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Netzwelt

28. Februar 2017 | 18:13 Uhr

Oculus Rift : Der Blick in die virtuelle Welt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Facebook kauft Spezialisten für Datenbrillen. Der Kieler Forscher Jürgen Rienow sieht viele Anwendungsmöglichkeiten für die neue Technik.

Nach Google hat jetzt auch Facebook eine eigene Technik-Brille. Gestern kündigte der Internetkonzern an, den Hersteller Oculus VR für gut zwei Milliarden Dollar zu kaufen. Damit eröffnen sich für das soziale Netzwerk von dem Gründer Mark Zuckerberg neue virtuelle Welten.

Das hinzugekaufte Unternehmen aus Kalifornien wurde durch seine Brille Oculus Rift bekannt. Anders als Googles Daten-Brille ist die Oculus Rift nicht für unterwegs, sondern für den Heimgebrauch gedacht. An einen Computer oder eine Spielekonsole angeschlossen, kann der Nutzer damit in eine virtuelle Welt abtauchen. Alle Bewegungen des Kopfes werden auf das Sichtfeld und die virtuelle Umgebung übertragen. Der Nutzer fühlt sich dadurch sehr intensiv als Teil beispielsweise eines Computerspiels.

Facebook habe jetzt einen Punkt erreicht, an dem es sich auf neue Plattformen konzentrieren könne, schrieb Zuckerberg auf seiner Facebook-Seite: „Oculus’ Mission ist es, das Unmögliche erfahrbar zu machen.“ Die Brille wird schon einige Zeit im Bereich Computerspiele getestet. Testpersonen berichten von sehr eindrücklichen und revolutionären Spielerlebnissen. In der Anfangsphase waren diese Erlebnisse so intensiv, dass vielen Testpersonen schlecht wurde. Diesen Schwindeleffekt will der Hersteller in seiner nächsten Entwickler-Version der Oculus Rift eingrenzen, sodass das Gerät noch in diesem Jahr auf dem Markt eingeführt werden könnte. Zuckerberg sieht für sein neues Produkt eine noch viel größere Zukunft kommen: „Stellen Sie sich vor, in einem Klassenraum mit Schülern und Lehrer aus der ganzen Welt zu sitzen oder einen Arzt von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu sitzen – nur indem Sie die Brille zu Hause aufsetzen.“

 

An der Fachhochschule Kiel schauen Dozenten und Studenten gespannt auf diese Entwicklung. Jürgen Rienow forscht seit dem vergangenen Oktober mit der „Oculus Rift“. Die Übernahme durch Facebook sieht er skeptisch: „Facebook ist in erster Linie eine Datensammelmaschine. Mir ist nicht klar, was das mit virtueller Realität zu tun hat.“ Die Brille gefällt dem Diplom-Informatiker hingegen ausgesprochen gut. „Sie macht viel Spaß und Entwickler haben hier die Möglichkeit, mit starken räumlichen Effekten zu arbeiten.“ Studenten der FH-Kiel haben bereits die ersten Spiele entwickelt und darüber Abschlussarbeiten geschrieben. Jürgen Rienow fallen jedoch noch viele weitere Anwendungsmöglichkeiten vor allem im Bereich Simulationen ein: „Ausbildung in jeglicher Form kann von dieser Entwicklung profitieren, sei es für zivile oder militärische Zwecke. In der Medizin könnte ich mir vorstellen, dass mit der Brille Geräte ferngesteuert werden, die so klein sind, dass sie an Gefäßen arbeiten können.“

Forschungsergebnisse über die psychischen und physischen Auswirkungen der Oculus Rift gibt es noch nicht. „Eine längere Nutzung ist noch schwierig, da Nutzern, die mit der Technik nicht vertraut sind, schnell schwindelig und übel wird. Auch gibt es die Gefahr, dass man sich in virtuellen Welten verliert und in eine Abhängigkeit gerät“, warnt Rienow. Dagegen spricht jedoch, dass die Brille zusammen mit Kopfhörern nur visuelle und akustische Eindrücke vermittelt. Die Umgebung wie ein Bürostuhl bleiben für den Nutzer spürbar. Ganz lässt es sich demnach also nicht in die virtuelle Welt abtauchen.

Bisher gibt es das Gerät nur als Testversion für Entwickler und Forschungseinrichtungen. Eine Markteinführung war für Ende 2014 geplant. „Ob das nach der Übernahme durch Facebook so bleibt, ist ungewiss“, sagt Jürgen Rienow.

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erstellt am 26.Mär.2014 | 10:15 Uhr

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