, die einfach an das Telefonnetz angeschlossen wurden. Dann kam ISDN. Zugegeben, es wurde ein wenig komplizierter.

Und irgendwann der Technologiewandel. Das Internet-Protokoll veränderte alles. Auf einmal war es möglich, über das Kabel-TV Netz zu telefonieren. VDSL nutzt für den Telefonanschluss auch das Internet-Protokoll. Und jetzt bieten die Anbieter dem Kunden auch noch Glasfaseranschlüsse an.

Für die Anbieter ist es zum Teil nur möglich, qualitativ hochwertige Anschlüsse zu liefern, wenn sie die Kontrolle über die Endgeräte beim Kunden haben. Denn nur dann können sie garantieren, dass das Zusammenspiel zwischen dem Anschluss und dem Endgerät funktioniert.

Doch nun kommt die neue Freiheit. Die Anbieter stellt das teilweise vor erhebliche Herausforderungen, da sie das Zusammenspiel nicht mehr garantieren können. So behelfen sich die meisten Anbieter damit, dass sie für Neukunden die AGBs neu formulieren und Haftungs- und Supportregeln einschränken. Denn sie wollen keinen Support für irgendwelche im Internet oder auf dem Flohmarkt gekauft Endgeräte übernehmen, verständlicherweise. Und auch nicht, wenn die Geräte aufgrund veralteter Softwarestände Sicherheitslücken aufweisen oder gar der Notruf nicht funktioniert…

Für den Verbraucher wird es auch zukünftig einfacher sein, das Endgerät von seinem Anbieter zu beziehen. Meist wird es während der Vertragslaufzeit kostenlos zur Verfügung gestellt oder ist im Preis enthalten – und der Anbieter leistet im Störungsfall seine volle Unterstützung. Das ist doch auch Freiheit. Schlussendlich sollte man denen die Freiheit überlassen, die wirklich wissen,, was sie da tun. Oder die glauben, dass sie wissen, was sie tun.

> Dirk Müller ist Breitband-Experte.

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