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Deutschland & Welt

08. Dezember 2016 | 05:17 Uhr

Idee der Pharma-Lobby : Medikamente ins Supermarktregal? Kritiker feuern gegen Dänemarks Regierung

vom
Aus der Onlineredaktion

Kopfschmerztabletten sollen künftig neben Zahnbürsten liegen, der Widerstand ist groß. Dänemarks Regierung habe sich von der Pharma-Lobby anstiften lassen, heißt es.

Die dänische Mitte-Rechts-Regierung plant, dass in Zukunft künftig rezeptfreie Medikamente in Supermarkt-Regalen ausliegen sollen. Das berichtet Jyllands-Posten. Derzeit können Medikamente wie leichtere Schmerztabletten zwar bereits an den Kassen von Supermärkten ausgegeben werden. Doch der neue Vorstoß geht vielen einen Schritt zu weit. Der dänische Verband der Krankenpfleger, die Gesellschaft für Patientensicherheit und der Arztverband kritisieren, dass so dem Missbrauch von Pharmazie Tür und Tor geöffnet werden.

Verbraucherrat: Medikamente sind keine Toaster

Auch die Verbraucherzentrale „Tænk“ sieht die Initiative kritisch: „Man lässt den Verbraucher im Stich, und wir befürchten einen unnötigen Mehrverbrauch, nicht zuletzt wenn die Läden die Medikamente und die Werbung dafür nebeneinander stellen“, so Tænk-Beraterin Sine Jensen in Jyllands-Posten. Medikamente, meint sie, seien kein Verbrauchsgut wie ein Toaster.

Regierungsvorschlag auf Initiative der Pharmaindustrie

Kern der Kritik ist auch, dass die Idee zur Regierungsinitiative der Pharma-Lobby entsprungen ist. Der Branchenverband der Pharmaindustrie LIF weist allerdings den Vorwurf zurück, auf diesem Wegen den Pillen-Verkauf ankurbeln zu wollen. Und auch Gesundheitsministerin Sophie Løhde (Venstre) ist über die heftige Kritik verwundert: „Ich verstehe ganz und gar nicht, weshalb es den Dänen nicht gestattet sein sollte, selbst Halstabletten, Nikotinkaugummis oder andere Formen rezeptfreier Medikamente, die sie zu kaufen erwägen, anzusehen und auszuwählen“, sagt sie. „In den Ländern um uns herum hat man die 'Selbstwahl' eingeführt, und das hat nicht dazu geführt, dass die Bürger deutlich mehr rezeptfreie Medikamente kaufen“, meint sie und verweist damit auf die Nachbarn Norwegen und Schweden.

Der gesamte bürgerliche Block im Folketing unterstützt den Vorschlag. In Deutschland dürfen auch rezeptfreie Medikamente nur in Apotheken verkauft werden.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 18:32 Uhr

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