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Fligges Netzwelt : Bob Ross, Google und der Monchichi-Jesus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Netz verwandelt die Software Autodraw mit Hilfe künstlicher Intelligenz Gekritzel in Kunst.

Nicht jeder Mensch kann Bob Ross sein. Der 1995 verstorbene US-amerikanische Maler begeisterte mit seiner Fernsehserie „The Joy of Painting“ bis heute Generationen von Fernsehzuschauern. In unglaublichen 31 Staffeln mit je 13 Folgen zeichnete er Bilder von atemberaubendem Kitsch und sprach dazu motivierend in sanfter Stimme. Zwecklos! Ich kann bis heute nicht vernünftig malen.

Und dennoch bin ich in den vergangenen Tagen zum Maler geworden. Gefühlt ist das ganze Netz im kreativen Wahn. Schuld ist Googles Projekt www.autodraw.com. Das auf den ersten Blick simple Malprogramm entpuppt sich als Schaufenster künstlicher Intelligenz (KI). Die Software erkennt noch so unästhetisches Gekritzel und wandelt es in wohlgeformte Skizzen um. Fünf Striche und Autodraw weiß: Ein Haus. Und das funktioniert erstaunlich gut, vergleichbar mit der Autokorrektur auf dem Smartphone. Damit die KI Bäume von Türmen unterscheiden kann, wurde sie mit einer Datenbank aus unzähligen Fotos gefüttert.

Wie viele Kunst-Desaster hätte Google nur verhindern können! Allein das berühmte Jesus-Bild einer kleinen Kirche im Nordosten Spaniens. 2012 hatte dort eine über 80-jährige Hobby-Malerin versucht, das in die Jahre gekommene Fresko zu verbessern. Das Resultat wurde genauso schrecklich wie weltbekannt. Ein Monchichi-Jesus. Der Medienhype und die Schaulustigen machten das Dorf berühmt und reich. Das hätten Bob Ross und Google nicht besser machen können.

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erstellt am 20.Apr.2017 | 09:45 Uhr

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