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Netzwelt

09. Dezember 2016 | 22:10 Uhr

WHatsapp, Telegram,&Co : De Maizière gegen Verschlüsselung: Anbieter sollen Dienste für Ermittler öffnen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verschlüsselte Kommunikation über Handy-Apps erschwert die Arbeit von Anti-Terror-Ermittlern. Deutschland und Frankreich wollen die Anbieter nun stärker in die Pflicht nehmen - doch zentrale Fragen bleiben offen.

Die Justiz soll nach dem Willen Deutschlands und Frankreichs bei Ermittlungen leichter auf verschlüsselte Kommunikation von Terroristen zugreifen können. Anbieter von Kurzmitteilungsdiensten wie Telegram sollten zur Zusammenarbeit mit der Justiz in Europa verpflichtet werden, auch wenn sie ihren Sitz außerhalb der EU haben, forderten die Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Bernard Cazeneuve bei einem Treffen am Dienstag in Paris.

Der Vorschlag ist Teil eines gemeinsamen Papiers zur europäischen Sicherheitspolitik, das die beiden Minister ihren EU-Partnern vorlegen wollen. „Durch die technische Entwicklung sind manchmal insbesondere durch die Nutzung des Internet Straftäter technologisch weiter als die Sicherheitsbehörden“, sagte de Maizière.

Terroristen nutzen bei ihrer Kommunikation häufig verschlüsselte Kurznachrichtendienste. In Frankreich sollen nach übereinstimmenden Medienberichten etwa die islamistischen Mörder eines Priesters in der Normandie Telegram benutzt haben. Dies stellt Ermittler vor Probleme. Immer mehr App-Anbieter wie Whatsapp oder Telefonhersteller wie Apple verwenden inzwischen serienmäßig Verschlüsselungssysteme.

Cazeneuve sagte, dass die Kooperationsbereitschaft der verschiedenen Unternehmen sich sehr stark unterscheide. Jüngst wurden in Deutschland Vorwürfe laut, Facebook würde knapp zwei Drittel aller Anfragen deutscher Sicherheitsbehörden unbeantwortet lassen. Der Konzern widersprach: Etliche Behördenanfragen seien nach Ansicht von Facebook so fehlerhaft, dass sie nicht bearbeitet werden könnten.

Die Minister forderten die EU-Kommission auf, einen Gesetzesvorschlag zu prüfen, um alle Anbieter – ob von Internetzugang oder Kommunikationsdiensten – den gleichen Verpflichtungen zu unterwerfen. So könnten sie gezwungen werden, illegale Inhalte zu entfernen oder Nachrichten zu entschlüsseln, die für Ermittlungen relevant sind, sagte Cazeneuve. Wie dies genau funktionieren soll und welche Sanktionen es geben könnte, lässt das Papier offen. Es sei notwendig, Lösungen zu finden, um effiziente Ermittlungen zu ermöglichen, dabei aber zugleich die Verfügbarkeit sicherer Verschlüsselungssysteme zu gewährleisten.

In Deutschland war bereits im Juni angekündigt worden, dass eine neue Behörde Techniken zur Überwachung von Kommunikation im Internet und über Messenger-Dienste entwickeln soll, um verschlüsselte Kommunikation zu knacken. Mit der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (kurz: „Zitis“) soll Strafverfolgern und Staatsschützern die nötige Software zur Verfügung gestellt werden, um Inhalte auf verschlüsselten Geräten oder kryptografierte Nachrichten zugänglich zu machen – nachträglich, wie auch bereits an der Quelle, noch bevor sie chiffriert werden. Selbst abhören soll „Zitis“ nicht. Die Sicherheitsbehörden müssten „technisch können, was sie jetzt schon rechtlich dürfen“, sagte de Maizière.

Bei der Ankündigung der neuen Behörde hieß es, man sehe von einem Gesetz ab, das Hersteller oder Diensteanbieter dazu verpflichte, sogenannte Hintertüren in ihre Software einzubauen oder Generalschlüssel bereitzustellen.

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erstellt am 23.Aug.2016 | 18:56 Uhr

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