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Henckes Netzwelt : Ärger um „Ghost Recon Wildlands“: Bolivien will kein Drogenstaat sein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weil der Regierung nicht gefällt, wie das Land in einem Spiel gezeigt wird, droht sie mit einer Klage.

In Tom Clancy’s „Ghost Recon Wildlands“ aus der Spieleschmiede Ubisofts aus Frankreich geht es um eine Spezialeinheit, die in Bolivien gegen brutale Drogenkartelle kämpft. Für die bolivianische Regierung ein Skandal, möchte man sein Land nicht so negativ dargestellt wissen. Offenbar entzündet sich an dem Videospiel eine handfeste diplomatische Krise, dabei soll es offiziell erst am Dienstag in den Läden stehen.

Die Regierung hat Beschwerde bei der französischen Botschaft eingelegt und fordert ein Einschreiten der französischen Regierung. Carlos Romero, Boliviens Innenminister, hat in einer Stellungnahme bereits rechtliche Schritte angedroht. Zunächst wolle man aber den Weg diplomatischer Verhandlungen gehen. Für Ubisoft ist die Beschwerde willkommene PR. Dass sich der Entwickler beugt, ist unwahrscheinlich. In einer Mitteilung hieß es lediglich: „Während das Spiel ein Bild malt, das von der Realität im heutigen Bolivien abweicht, hoffen wir, dass die Spielwelt der wunderschönen Natur des Landes nahe kommt.“ Das Spiel sei schließlich Fiktion.

Natürlich will sich Bolivien nicht ausschließlich mit Drogen und Ländern wie Kolumbien oder Mexiko in Verbindung gesetzt sehen, denn die Regierung tut viel, um den Lebensstandard der Menschen zu verbessern. Allerdings ist die Spielstory natürlich nicht völlig von der Hand zu weisen. Der Koka-Anbau im Land ist einer der Hauptwirtschaftszweige und hat eine lange Tradition. Die Blätter werden von der Bevölkerung unter anderem als Heilmittel genutzt. Niedrige Löhne und hohe Arbeitslosigkeit (2009 lebten noch 51,3 Prozent der Einwohner unter der Armutsgrenze) lassen viele Menschen in die Illegalität abrutschen. Nach einer EU-Studie aus dem Jahr 2013 werden im Land mehr Koka-Blätter produziert, als die Bevölkerung zum Eigenkonsum benötigt.

Bolivien sollte das Ganze allerdings lockerer sehen. Es bleibt ein Spiel. Anstatt sich über die fiktive Geschichte aufzuregen, sollte sich die Regierung lieber über die detailverliebte offene Spielwelt freuen, die sich an dem Andenstaat orientiert. Berge, Steilhänge und kleine Dörfer sind beeindruckend programmiert – das lässt sich ohne Drogen genießen.

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erstellt am 06.Mär.2017 | 10:02 Uhr

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