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Netzwelt

03. Dezember 2016 | 05:41 Uhr

Christiansens Netzwelt : „Beliebte Zeiten“ bei Google: Software oder doch die innere Uhr?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Google will uns helfen, im Alltag Zeit zu sparen – natürlich mit unseren Daten.

Sonntagabend, 19 Uhr, in der kleinen Lieblingspizzeria – um genau zu sein, eigentlich in der langen Schlange, die aus dem kleinen Laden bis hinaus auf den Bürgersteig reicht. Die Erkenntnis: Es ist eine blöde Zeit, um hungrig zu sein. Das Problem: Die Erfahrung muss ich immer mal wieder machen. Daraus lernen? Fehlanzeige.

Dabei gibt es Mittel und Wege: Diese Stoßzeiten von vornherein meiden zum Beispiel. Oder bei einschlägigen Diensten nachsehen, wie viele Raubtiere dort gerade auf die Fütterung warten und wie lange es dauern könnte, bis sie versorgt sind. Google zum Beispiel bietet eine solche Anwendung – das ist nicht neu. In einem Diagramm zeigt der Online-Riese die Stoßzeiten für bestimmte Orte an. Auch Einrichtungen wie das Bürgerbüro lassen mich in ihrem Webauftritt ablesen, dass es ungeschickt ist, hier zwischen 10 und 13 Uhr aufzuschlagen. In der Regel, denn es handelt sich hier um Durchschnittswerte. Google reicht das nicht mehr – man setzt jetzt auf Echtzeit. An die Daten kommt Google über den Standort-Verlauf des Smartphones, natürlich anonymisiert (wie das Unternehmen versichert).

Hier zeigt sich das altbekannte Dilemma: Wir nutzen die Standort-Funktion, um zu gucken, wo wir uns herumtreiben und wie wir zum Ziel kommen. Wir vergessen, sie auszuschalten – und liefern Google & Co Informationen, die wir eigentlich gar nicht teilen wollten. Dabei lässt sich das ganz leicht ausstellen: in den Einstellungen des Android-Telefons auf „Standort“, unter „Standortdienste“ den Standortverlauf auswählen und den Regler auf „Aus“ schieben.

Praktisch sind diese Live-Ansichten – keine Frage. Aber zumindest die Fahrt zum Flughafen plane ich auf der Basis meiner eigenen Erfahrungswerte. Und auch beim Pizzakauf könnte ich selbst drauf kommen, wann meine innere Uhr zu dicht am Mainstream ist. Wenn nicht: Pech gehabt.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 18:32 Uhr

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