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Deutschland & Welt

11. Dezember 2016 | 05:18 Uhr

Erdbeben bei Norcia : Nachbeben in Italien - „Wir werden alles wieder aufbauen“

vom

Nach Erdstößen am Mittwoch bebte der Boden am Sonntag wieder. Regierungschef Matteo Renzi verspricht Hilfe.

Italien | Ein weiteres schweres Erdbeben hat Mittelitalien erschüttert. Das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie und das Helmholtz-Zentrum in Potsdam gaben die Stärke am Sonntagmorgen mit 6,5 an. Das Seismologische Zentrum Europa-Mittelmeer sprach von einer Stärke von 6,6. Das Zentrum lag südöstlich von Perugia bei dem Städtchen Norcia, in dem es schwere Zerstörungen gibt. Nur Teile der Basilika San Benedetto aus dem 14. Jahrhundert sowie der Kathedrale Santa Maria Argentea seien stehengeblieben, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Norcia ist eine bekannte mittelalterliche Stadt. Am frühen Sonntagnachmittag wurde die Region von einem Nachbeben erschüttert. Der Erdstoß hatte eine Stärke von 4,6.

Erst am Mittwochabend hatten zwei starke Erdschöße die Region erschüttert, die bereits vor zwei Monaten von einem verheerenden Beben heimgesucht worden war. Ein Mann starb, allerdings an den Folgen eines Herzinfarktes. Es gab mehrere Verletzte, Tausende sind obdachlos. Seither hatte es immer wieder leichte und schwere Nachbeben gegeben. Bei dem schweren Erdbeben Ende August kamen nach offiziellen Angaben 298 Menschen ums Leben, die meisten in dem Ort Amatrice.

Italiens Regierungschef Matteo Renzi sagte den Menschen in der Erdbebenregion sofortige Hilfe zu und sprach sein Mitgefühl aus. „Wir werden alles wieder aufbauen: die Häuser, die Kirchen und die Geschäfte“, versprach Renzi am Sonntag in Rom. Die Menschen in der betroffenen Region südöstlich von Perugia lebten seit Wochen in physischer Unsicherheit, Angst und Sorge.

Renzi zeigte sich betroffen, dass erneut Orte in dem „wunderschönen Gebiet“ von dem Erdbeben verwüstet wurden. Er appellierte an die Politiker des Landes, Streit und Spaltung zu vermeiden. Der Regierungschef will am Montag im Kabinett über Maßnahmen beraten.

In die Entscheidungen sollten auch die Spitzen der betroffenen Regionen und der Zivilschutz einbezogen werden. Viele Menschen bräuchten eine Unterkunft, sie würden voraussichtlich zunächst in Pensionen unterbracht. „Mit dem Winter vor der Tür können wir nicht an Zelte als Lösung denken.“ In der Erdbebenregion war bereits seit dem Morgen die Rede davon, dass betroffene Menschen an der Küste untergebracht werden sollten.

Das Beben ereignete sich gegen 7.40 Uhr, laut den Experten in etwa 10 Kilometern Tiefe. Nach ersten Informationen des Zivilschutzes wurden einige Dutzend Menschen verletzt. Unter ihnen sei auch ein Mensch mit schwereren Verletzungen, sagte Zivilschutz-Chef Fabrizio Curcio laut Nachrichtenagentur Ansa am Sonntagvormittag in einer ersten Bilanz. Die Verletzten würden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht.

Mehrere Menschen wurden lebend aus Trümmern geborgen. „Es war ein sehr starker Erdstoß“, sagte der Cesare Spuri vom Zivilschutz in den Marken. Der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Ussita, Marco Rinaldi, sagte der Nachrichtenagentur Ansa: „Es ist alles eingestürzt.“ In dem Ort hatten bereits die Beben von vergangenem Mittwoch starke Schäden angerichtet. „Ich sehe eine Rauchsäule, es ist ein Desaster, ein Desaster! Ich habe im Auto geschlafen und die Hölle gesehen.“

Der Erdstoß löste in der Region Marken Panik aus. Menschen liefen erschreckt auf die Straße, wie Ansa berichtete. Das Beben sei auch deutlich und lange in der Provinz Umbrien und in Städten wie Florenz und Ancona - vor allem in oberen Stockwerken - zu spüren gewesen. Die Telefonleitungen in dem betroffenen Gebiet seien unterbrochen.

In Rom wurde vorübergehend die zwei zentralen Metrolinien A und B gestoppt. Es gebe technische Überprüfungen nach dem Beben um 7.40 Uhr, war auf der Internetseite der Verkehrsgesellschaft Atac zu lesen. Den Angaben zufolge gab es auch Verzögerungen im Zugverkehr.

Das mittlere Italien ist eine derjenigen Regionen in Europa, die besonders häufig von schweren Erdstößen heimgesucht werden. Immer wieder trifft es die bergige Gegend in den Abruzzen. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der „Adriatische Sporn“ - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich hier an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet.

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erstellt am 30.Okt.2016 | 13:39 Uhr

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