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Netzwelt

10. Dezember 2016 | 04:08 Uhr

Henckes Netzwelt : Die Postkarte aus dem Netz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Briefe sind out, Facebook-Posts und Instagram-Bilder vom Urlaub sind in. Eine Community sieht das anders.

Postkarten aus dem Urlaub schreiben eigentlich nur noch die Eltern oder Oma und Opa. Lange ist es her, dass ein handgeschriebener Brief in meinem Kasten lag. Die analoge Post liegt im Sterben – es sei denn, es sind Rechnungen.

Eine Internet-Community findet Urlaubsgrüße via Instragram oder Facebook offenbar unpersönlich und setzt auf Postkarten. Das Projekt „Postcrossing“ hat ein Ziel: Menschen zu vereinen, die sich auf persönliche Post im Briefkasten freuen. Dafür muss allerdings jeder, der sich anmeldet, mitschreiben. Nur dann gibt es Post aus aller Welt. Der Überraschungseffekt macht die Sache dann noch eine Stufe spannender, denn man weiß nicht, von wem eine Karte kommt und woher.

Auf „postcrossing.com“ sind Stand September 2016 etwas mehr als eine halbe Million Menschen aus 211 Ländern registriert. 37 Millionen Postkarten sollen bereits verschickt worden sein. Das Portal ist kostenlos, einzig das Kaufen und Verschicken der Karten trägt man als Nutzer selbst.

Die Idee hinter „Postcrossing“ ist lobenswert. Allerdings scheint der Enthusiasmus ein Grundrauschen nicht zu überschreiten. Seit der Gründung der Seite – das war bereits im Jahr 2005 – ging die Kurve der versandten Postkarten bis 2013 steil nach oben. Seit Mitte 2014 stagnieren die Zahlen. Seither werden im Schnitt monatlich noch rund 500.000 Karten verschickt. Dabei ist der Reiz bei diesem Projekt ein besonderer: Es gibt die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen und aus der eigenen Blase auszubrechen. Ob das langfristig über Postkarten funktioniert, ist aber zumindest fraglich. Zu bequem sind soziale Medien. Schnell lässt sich ein Urlaubsfoto mit allen Freunden teilen. Die Postkarte hingegen ist meist noch unterwegs, wenn man aus dem Urlaub schon längst zurück ist.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 11:44 Uhr

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