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Netzwelt

08. Dezember 2016 | 21:20 Uhr

Deutschland – die WLan-Wüste

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum ist es in Deutschland nur so schwer, einen freien Zugang zum kabellosen Internet zu finden?

Auf den Flughäfen der großen deutschen Städte, in Hotels und in einigen Cafés gibt es kostenloses Internet. Eine ganz andere Situation herrscht indes in der deutschen Provinz vor. Wenn es WLan in einem Café gibt, dann ist der Zugang oft durch ein Passwort geschützt, das das Personal selbst nicht kennt. Wieso ist das so – und wie soll man damit nur zurechtkommen?

Den Touristen, die etwa aus osteuropäischen Ländern kommen, kommt das sehr seltsam vor. In ihren Ländern kann man nämlich in jedem Restaurant, Kino, Museum oder einfach nur auf der Straße oder in der Metro ins Internet gehen. In Deutschland ist es schon undenkbar, überhaupt 30 Minuten gratis Internet zu bekommen. Und manchmal ist es sogar so, dass der Preis für eine Stunde Internet um einiges höher ist, als das Roaming kostet. Aber durch die hohe Qualität des mobilen Internets ist es für die Deutschen offensichtlich ein Leichtes, die Abwesenheit des kabellosen Internets zu kompensieren.

Der Hauptgrund für die WLan-Wüste war bislang die sogenannte Störerhaftung – eines der größten Hindernisse für eine flächendeckende Versorgung mit offenen Drahtloszugängen zum Internet. Der Besitzer des WLan-Zugangs musste demnach die Verantwortung für mögliche Rechtsverstöße von Seiten der User tragen. Ein Beispiel: Wenn der User in einem Café das Internet nutzt, um illegal Musik oder Filme herunterzuladen, wird dafür der Cafébetreiber zur Verantwortung gezogen. Deswegen ist es für viele Betreiber die einfachste Lösung, erst gar keinen Zugang zum Internet in ihren Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Erst im Frühling dieses Jahres hat die deutsche Regierungskoalition die Regelung gekippt, dass der Besitzer für die Handlungen der User im Netz verantwortlich ist.

Diese Entscheidung haben die Vertreter der Vergnügungsindustrie mit großer Begeisterung begrüßt. Sie denken, dass es dadurch möglich wird, mehr Kunden anzuziehen, vor allem junge Menschen und Touristen. Das bedeutet wohl, dass bald eine große Anzahl von offenen und kostenlosen Internetzugängen aus dem Boden schießen wird. Öffentlich heißt aber nicht offen in dem Sinne, dass sich jeder ohne Nutzernamen und Passwort einloggen kann. In Cafés, Bibliotheken oder ähnlichen Einrichtungen gibt es meist eine Vorschaltseite oder ein Passwort für das WLan.

Aber selbst das ist an vielen Orten noch immer Zukunftsmusik – und die Touristen in Deutschland werden auch weiterhin verzweifelt nach offenen Internetzugängen in den Cafés und Bahnhöfen suchen. Und haben Sie selbst schon über Orte in Ihrer Stadt nachgedacht, wo es kostenloses Internet gibt?

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erstellt am 19.Okt.2016 | 08:26 Uhr

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