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Deutschland & Welt

10. Dezember 2016 | 19:37 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern : Nach Wahlerfolg: AfD-Fraktion bestimmt Vorstand in Schwerin

vom

Die Flügelkämpfe in der AfD gehen weiter - auch nach der Wahl. Es geht um Macht und Posten. Was sind das für Leute, die in den Landtag einziehen?

Schwerin | Nach ihrem fulminanten Wahlerfolg in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag hat die AfD nun ihre Landtagsfraktion gegründet. Die 18 neuen Abgeordneten gaben sich am Donnerstag in Schwerin eine Geschäftsordnung und wählten den Fraktionsvorstand. Vorsitzender ist Landesparteisprecher und Spitzenkandidat Leif-Erik Holm, parlamentarischer Geschäftsführer Matthias Manthei.

Bei der Besetzung des fünfköpfigen Fraktionsvorstandes wurden heftige Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der einzelnen Flügel erwartet. Viele gehen davon aus, dass nach dem Wahlerfolg die Zerreißprobe für die AfD folgt. Bereits bei einem Sonderparteitag der AfD Ende Mai auf Rügen gab es interne Spannungen. Damals ging es um die Abwahl der Kandidatin Petra Federau. Erst nach hitziger Debatte plädierten 84 von 137 anwesenden stimmberechtigten Mitgliedern für die Abwahl. Holm sah sich genötigt, seine Partei so kurz vor der Wahl zu Geschlossenheit aufzurufen.

Manthei erhielt nach NDR-Informationen nach drei Wahlgängen das Amt per Losverfahren. Holm dementierte dies nicht. Beide werden dem bürgerlich-gemäßigten Lager zugerechnet. Weitere Vorstandsmitglieder sind Holger Arppe, Enrico Komning und Ralph Weber. Sie werden zum rechten Flügel der Partei gezählt.

Es ist die neunte Fraktion der AfD in einem deutschen Landesparlament. Die politischen Vorstellungen der 17 Männer und einen Frau reichen von bürgerlich-gemäßigt über rechtskonservativ bis hin zu völkisch-nationalistisch. Die AfD hatte bei der Landtagswahl am Sonntag aus dem Stand 20,8 Prozent der Stimmen erhalten und stellt die zweitstärkste Fraktion nach der SPD.

Folgende Politiker sind im Fraktionsvorstand der AfD in Mecklenburg-Vorpommern:

Leif-Erik Holm - nett und nationalistisch

AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm posiert vor dem Schweriner Schloss.
AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm posiert vor dem Schweriner Schloss. Foto: Daniel Bockwoldt

Leif-Erik Holm hat einen dreijährigen Sohn und war viele Jahre Radiomoderator. Es habe ihn nicht in die Politik gezogen, sagt der 46-Jährige. 2013 trat er dann doch in die AfD ein, gründete den Landesverband mit. Ein Grund sei die aus seiner Sicht verfehlte Euro-Rettungspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewesen, sagt er. Er präsentiert die AfD gern als Partei, die Politik für Familien macht. Doch immer wieder schlägt der studierte Ökonom auch nationalistische Töne an, warnt vor kriminellen Ausländern und fordert geschlossene Grenzen zur Abwehr von Flüchtlingen.

Matthias Manthei - der Amtsrichter

<p>Matthias Manthei ist Landessprecher der AfD in Mecklenburg-Vorpommern.</p>

Matthias Manthei ist Landessprecher der AfD in Mecklenburg-Vorpommern.

Foto: dpa
 

Der 44-Jährige arbeitet als Richter am Amtsgericht Greifswald. Sein Schwerpunkt: Familienrecht. Der gebürtige Vorpommer ist seit 2013 Mitglied der AfD, seit 2014 sitzt er im Kreistag von Vorpommern-Greifswald. Seine ersten politischen Erfahrungen machte Manthei nach der Wende in der Union. Von der CDU habe er sich abgewendet, weil ihn vieles an die alte DDR erinnert habe, sagt er. Mit der Masseneinwanderung werde nationales und internationales Recht gebrochen. Platz zwei auf der Landesliste.

Holger Arppe - der Mann von ganz rechts außen

<p>Holger Arppe ist Parteimitglied der Alternative für Deutschland (AfD).</p>

Holger Arppe ist Parteimitglied der Alternative für Deutschland (AfD).

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Der Galerist aus Rostock werde erstinstanzlich wegen Volksverhetzung im Internet zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig, Arppe ist dagegen vorgegangen. Der 42-Jährige wird dem völkisch-nationalistischen Lager zugerechnet, das sich in der Gruppierung „Der Flügel“ innerhalb der AfD zusammengeschlossen hat. Er sympathisiert mit der rechtsextremen Bewegung „Die Identitären“. Arppe stand auf Platz drei der Landesliste und gehört dem Landesvorstand der AfD Mecklenburg-Vorpommern an.

Enrico Komning - Rechtsanwalt mit Faible für Waffen

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Enrico Komning ist Parteimitglied der Alternative für Deutschland (AfD).

Foto: dpa

Komning ist laut eigenen Einträgen auf seiner Facebook-Seite bekennender Burschenschaftler und der Auffassung, in einem totalitären Staat zu leben. Der Neubrandenburger Rechtsanwalt spricht sich für eine Liberalisierung des Waffenrechts aus und begründet dies mit den Worten: „Terroristen haben keine zugelassenen Waffen. Den Bürgern ist jedoch das Recht auf Selbstschutz genommen.“ Komning ist Mitglied des AfD-Landesvorstands und hatte Listenplatz vier.

Ralph Weber - der umstrittene Jura-Professor

 

<p>Ralph Weber ist Parteimitglied der Alternative für Deutschland (AfD).</p>

Ralph Weber ist Parteimitglied der Alternative für Deutschland (AfD).

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Der Jurist, der aus Baden stammt und an der Universität Greifswald lehrt, holte das Direktmandat in seinem Wahlkreis Vorpommern-Greifswald III mit 35,3 Prozent der Stimmen. Es war das beste Ergebnis aller AfD-Direktkandidaten. Weber ist umstritten: Er soll in Thor-Steinar-Kleidung in der Uni erschienen sein - die Marke wird von Rechtsextremen gern getragen. Überregional in die Schlagzeilen geriet Weber, als er den Sänger einer rechtsextremen Band promovierte. In einer seiner Vorlesungen ließ er einen „Reichsbürger“ auftreten.

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erstellt am 08.Sep.2016 | 17:01 Uhr

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