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Deutschland & Welt

04. Dezember 2016 | 21:30 Uhr

Trauer um das Ungeborene : Nach Abtreibung: Dänische Frauen haben Anspruch auf den Fötus

vom
Aus der Onlineredaktion

Frauen in Dänemark bekommen das Recht zur Trauer um ihr ungeborenes Kind. Nach chirurgischem Eingriff können sie das „Abtreibungsmaterial“ einfordern.

Kopenhagen | Bisher war es in Dänemark die Norm, dass Föten nach einer chirurgischen Abtreibung in den Krankenhausmüll wanderten. Da dies in einigen Fällen gegen den Willen der betreffenden Frauen durchgesetzt werden musste, kam es zu Streitigkeiten in den Kliniken. Jetzt ist das Gesundheitsministerium in Kopenhagen eingeschritten: Frauen wird die Möglichkeit eingeräumt, nach der Abtreibung die Föten mitzunehmen, wie die Zeitung „Berlingske“ zu erst berichtete.

Keine Materie wirft ethisch so große Fragen auf wie eine Abtreibung. Wenn früh diagnostiziert wird, dass ein Fötus nicht lebensfähig oder schwerstbehindert sein wird, eröffnet sich ein Fragen-Komplex über Schuld, Gewissen, Würde, Selbstbestimmung und Trauer. Ist ein entfernter Fötus „Abtreibungsmaterial“ oder bereits ein Mensch, verbunden mit dem naturgegebenen Recht zur Trauer?

Wenn die Mütter und Väter ein „besonderes Interesse“ daran haben, können sie ihre Föten begraben oder beigesetzen lassen. Für die Vorsitzende des Hebammenverbandes, Lillian Bondo, ist die Initiative ein Schritt in die richtige Richtung. Bondo, die gleichzeitig Mitglied des Ethikrates ist, sieht laut der Nachrichtenagentur „Ritzau“ darin im Wesentlichen die Möglichkeiten der Frauen gestärkt, um den Verlust ihres Kindes zu trauern – eine respektvolle Behandlung müsse aber vorausgesetzt werden. Eine Abtreibung könne vielerlei Gründe haben, die es zu respektieren gelte, zum Beispiel, wenn eine schwere Missbildung festgestellt worden ein. Bei einer Abtreibung eines gesunden Kindes könne die Herausgabe allerdings kaum begründbar sein, so Bondo.

Die Diskussion geht auf einen Fall im Krankenhaus Odense zurück. Dort war einer schwangere Frau in der achten Woche vor dem Eingriff darüber informiert worden, dass sie das entfernte Gewebe nicht behalten darf. Anschließend bestand sie jedoch auf Herausgabe, was das Krankenhaus ablehnte. Laut Untersuchung im Ministerium war dies ein Fehler, der auf eine Unklarheit in den Gesetzen zurückzuführen ist. Das „Recht auf Selbstbestimmung der Frau“ kollidiert mit dem Paragrafen, der verhindert, dass „biologisches Material“ herausgegeben wird. In der Erklärung heißt es laut „Berlingske“ nun, dass „Abtreibungsmaterial“ aber eben nicht als Körperteil, sondern als ganzer Körper zu definieren sei.

Konkret soll das Gesetz nun ermöglichen, dass Frauen nicht mehr nur wie bisher nach der 22. Schwangerschaftswoche die Herausgabe des Leichnams anfordern können. In Woche 14 bis 15 wurde bisher in der Praxis häufig so verfahren, dass den Eltern zum Beispiel Haare des Fötus überreicht wurde, die bei der Bewältigung des Verlustes helfen sollten. Wenn in der Zukunft ein „besonderes Interesse“ besteht, kann die Übergabe des Körpers nun auch vor Woche 12 geschehen. Dafür braucht es eine schriftliche Patienteninformation. Die Frau muss vor dem Eingriff zu verstehen geben, was sie will. Lise Møller, Ärztin im Ethikrat, gibt hierzu gegenüber „Berlingske“ zu bedenken, man müsse die Information in einer „nüchternen Art und Weise übermitteln“, um kein „Gefühl der Schuld bei den Frauen zu provozieren“. Viele Fälle erwarten die Ärzte in Dänemark nicht.

Dänische Hospitäler könnten sich am Beispiel des Krankenhauses in Herlev nahe Kopenhagen Orientierung suchen. Dort wurde vor Jahren damit begonnen, die Föten einzuäschern und für sie ein gemeinsames Grab auf einem Friedhof einzurichten. Hier haben Eltern einen festen Ort für die Trauer um ihr unbekanntes Kind.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 13:14 Uhr

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