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Netzwelt

07. Dezember 2016 | 15:32 Uhr

Autonomes Fahren : Checkliste der US-Regierung: Sicherheit in 15 Punkten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Weiße Haus hat sich für eine behutsame Regulierung bei selbstfahrenden Autos entschieden. Statt starrer Vorschriften, gibt es einen Fragebogen, in dem Hersteller informieren sollen.

Die US-Regierung will mit einer Checkliste aus 15 Punkten für die Sicherheit selbstfahrender Autos im Straßenverkehr sorgen. Dazu gehören Ersatz-Systeme für einen eventuellen Ausfall der Roboterwagen-Technik sowie die Zusage, Daten aufzunehmen und verfügbar zu machen. „Wenn ein selbstfahrendes Auto nicht sicher ist, haben wir die Befugnis, es von der Straße zu nehmen“, betonte US-Präsident Barack Obama in einem Gastbeitrag in der Zeitung „Pittsburgh Post-Gazette“ am Dienstag.

Die Technik für autonomes Fahren entwickelt sich schnell. Doch konkrete Regeln gibt es bislang noch nicht.

Die Hersteller müssen im Rahmen der 15-Punkte-Checkliste auch darüber berichten, wie die autonomen Fahrzeuge getestet wurden, wie sie sich nach Unfällen sowie in kritischen Situation verhalten, in denen über Menschenleben entschieden werden könnte. Weitere Fragen betreffen den Schutz vor Hacker-Angriffen und den Umgang mit Nutzerdaten. Die Liste solle „nicht nur der Regierung, sondern jedem interessierten Amerikaner“ zeigen, wie es um die Sicherheit stehe, schrieb Obama.

Die US-Regierung strebt eine landesweit einheitliche Regulierung für selbstfahrende Fahrzeuge an. Aktuell setzen die einzelnen Bundesstaaten ihre eigenen Regeln. Während einige Staaten wie Nevada und Kalifornien bereits vor Jahren Roboterwagen-Fahrten erlaubten und damit zu einem zentralen Anlaufpunkt für Tests wurden, erwägt Chicago gerade, sie ganz zu verbieten. In Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania hatte der Fahrdienst-Vermittler Uber vor einigen Tagen begonnen, testweise Passagiere mit autonom fahrenden Autos zu befördern. Zuvor hatte der Fahrdienstleister der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh, die über eine renommierte Informatik-Fakultät verfügt, rund 40 Forscher abgeworben.

Die US-Regierung hatte sich lange mit Regeln für selbstfahrende Autos zurückgehalten – unter anderem aus der Sorge, starre Vorschriften könnten schnell von der technologischen Entwicklung überholt werden. Zum Beispiel wollen einige Entwickler selbstfahrender Autos wie Google oder Ford in Zukunft ganz auf klassische Steuerelemente wie Lenkrad und Pedale verzichten und die Kontrolle komplett dem Computer überlassen. Das sehen die heutigen Straßenverkehrsregeln nicht vor.

Autoexperten betonen, dass mehr als 90 Prozent der Unfälle auf menschliche Fehler zurückgehen und Roboterwagen die Zahl der Verkehrstoten drastisch senken könnten. Zuletzt hatte aber der Unfall eines vom Fahrassistenten gesteuerten Tesla-Elektrowagens in Florida die Diskussion um die Sicherheit bei der Einführung selbstfahrender Autos angeheizt. Der Tesla-Wagen war unter einen Lastwagen-Anhänger gerast, der die Straße querte. Das Fahrer hatte sich ganz offensichtlich auf die Technik verlassen und die Verkehrssituation nicht beachtet. Tesla hatte zugleich stets betont, dass sein „Autopilot“-System nur ein Fahrassistent sei und die Wagen nicht zu vollwertigen selbstfahrenden Autos mache. Tesla will jetzt stärker auf Radar-Daten statt Kamera-Bildern setzen. Konzernchef Elon Musk räumte jüngst ein, dass der Wagen mit einer geplanten Aktualisierung der „Autopilot“-Software den Anhänger wahrscheinlich erkannt hätte.

Doch es geht nicht nur um die Unfallgefahr durch Softwareschwächen. Auch gezielte Angriffe durch Hacker setzen immer wieder Systeme selbstfahrender Autos außer Gefecht: Mitarbeiter der chinesischen Firma Keen Security entdeckten eine Sicherheitslücke in dem System von Teslas Modell S. Bereits vor rund einem Jahr gelang es Experten, einen Tesla-Elektrowagen während der Fahrt auszuschalten oder bei Jeeps von FiatChrysler die Steuerung zu beeinflussen.

Die US-Regierung könne sich nicht ganz aus der Regulierung von Innovationen heraushalten, weil sie für Sicherheit sorgen müsse, argumentierte Obama. „Außerdem zieht nichts schneller die Bremse bei der Innovation an als wenn die Öffentlichkeit das Vertrauen in die Sicherheit neuer Technologien verliert.“

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