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Netzwelt

03. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Nagars Netzwelt : Algo... was?!? Der Kampf gegen die Filterblase

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Merkel fordert mehr Transparenz bei den großen Platzhirschen im Internet. Und dann?

Google hat einen, Facebook auch. Twitter, Youtube oder Instagram, sie alle mischen die Meldungen für jeden Nutzer automatisch zurecht. Algorithmen nennt man diese komplexen Systeme dahinter – und kaum jemand weiß, was genau darin steht. Ich erinnere mich vage an eine Präsentation, bei der ein Onlinemarketing-[bitte ein netteres Wort für Fuzzi hier gedanklich einfügen] völlig aus dem Häuschen war: Er und seine Kollegen meinten, mehrere der damals aktuellen Parameter des Google-Algorithmus zu kennen. Aber alle hatten sie auch nicht. Das hat nur Google, ist ja schließlich deren Geschäftsmodell.

Jetzt appelliert Merkel, dieses „Nadelöhr für die Vielfalt der Anbieter“ offen zu legen, und wirbt für mehr Transparenz. Ich verkneife mir an dieser Stelle Seitenhiebe zum Thema Politik und Transparenz und komme lieber zur Frage: Und dann? Sind nicht die Warnungen vor einer sogenannten Filterblase schon mehrfach kreuz und quer durchs Neuland getrieben worden? Oder finde ich das nur in meiner persönlichen Filterblase? Würden die Nutzer sich dann weniger von ihrem Newsfeed irritieren lassen, wenn sie die Programmierung dahinter nachlesen könnten?

Fakt ist: Wer nur das Geblubber seiner Facebook-Seite liest, wer sich beim Youtube-Binge-Watching voll und ganz auf die Vorschläge der Plattform stützt, riskiert, immer nur seine Meinung bestätigt zu sehen und in diesem Strudel immer weiter zu machen. Das ist nur ganz wenig schlauer, als in einer Höhle zu stehen und sein Echo als neuen Input zu interpretieren.

Ich muss die Algorithmen nicht genau kennen, um das zu merken. Wer den Effekt testen möchte, kann einen Selbstversuch starten, ein für ihn untypisches Thema bei Youtube und Google suchen und ein wenig dabei bleiben. Nicht nur werden die folgenden Vorschläge immer mehr trichterartig eingeengt, auch woanders kommt das Thema wie ein Bumerang zurück. Seit ich unlängst für einen Beitrag zum Thema Niqab (bzw. Burka) recherchierte, bekomme ich Amazon-Anzeigen für Vollverschleierung bei Facebook angepriesen und bei Youtube wirbt ein muslimisches Datingportal für seine Dienste. Erst nach und nach, seit ich das Thema nicht mehr verfolge, verschwinden die Angebote.

Es ist schon richtig und gut, dass Themen wie Algorithmen auch in der Politik diskutiert werden. Aber nicht nur Google und Co. sind in der Pflicht. Vielmehr sollte die Politik mehr in Bildung und Aufklärung investieren. Wer Informatik lernt, lernt auch Programme zu verstehen. Wer Medienkompetenzen ausbildet, läuft weniger Gefahr, auf Falschmeldungen hereinzufallen. Und diese Kompetenz hilft übrigens auch, lauwarme politische Forderungen zu hinterfragen.
 

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erstellt am 28.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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