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Deutschland & Welt

11. Dezember 2016 | 09:12 Uhr

Petitionen nach Brexit-Votum : #londependence: Briten fordern Unabhängigkeit Londons

vom

Über 115.000 Menschen haben die Petition bislang unterschrieben. Sie fordern Bürgermeister Sadiq Khan zum Handeln auf. In einer weiteren Petition fordern über eine Million ein zweites Referendum.

London | Nicht nur Schottland denkt nach dem Brexit-Referendum laut über seine Unabhängigkeit nach: Mehr als hunderttausend Briten fordern die Unabhängigkeit für ihre Hauptstadt London (Stand Samstagmittag). „London ist eine internationale Stadt, und wir wollen im Herzen Europas bleiben“, heißt es auf dem Portal change.org. „Diese Petition fordert Bürgermeister Sadiq Khan auf, die Unabhängigkeit Londons zu erklären, und sich für eine Mitgliedschaft in der EU zu bewerben - inklusive der Mitgliedschaft in der Schengen-Zone (Hmm, über den Euro reden wir dann noch...).“

Mit dem Austritt der Briten verliert die EU nach 43 Jahren London als ihre Finanzhauptstadt, ihre zweitstärkste Volkswirtschaft und das Land mit der drittgrößten Bevölkerung. Zudem ist das Land - mit Frankreich - einer von zwei EU-Staaten mit Atomwaffen und Ständigem UN-Sicherheitsratssitz.

Die Initiatoren haben auch schon ein Schlagwort für die sozialen Netzwerke: #londependence, eine Mischung aus London und Independence, also Unabhängigkeit. „Lasst uns, statt bei jeder Wahl passiv-aggressiv gegeneinander abzustimmen, die Scheidung offiziell machen und mit unseren Freunden auf dem Kontinent zusammenziehen“, schreiben sie. „Bürgermeister Sadiq, wären Sie nicht lieber Präsident Sadiq? Machen Sie es wahr!“

Die Londoner haben, wie die Schotten auch, mehrheitlich für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union gestimmt. In den meisten englischen Wahlkreisen waren die Brexit-Gegner aber in der Mehrheit. Insgesamt hatten sich in dem Referendum rund 52 Prozent der Briten für den Ausstieg aus der Union ausgesprochen.

Auf Twitter gibt es Kritik und Zustimmung:

„Wir müssen vereint sein. Wir sind stärker zusammen. Wir haben verloren? Lasst uns uns vom Rest des Landes lösen“, schreibt ein Twitterer.

Ein anderer kritisiert die Petition: „Londependence ist der größte öffentliche und kindliche Wutanfall für etwas, was nicht so gelaufen ist, wie man es wollte. Erbärmlich.“

„Der linke Flügel dreht völlig durch. Jetzt schreien sie nach Londependence. Als ob diese Jauchegrube ohne eine steuerzahlende Nation überleben könnte“, schreibt ein weiterer Nutzer.

Zwei weitere Twitternutzer würden ihre britische Staatsbürgerschaft bei einer Londependence ohne zu Zögern aufgeben.

52 Prozent für den Brexit - ist das zu wenig?

Derweil fordern mehr als eine Million Briten angesichts des knappen Ergebnisses beim EU-Referendum noch einmal abstimmen. Eine offizielle Petition an das Parlament in London knackte am Samstagvormittag die Millionenmarke. Bereits 100.000 Unterstützer reichen aus, damit das Parlament eine Debatte „in Betracht ziehen“ muss, wie es auf der Webseite heißt.

Die Unterzeichner fordern, dass es ein neues Referendum geben solle, wenn die Wahlbeteiligung unter 75 Prozent liegt oder weniger als 60 Prozent der Wähler für oder gegen den Brexit stimmen. Online ist sie bereits seit Ende Mai. Nachdem am Freitag deutlich wurde, wie gespalten das Land in der EU-Frage ist, schoss die Zahl der Unterstützer in die Höhe. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 72 Prozent. Für das Referendum hatten sich insgesamt rund 46,5 Millionen Wähler registriert.

#Bregret und #WhatHaveWeDone

Nicht wenige Briten würden ihre Entscheidung gegen die EU gern korrigieren. Und dem Schlagwort #Bregret - einer Mischung aus Britain und regret (= Bedauern), war der Kater nach dem Referendums-Rausch am Wochenende ein großes Thema in den sozialen Netzwerken. Auch der Hashtag #WhatHaveWeDone - was haben wir getan - gab dem Schrecken Ausdruck. „Ich würde zurück zum Wahllokal gehen und fürs Bleiben stimmen, einfach, weil heute Morgen die Realität deutlich wird“, sagte eine Studentin am Samstag dem Sender ITV. Ein anderer Brexit-Wähler sagte der BBC: „Ich dachte nicht, dass meine Stimme allzu viel Gewicht haben würde, weil ich geglaubt, habe, wir würden sowieso bleiben.“

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erstellt am 04.Jul.2016 | 15:22 Uhr

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