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Kultur

06. Dezember 2016 | 23:00 Uhr

Literaturmuseum in Marbach : Von Kronen, Manuskripten und anderen Geschenken

vom

Mit Schrift- und Schmuckstücken, Gaben in vielerlei Form, beschäftigt sich die Ausstellung «Die Gabe/The Gift» im Literaturmuseum in Marbach. Sie ermöglicht einen Einblick, der normalerweise verborgen bleibt: Im Fokus stehen die Stifter und Geber hinter den Exponaten.

Der Weg, auf dem ein silbernes Krönchen ins Deutsche Literaturarchiv Marbach gelangte, beginnt mit einem Rätsel. Schriftsteller Ernst Toller, dem ein Hang zu schönen Frauen nachgesagt wird, schenkte das kleine Schmuckstück Mary Tucholsky, Frau des bekannten Autors Kurt Tucholsky.

Ob die beiden Liebe, Verehrung oder Freundschaft verband, ist ungewiss. Fest steht: Sie verschloss es sorgsam in einem Kuvert und gab es mit dem Nachlass Tucholskys nach Marbach. Dieses «Geschenk» schmückt das Plakat zur neuen Wechselausstellung «Die Gabe/The Gift», die im Literaturmuseum der Moderne zu sehen ist.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen schenken: aus Liebe, Freundschaft, aus einer Verpflichtung heraus. Für das Literaturarchiv stehen vor allem die Gaben im Fokus, die gestiftet wurden, um den Kunstbetrieb zu erhalten, wie Direktor Ulrich Raulff betont. «Wir sind und waren auf Mäzene angewiesen, das ist die Botschaft dieser Ausstellung.» Allein in den vergangenen zehn Jahren habe man mehr als 2500 Namen gezählt, die Objekte, Bücher, Manuskripte und anderes gestiftet haben. «Man spricht viel von Drittmitteln, aber keiner weiß, wer dieser Dritte ist», sagt er.

Gezeigt werden gut 160 Exponate aus den Beständen. Die Kuratorinnen Susanna Brogi und Magdalena Schanz haben dafür Inventarbücher gesichtet, Unterlagen des Hauses durchforscht und Kollegen nach Hinweisen gefragt. Ihre Auswahl spielt in mehrfacher Hinsicht mit dem Begriff der Gabe. Manchmal ist das Objekt selbst ein Geschenk, wie die Krone an Mary Tucholsky. Der Schriftsteller Bernhard Schlink vermachte dem Archiv das handgeschriebene Manuskript seines Werkes «Der Vorleser». Im Falle einer Postkarte von Franz Kafka steckt es im Inhalt - Kafka stellt in seinen Zeilen ein Geschenk in Aussicht, weil seine Schwester bei seiner Abfahrt so geweint hat. «Vertreten sind viele private Sachen, die erst durch ihre Geschichte Bedeutung erlangen», sagt Kuratorin Schanz.

Dem übergeordnet steht die Gabe in Form von Nachlässen oder Geldern an das Deutsche Literaturarchiv. Konkrete Summen werden allerdings nicht aufgeführt. Beleuchtet wird stattdessen, wie die Stücke nach Marbach gelangt sind, ob sie gestiftet, aus Drittmitteln gekauft oder aus dem Etat erworben wurden. Die lange Liste der Schenker wird in einem Raum an die Wand projiziert - es sind Privatpersonen, öffentliche Einrichtungen, Stiftungen, Geber aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Als verbindendes Element haben die Kuratorinnen einen Apfel gewählt. Er ist «vielleicht die älteste Gabe schlechthin», wie es im Vorwort des Magazins heißt. Die vier Ausstellungsräume sind diesem Leitmotiv zugeordnet, sie heißen: Kerne, Blüten und Blätter, Gehäuse und Marbacher Pomologie. Auf dem Weg wird der Blick des Besuchers dann unwillkürlich auf die Apfelbäume vor dem Fenster gelenkt, bevor er im letzten Raum auf einem überdimensional großen Exemplar hängen bleibt. Es ist ein Collageobjekt des Künstlers Jirí Kolár, eine Leihgabe des Neuen Museums Nürnberg. Die Ausstellung «Die Gabe/The Gift» ist bis zum 12. März zu sehen.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 18:42 Uhr

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