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Deutschland & Welt

10. Dezember 2016 | 00:09 Uhr

Neue Ryanair-Basis am Hamburg Airport : Luftfahrt-Revoluzzer von Ryanair: Die verrücktesten Ideen des Iren Michael O'Leary

vom

Das Flugzeug ist ein guter Ort für Geschäfte, denn es gibt es kein Entfliehen. Oh, really? Michael O'Leary hat es verstanden.

„Jeder der glaubt einen Flug mit uns ist eine Entspannung, hat sich geschnitten. Wir bombardieren alle mit so vielen Ansagen und Verkaufsangeboten wie wir können. Und wer trotzdem einpennt, den wecken wir auf und versuchen ihm was anzudrehen“: Ryanair-Chef Michael O'Leary flutet jeden seiner öffentlichen Auftritte mit kruden Sprüchen. So, das weiß der gewiefte Geschäftsmann, kann er den größten europäischen Billigflieger Ryanair ohne teure Annoncen in den Medien präsent halten.

Am 1. November um 13.30 Uhr wird die Ryanair-Basis in Hamburg-Fuhlsbüttel eröffnet. London-Stansted, Mailand-Bergamo und Sofia - diese drei neuen Ziele werden mit Beginn des Winterflugplanes vom Hamburg Airport aus angeflogen.

Ebenso windig wie die Äußerungen sind auch die Ideen des Iren, wenn es darum geht, den Flugverkehr bis ins Unvorstellbare zu rationalisieren. Seine Devise dabei: „Es ist mir scheißegal, ob mich jemand mag. Ich will Geld verdienen.“ Sein Ziel ist es, mit den Flugtickets eines Tages gar kein Geld mehr zu verdienen – sondern nur noch über die Extras. Mit diesen unorthodoxen Sparvorschlägen wollte oder will der Multimillionär dieses Ziel erreichen.

Stehplätze ohne Gurte

<p>Fast-Stehplätze wie auf dem Bild sind nur noch auf Flugmessen im Gespräch.</p>

Fast-Stehplätze wie auf dem Bild sind nur noch auf Flugmessen im Gespräch.

Foto: dpa

Fußballfans lieben sie, sie sparen Platz und Geld und treiben die Stimmung hoch: Stehplätze. Doch Fliegen wie im Viehtransporter, wer will das wirklich? Ryanair befragte seine Fluggäste ob ihrer grundsätzlichen Bereitschaft, sich an Haltegriffe geklammert und ungepolstert an hohe Hocker anzulehen. Das sei genauso wie in der der Londoner U-Bahn, mäßigte Michael O'Leary die Vorturteile. Womöglich wollte er nur mal testen, wie weit das „Geiz ist Geil“ sich bei den Schnäppchenjägern des Himmels spannen lässt. Der Flugpreis könne so auf unter sechs Euro sinken, vielleicht sogar auf Null, so die Werbung. Eine Luftfahrtbehörde schob dem Ganzen einen Riegel vor, Testflüge wurden untersagt, der Umrüster Boeing sprang von Bord. O'Leary störte sich nicht daran. Die Aktion sei ja eh nur „großartige PR“ gewesen, sagte der knallharte Geschäftsmann später.

Das Geschäft mit dem Geschäft

Foto: imago stock&people

Ryanair wollte erstens statt drei nur noch ein einziges WC in seine Maschinen einbauen. So hätte eine weitere Sitzreihe im Flugzeug Platz und die Fluggesellschaft könnte mehr verdienen. Doch das war nicht alles. O'Leary plädierte für Münzschlitze in Flugzeugtoiletten: „Wir wollen mehr Geld verdienen und würden sofort Bezahltoiletten an Bord einführen. Wenn uns jemand fünf Pfund zahlt, trage ich den auch da hin und für noch einen Fünfer wische ich ihm auch noch den Hintern ab“. Letztendlich gibt es die Münzschlitze aber nun doch nicht.

Kilopreise für Passagiere

Foto: imago/Action Pictures
 

Das Areal von Schwergewichten an Bord geht häufiger über die Armlehne des Nächsten hinaus. Das sollte bei den 1,5 Stunden Durchschnittsflugdauer tolerierbar sein. Ist es nicht. Für den Platzbedarf und wohl auch für das Schlückchen Kerosin weniger im Tank sollen Mollige eine Extra-Gebühr zahlen, meint O'Leary. Schließlich kostet überschweres Gepäck ja auch mehr! Für diese Dicken-Kampagne hatte der Ryanair-Boos sich den angeblichen Segen seiner Kunden geholt: „Niemand will neben einem 'Fatty' an Bord sitzen“.

Fluggäste sollen mit anpacken

Foto: imago/vm


Ryanair hat das einst von einem Hauch Exklusivität umwehte Transportmittel Flugzeug zum Linien-Töfftöff der Lüfte degradiert - Fixkosten runter, Masse statt Klasse, Outsourcing so viel es geht. Dazu gehören neben dem richtungsweisenden Ticketkauf per Computer, dass die Kabine nicht mehr nach jedem Passierwechsel gereinigt wird und dass der Check-In-Schalter weg ist, dass ein Getränk extra kostet, dass die Sitzplätze nicht mehr zugeteilt werden, sondern dem Recht des Stärkeren unterliegen und auch, dass der Innenraum zur Werbefläche wird. Die Kosten sollten weiter runter. Ryanair-Passagiere sollten – so der Plan des Iren – nun auch noch ihr Reisegepäck wie Busreisende selber im Packraum des Flugszeugs verladen – oder für den Service extra zahlen. Doch auch dieser Plan ließ sich nicht durchsetzen.

Wozu noch ein Co-Pilot?

<p>Michael O'Leary im Cockpit.</p>

Michael O'Leary im Cockpit.

Foto: imago/Fernando Baptista

Bei einer Sache fand O'Leary auch unter den puristischsten Sparfüchsen keinen Zuspruch: „Lasst uns den zweiten Piloten doch herausnehmen. Soll doch der verdammte Computer fliegen“, forderte er in einem Interview mit „Businessweek“. Im Fall einer Herzattacke des Piloten könne ja ein Crew-Mitglied das Landen übernehmen. Alles eine Frage der Schulung, so der Manager: „Wenn der Pilot einen Notfall hat, dann klingelt er – und die Stewardess übernimmt.“ Ryanair-Pilot Morgan Fischer reagierte mit einem Brief in der „Financial Times“: O'Leary könne doch durch einen Flugbegleiter ersetzt werden.

„Blödheit“ muss kosten

Foto: imago/Italy Photo Press

Bei Flugreisen ist eins immer im Preis eingeschlossen: der Flug selbst. Auf Reisen klappt nun aber nicht immer alles so glatt, dass man nicht auch mal auf Kulanz angewiesen wäre. Spontaneität soll einem teuer zu stehen kommen. Bei Tuchfühlung mit der Viererklee-Airline sollte man deshalb immer schön Bargeld dabei haben, denn auch die Kreditkartengebühr ist happig. „Wir wollen Eure Heulgeschichten nicht hören“, sagt O'Leary zu Flugverpassern. Sprich: Service kostet extra kostet extra. „40 Euro wenn wir eine Bordkarte neu ausdrucken, weil jemand seine verloren hat, sind nicht zu viel. Eigentlich müssten wir für so viel Blödheit mindestens 60 Euro verlangen“. Falls das Handgepäck nach der Städtereise zur schwer wird: das nachträgliche Einchecken am Flughafen kostet bis zu 80 Euro.

(mit dpa)

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erstellt am 31.Okt.2016 | 20:11 Uhr

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