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Netzwelt

08. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Falschmeldungen bei Facebook, Twitter und Co. : Der Hoax im Netz: Wenn Gerüchte Macht bekommen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Propaganda, Betrug oder einfach Spaß - es gibt verschiedene Motivationen. Immer für einen Hoax gut: Donald Trump.

TV-Moderator Stefan Raab, Hollywood-Schauspieler Leonardo DiCaprio oder US-Musiker Jon Bon Jovi – sie alle wurden bereits im Internet für tot erklärt. Wahr war keine dieser Meldungen. Es handelte sich jeweils um eine Falschmeldung, einen sogenannten Hoax, der sich insbesondere in sozialen Medien rasant verbreitete.

Im Internet kann jeder Nachrichten verbreiten - ob sie wahr sind oder nicht. Für Nutzer ist nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich um einen sogenannten Hoax handelt. Doch ihre Verbreitung kann großen Schaden anrichten.

Hoaxes gibt es zwar auch mit weniger endgültigem Inhalt, das macht sie aber nicht immer minder brisant: Die Meldung von der Entführung und Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen durch Flüchtlinge Anfang diesen Jahres in Berlin schockierte nicht nur das Netz, sie hatte auch sehr reale Auswirkungen. Tausende waren in der Hauptstadt auf die Straße gegangen, um gegen „Gewalt durch Migranten“ zu demonstrieren – auch nachdem klar war, dass das alles so nie stattgefunden hatte. Der Fall entwickelte sich zum Politikum, als der russische Außenminister den deutschen Behörden Versäumnisse vorwarf. Beobachter in Russland vermuten, dass sich die Propagandamaschinerie die Flüchtlingskrise zunutze machen sollte, um Unruhe in Deutschland zu stiften. So oder so – das Vertrauen in Polizei und Behörden hatte, trotz allem Bemühen, die Ermittlungen transparent zu halten und schnell über neue Erkenntnisse zu berichten, einen Knacks bekommen.

Doch Propaganda und Meinungsmache ist nur ein Anlieger der Erfinder solcher Meldungen: Betrüger locken Nutzer auf Gewinnspielseiten oder manipulierte Webseiten, um den Rechner mit Schadsoftware zu infizieren. Das Ziel in vielen Fällen: Nutzerdaten, mit denen sich Geld verdienen lässt.

Und auch die Werbeindustrie schwemmt Geld in die Kassen der Gerüchteköche. Zwei kanadische Teenager betreiben die – auf den ersten Blick wie eine seriöse Nachrichtenseite gestaltete – Webseite www.hotglobalnews.com. Dass es sich dabei um eine Satireseite handelt, ist zwar erkennbar, wenn man sich das Logo ansieht. Doch wer sich direkt auf die Nachrichten stürzt, kann dies schnell übersehen. Eine bewusste Irreführung der Nutzer also? Zumindest wird dies wohl in Kauf genommen, denn auch der Facebook-Auftritt verrät erst nach einem Klick auf die weiteren Infos, dass die hier veröffentlichten Nachrichten nicht ernst genommen werden sollten.

Und so verbreiten sich Meldungen über „Pokémon Go“-Verbote in Kanada oder den Baubeginn einer Mauer, mit der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump die USA und Kanada voneinander trennen will, rasend schnell als bare Münze auf Facebook & Co. Ihren größten Hit landeten die beiden mit der Meldung, der kanadische Premierminister würde Trump die Einreise verweigern. Mehr als 300.000 Mal wurde der Artikel geteilt. Mehrere tausend kanadische Dollar verdienen die Teenies inzwischen monatlich mit Werbeanzeigen, in einem Monat sollen sie sogar auf über 10.000 kanadische Dollar gekommen sein. Mehr als 90.000 Menschen haben die Seite auf Facebook mit „Gefällt mir“ markiert, das sorgt für Reichweite. Ein lohnendes Geschäft also mit der Irreführung der Nutzer, denen die sozialen Netzwerke gern einen Riegel vorschieben würden.

Bei der Facebook-Version für US-Nutzer sorgte bis vor kurzem ein Team aus Journalisten dafür, dass die Trending Topics – also eine Liste der Inhalte, die gerade viral durch die Decke gehen – überprüft werden. Falschmeldungen sollten hier ausgesiebt werden. Die Mitarbeiter arbeiteten mithilfe eines Algorithmus, der ihnen die beliebtesten Inhalte zusammensuchte – und der sie inzwischen weitgehend ersetzt. Prompt passierte ein Missgeschick: Die Software fiel auf einen Hoax rein und gab der Meldung über den vermeintlichen Rausschmiss der Star-Moderatorin Megyn Kelly beim US-Fernsehsender Fox News einen prominenten Platz in dieser Liste. Urheber der Fake-Nachricht war ein Blog aus dem rechten Spektrum, heißt es. Die Nachricht verschwand aus den Trending Topics.

Auch Nutzer in Deutschland will Facebook vor unsinnigen, falschen oder betrügerischen Nachrichten schützen – ohne Satire auszusperren. Sie sollen die Beiträge melden und als „falsche Nachricht“ markieren. Hintergrund seien Beschwerden gewesen. Markieren viele Nutzer einen Beitrag als falsch oder löschen ihn, soll er seltener im Nachrichtenstrom der Nutzer erscheinen. Gelöscht werden solche Inhalte allerdings weiterhin nicht – egal wie oft ein Beitrag gekennzeichnet wird. Beiträge, die häufig gemeldet werden, sollen aber einen Hinweis erhalten, der vor möglichen falschen Inhalten warnt. Die Meldefunktion wird durch Algorithmen unterstützt, die nach häufig geteilten und dann schnell gelöschten Beiträgen sucht – ein Hinweis auf Hoaxes.

Die Nutzer selbst können Falschmeldungen enttarnen: In die Maske der Suchmaschine hoaxsearch.com lässt sich über Schlagwörter Licht ins Dunkel bringen. Durchsucht wird die Webseite mimikama.at, deren Betreiber es sich zur Aufgabe gemacht haben, Falschmeldungen aufzudecken. Eine weitere Hilfe bietet die interaktive Karte hoaxmap.org, in die Fälle in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingezeichnet sind.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 12:25 Uhr

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