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Netzwelt

08. Dezember 2016 | 01:18 Uhr

Dreyklufts Netzwelt : Die Pest mit den gekauften Onlineshop-Bewertungen

vom
Aus der Onlineredaktion

Amazon geht, mal wieder, gegen Spam-Bewertungen vor. Für Käufer sind sie schwer zu erkennen. Dazu ein paar Tipps.

Amazon bat mich jüngst, an einer Kundenbefragung teilzunehmen. Ich tat das, weil mich die Methodik solcher Marketing-Demoskopie interessiert. Wahrheitsgemäß antwortete ich unter anderem, dass Bewertungen anderer Kunden für meine Kaufentscheidungen wichtig sind.

Für viele Unternehmen, deren Produkte über Amazon verkauft werden, sind sie ebenfalls sehr wichtig  –  in dem Sinne, dass sie sogar massenhaft gefälschte Kundenmeinungen einkaufen, um den Absatz über Amazon oder andere Portale zu fördern.

Für Internet-Händler, auch Reiseportale sind betroffen, ist das natürlich ein Problem. So geht Amazon in den USA gerade mal wieder öffentlichkeitswirksam mit Klagen gegen Unternehmen vor, bei denen man positive Kundenmeinungen kaufen kann. Im Internet kursieren Schätzungen, wonach weltweit jede dritte Produktbewertung gekauft ist.

Hierzulande geht das übrigens auch. Schnell gegoogelt, schon finden sich Anbieter. Manche versuchen sogar, seriös daherzukommen, indem sie betonen, echte Menschen würden die Produkte echt kaufen und dann echt bewerten.  Den Kaufpreis muss allerdings der Auftraggeber bezahlen, plus Provision. Und der hat mit Sicherheit kein Interesse, dass aus seinem guten Geld schlechte Bewertungen werden.

Für Privatkunden ist es schwer, falsche Produktbewertungen von echten zu unterscheiden. Tipps, man möge auf ungewöhnliche Wortwahl („meine Ehefrau“) achten, kennen die Spammer längst. Wer seinen Job ordentlich macht, gibt auch mal schlechte Bewertungen ab, natürlich bei Nicht-Kunden.

Was skeptisch machen sollte: Viel-Bewerter. Wer hat unbezahlt so viel Zeit? Was manchmal hilft: Bei Verdacht einen Textschnipsel aus der Bewertung googlen. Taucht die Passage gleich oder ähnlich in einem Werbetext des Herstellers auf, ist die Rezension wahrscheinlich gekauft. Auch verdächtig: viele positive Bewertungen bei ganz neuen Produkten.

Shopanbieter nutzen Algorithmen, um die Spammer zu finden. Forscher etwa an der University of Illinois at Chicago versuchen es ebenfalls mit mathematischen Modellen (teilfinanziert von Google). Einzelne Meinungen als gefälscht zu identifizieren sei sehr schwer, geben die Wissenschaftler unumwunden zu.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 18:05 Uhr

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