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Deutschland & Welt

09. Dezember 2016 | 18:34 Uhr

Regensburger Knabenchor : Missbrauchsopfer der Domspatzen werden entschädigt

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwischen 1953 und 1992 wurden mehr als 230 Kinder misshandelt - die Betroffenen sollen jetzt entschädigt werden.

Regensburg | Die Opfer des Missbrauchs bei den Regensburger Domspatzen sollen bis Ende 2017 finanziell entschädigt werden. Je nach Schwere der Übergriffe sollen die Betroffenen zwischen 5000 und 20.000 Euro erhalten, kündigte Bischof Rudolf Voderholzer am Mittwoch in Regensburg an. Ein Gremium aus drei Personen werde über die Höhe der Zahlungen entscheiden.

Die römisch-katholische Kirche wird immer wieder von Missbrauchsvorwürfen erschüttert. Mitte der 1990er Jahre wurde der Missbrauch von Kindern durch Priester und Ordensangehörige in katholischen Bildungseinrichtungen erstmals großflächig aufgedeckt. Die Sensibilisierung für das frühere Tabuthema hat viele Opfer ermutigt, ihre traumatischen Erlebnisse öffentlich zu machen.

Nach derzeitigem Stand wurden an der Schule und dem Internat des berühmten Chores zwischen 1953 und 1992 mehr als 230 Kinder von Lehrern und Priestern misshandelt. Rechtsanwalt Ulrich Weber, von der katholischen Kirche mit der Aufklärung des Skandals betraut, geht davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt. Er rechnet damit, dass etwa jeder Dritte der rund 2100 Schüler der „Spatzen“ unter körperlicher Gewalt litt.

Weber sprach seit Mai 2015 mit Dutzenden Opfern, Verantwortlichen und dem Missbrauchsbeauftragten des Bistums Regensburg. Zudem hatte er Einblick in die Geheimarchive, Personalakten des Bistums sowie die persönlichen Notizen des Generalvikars. Nach seinen Recherchen wurden mindestens 60 der 231 bislang ermittelten misshandelten Kinder auch Opfer sexueller Gewalt. „Die sexuellen Übergriffe reichten von Streicheln bis zu Vergewaltigungen.“

Die Entschädigungsregelung ist das Ergebnis intensiver Beratungen zwischen Vertretern der Kirche und der Betroffenen, darunter auch Alexander Probst. Der 56-Jährige zeigte sich zufrieden. „Wir traten an mit einem Forderungskatalog, der bewusst sehr hoch angesetzt war - nach heutigem Stand wissen wir, dieser Forderungskatalog ist erfüllt.“ Dies sei ein Ergebnis, „von dem wir jahrelang geträumt haben“.

Die Regensburger Domspatzen sind Deutschlands ältester Knabenchor. Sie blicken auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurück. Seit 1994 leitet der Nicht-Geistliche Roland Büchner den Chor, der aus Knaben und jungen Männern besteht. Zu den Domspatzen gehören auch Schule und Internat.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 16:18 Uhr

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