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Netzwelt

04. Dezember 2016 | 03:04 Uhr

Christiansens Netzwelt : Der Tod der Ex-Freundinnen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gamer entwerfen Spielfiguren nach dem Vorbild ihrer ehemaligen Partner. Ist das sehr seltsam?

Natalie ist eine gute Frau. Sie kümmert sich um das Wohlergehen ihres Helden. Außerdem hilft sie Gamern dabei, aus der realen Welt zu entfliehen. Natalie ist eine Open-Source-Modifikation aus dem Fantasy-Rollenspiel „Skyrim“. Jeder kann sie also herunterladen und an die eigenen Vorstellungen anpassen – über 10.000 Gamer haben dies bereits getan. Bekannt ist sie in der Szene unter „Enjoy my Girlfriend“. Wie dieser Name sagt, basiert sie auf einer echten Person. Ihr – vielleicht aus anderen Gründen inzwischen – Ex-Freund Rhys Ian Harris hat sie auserwählt, ihn auch in der virtuellen Welt durch den Alltag zu begleiten. Begleiten ist das Stichwort, denn viel mehr darf sie eigentlich nicht.

Andere Spieler erschaffen ganze Armeen aus Ex-Freundinnen, die im Kampf antreten (beispielsweise im Strategiespiel „XCOM2“) und im schlechtesten Fall niedergemetzelt werden – und nie wieder auferstehen. Schnell steht die Vermutung im Raum, die Gamer wollen sich rächen, die Ex-Freundinnen-Nachbildung dominieren oder gar leiden lassen. Klingt nicht sonderlich charmant, und zugeben wird diese Absicht wohl kaum jemand. Dabei ist es – nach dem ersten innerlichen Aufschrei – vielleicht nur menschlich und hilft ein wenig beim Wundenlecken nach einer Trennung. Vielleicht sorgt der persönliche Bezug zu jeder „Soldatin“ in der Cyber-Armee aber auch dafür, stärker zu spielen – schließlich möchte man nicht, dass jemand stirbt, zu dem man eine Bindung hat.

Auch wenn die echte Natalie mit dem Ganzen zu 100 Prozent einverstanden gewesen sein soll, nicht jeder Frau passt diese Rolle als ausgeliefertes Spiele-Häschen, und dass ihre virtuelle Hülle zum Kauf angeboten wird: US-Schauspielerin Lindsay Lohan ist gegen die Entwickler des Computerspiels „Grand Theft Auto V“ vor Gericht gezogen. Die Figur Lacey Jonas sei ungefragt nach Lohans Vorbild entwickelt worden. Das Gericht urteilte allerdings, dass die Figur durch den ersten Zusatzartikel der US-Verfassung, der unter anderem die Meinungsfreiheit beinhaltet, geschützt sei. Das Spiel nutze weder den Namen noch die Stimme oder echte Fotos von Lohan, die Handlung finde außerdem in einer fiktiven Region statt. Lohan kann in Berufung gehen und eindeutig klären lassen, ob nicht doch ihre Persönlichkeitsrechte schwerer wiegen. Auch, wenn es ja nur ein Spiel ist.
 

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erstellt am 05.Sep.2016 | 11:39 Uhr

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