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Netzwelt

02. Dezember 2016 | 21:13 Uhr

Maas’ Netzwelt : Depression auf Instagram

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Forscher erkunden unser Verhalten online: Wer an einer Depression leidet, nutzt eher Schwarz-Weiß-Filter.

Schon als ich vor zehn Jahren etwas verschämt meine ersten Fotos bei StudiVZ hochlud, waren die ablehnenden, kritischen und leicht skeptischen Stimmen da: Sind diese Beziehungen im Netz nicht minderwertiger, schädlicher als die „echten“ Begegnungen im „echten“ Leben, mit angucken und anfassen und so? Damals hab ich schon immer die Gegenfrage gestellt: Ist telefonieren dann nicht genauso verwerflich wie chatten?

Inzwischen haben viele nicht mehr nur einen, sondern vier, fünf oder mehr Social-Media-Kanäle auf ihrem Smartphone. Auch die Fragen sind differenzierter geworden: Begünstigen Facebook, Twitter und Instagram eine Depression? Oder helfen die sozialen Medien im Gegenteil sogar bei der Bewältigung einer psychischen Erkrankung?

Glaubt man Erfahrungsberichten und Studien, muss die Antwort lauten: Beides kommt vor. Oder auch: Es kommt darauf an. Exzessive Social-Media-Nutzung könnte zu Depressionen führen, fanden letztens Forscher der Universität Pittsburgh heraus. Exzessiv heißt in diesem Fall: mehr als eine Stunde am Tag. Ob die Probanden gechattet, Selfies gepostet oder Posts und Bilder angesehen haben, wurde nicht untersucht.

US-amerikanische Forscher haben jetzt einer Software beigebracht, depressive Menschen anhand ihrer Instagram-Bilder zu erkennen. Das Ergebnis der Studie: Es gibt einen Zusammenhang zwischen dunklen und schwarz-weißen Instagram-Bildern und einer depressiven Erkrankung. Dass Betrachter fanden, eine Person sähe auf einem Foto glücklich oder traurig aus, war kein guter Hinweis auf eine mögliche Depression.

Für die Studie der beiden Wissenschaftler – Andrew Reece von der Harvard University und Chris Danforth von der University of Vermont – wurden 170 Menschen befragt, anschließend wurde eine Software trainiert. Bei einem folgenden Test erkannte die Software 70 Prozent der Depressiven. Die Forscher vermuten demnach, dass sich die Fotos zur Früherkennung nutzen lassen. Dunkle Farben assoziieren wir auch intuitiv mit negativen Gefühlen, Stimmungen und Gedanken. Das ist im sogenannten „echten“ Leben und online gleich.

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erstellt am 29.Aug.2016 | 18:34 Uhr

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