zur Navigation springen

Deutschland & Welt

04. Dezember 2016 | 23:26 Uhr

Dänemarks Ministerpräsident im Bundestag : Lars Løkke Rasmussen: „Nie von einfachen Lösungen verführen lassen“

vom
Aus der Onlineredaktion

Bush, Putin, Mandela, Løkke : Als erster Däne durfte Rasmussen am Volkstrauertag im Bundestag eine Rede halten.

Berlin | Der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen hat zum Volkstrauertag in Berlin ein Plädoyer für Verständigung und Einheit in Europa gehalten. „Wir erleben feige Terroranschläge, mit denen unsere Freiheit und demokratische Gesellschaft zerstört werden sollen“, sagte er am Sonntag bei der zentralen Gedenkveranstaltung im Bundestag. Die Wirtschaft wachse nur langsam, Nationalismus und Protektionismus entwickelten sich zu falschen Symbolen der Hoffnung. „Das darf nicht zu noch mehr Spaltung führen“, sagte Rasmussen.

Da Dänemarks Regierung anders als etwa Deutschland einen sehr strikten Abschreckungskurs bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise fährt, dürften Løkkes Worte besonders von seinen Kritikern mit spitzen Ohren belauscht werden. Auch dass seine Regierung vor dem Brexit stets bekundet hatte, in europäischen Fragen dem Kurs Londons zu folgen, gibt dem Auftritt Würze.

Der dänische Ministerpräsident hatte zuletzt bekundet, sich für das Erlernen der deutschen Sprache zu interessieren. Der eigentliche Grund für die Einladung des Ministerpräsidenten war aber nicht die Gegenwart, sondern die Geschichte. Am Ende des Zweiten Weltkrieges suchten viele deutsche Flüchtlinge und Vertriebene Schutz in Dänemark.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten sich die europäischen Länder für Versöhnung entschieden - die Einigung zwischen Dänemark und Deutschland über die jahrhundertelang umkämpfte Grenze sei ein Beispiel dafür, sagte Rasmussen.

Am Volkstrauertag wird der Toten beider Weltkriege und der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Der Tag mahnt zu Frieden und Verständigung. „Wir Europäer müssen den Opfern von Konflikten und Unterdrückung auf der ganzen Welt zur Seite stehen“, betonte Rasmussen. Dabei sollten die Lehren der Vergangenheit stets gegenwärtig sein. „Nie wieder dürfen wir uns von einfachen Lösungen und Populismus verführen lassen.“

Im Anschluss an die Rede sprach Bundespräsident Joachim Gauck das Totengedenken. „Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker“, sagte er. Das Gedenken endete auf einer positiven Note: „Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

Zuvor hatten Rasmussen, Gauck, Bundesratspräsidentin Malu Dreyer (SPD), Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und weitere Amtsträger an der zentralen Gedenkstätte der Bundesrepublik, der Neuen Wache in Berlin, Kränze niedergelegt.

Die erste offizielle Feierstunde zum Volkstrauertag wurde 1922 für die Opfer des Ersten Weltkrieges in Berlin veranstaltet. Von den Nationalsozialisten als „Heldengedenktag“ missbraucht, wurde der Volkstrauertag nach der Gründung der Bundesrepublik vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wiederbelebt. Seit 1950 wird er jeweils zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen. Traditionell nehmen an der Veranstaltung die höchsten Repräsentanten der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland teil.

Dass ausländische Gäste im Bundestag sprechen, ist eine Ausnahme zu besonderen Gedenksitzungen. Hier eine Liste der Reden ausländischer Gäste im Plenum: (Quelle: Bundestag.de)

Datum

Redner

27.01.2016

Prof. Dr. Ruth Klüger

10.09.2014

Bronisław Komorowski

03.07.2014

Alfred Grosser

27.01.2014

Daniil Granin

22.09.2011

Papst Benedict XVI.

27.01.2011

Zoni Weisz

27.01.2010

Shimon Peres

27.01.2010

Prof. Dr. Feliks Tych

25.01.2008

Lenka Reinerová

29.01.2007

Imre Kertész

31.05.2005

Moshe Katsav

09.03.2005

Viktor Juschtschenko

27.01.2004

Simone Veil

27.01.2003

Jorge Semprún

23.05.2002

George W. Bush

28.02.2002

Kofi Annan

28.01.2002

Bronislaw Geremek

25.09.2001

Wladimir Putin

27.06.2000

Jacques Chirac

27.01.2000

Elie Wiesel

09.11.1999

George Bush sen.

09.11.1999

Michail Gorbatschow

07.09.1999

Najma Heptulla

27.01.1998

Yehuda Bauer

24.04.1997

Václav Havel

22.05.1996

Nelson Mandela

16.01.1996

Ezer Weizman

28.04.1995

Wladislaw Bartoszewski

17.06.1987

Fritz R. Stern, amerikanischer Historiker und Hochschullehrer

20.01.1983

François Mitterrand, Präsident der Französischen Republik

09.06.1982

Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

26.02.1969

Richard Nixon, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

14.02.1962

Per Federspiel, Präsident der Beratenden Versammlung des Europarates

29.10.1953

Joseph W. Martin, Speaker des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten von Amerika

12.12.1951

Muhlis Tumay, Erster Vizepräsident des Türkischen Großen Nationalversammlung als Sprecher einer Delegation der Türkischen Großen Nationalversammlung

14.11.1951

Theodore Francis Green, Mitglied des Senats der Vereinigten Staaten von Amerika als Sprecher einer Delegation beider Häuser des amerikanischen Kongresses

18.09.1951

Arthur Woodburn, Leiter einer Delegation von britischen Parlamentsabgeordneten

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 13.Nov.2016 | 15:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen