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Kultur

10. Dezember 2016 | 02:06 Uhr

Borowski und Lindholm : Von 1970 bis 2016: Sonntag läuft die 1000. Tatort-Folge

vom

Am Sonntag feiert der Tatort Jubiläum. shz.de blickt auf 46 Jahre, 2280 Leichen und 89 Ermittler zurück.

Tatort ist Kult. Seit 46 Jahren lockt der ARD-Krimi Woche für Woche rund zehn Millionen Zuschauer vor die Fernseher. Die erste Folge 1970 hieß „Taxi nach Leizig“ - nicht nur mit dem Titel, auch mit einigen Filmfiguren knüpft der 1000. Tatort an den ersten vor 46 Jahren an, der auch vom NDR kam. Am Sonntag wird er ausgestrahlt.

Der Fall von 1970 beginnt mit einem Fernschreiben des Generalstaatsanwalts der DDR. Darin fordert er die Strafverfolgungsbehörden der Bundesrepublik zur Mithilfe bei der Klärung eines Falles auf. An einem Autobahnrastplatz bei Leipzig ist die Leiche eines Jungen gefunden worden, der Schuhe aus der Bundesrepublik trug. Als das Hilfeersuchen plötzlich zurückgezogen wird, fährt Hauptkommissar Trimmel aus Hamburg auf eigene Faust über die Zonengrenze Richtung Leipzig.

<p>Der erste Tatort: Aus der Fassung gebracht von den bohrenden Fragen des Hauptkommissars Trimmel (Walter Richter, rechts), greift Erich Landsberger (Paul Albert Krumm) zur Pistole. </p>

Der erste Tatort: Aus der Fassung gebracht von den bohrenden Fragen des Hauptkommissars Trimmel (Walter Richter, rechts), greift Erich Landsberger (Paul Albert Krumm) zur Pistole.

Foto: NDR/Scharlau
 

„Taxi nach Leipzig“ wurde unabhängig von der Tatort-Reihe gedreht und erst nach der Fertigstellung als Auftaktfilm in diese integriert. Es war bereits der zweite Auftritt der Figur Trimmel im deutschen Fernsehen, denn sein erster Fall wurde bereits 1969 unter dem Titel „Exklusiv!“ gesendet. Nachträglich wurde diese dann als Folge 9 in die Krimireihe aufgenommen und im Juli 1971 als solche ausgestrahlt. Die Quote des allerersten Tatorts „Taxi nach Leipzig“ lag bei der Erstausstrahlung bei unglaublichen 61,0 Prozent Marktanteil, was aber auch damit zusammen hängt, dass es neben dem ZDF nur die dritten Programme als Konkurrenten gab. Doch damals galt der Tatort als triviale Unterhaltung, über die kaum gesprochen wurde.

Heute ist das anders. Nicht nur in den sozialen Medien, wo der Tatort am Sonntagabend die Charts anführt, auch immer mehr Menschen verabreden sich zum gemeinsamen Schauen, so ARD-Programmdirektor Volker Herres: „Er ist ein Beispiel dafür, dass der Mensch gar nicht immer nur als digitaler Nomade allein unterwegs sein will, der will ein kollektives Seherlebnis.“ Durchschnittlich fast zehn Millionen Zuschauer (9,53 Mio.) sahen die 40 Erstausstrahlungen im Jahr 2015. Der Marktanteil der unter 50-Jährigen lag bei 22,6 Prozent, bei den Zuschauern ab 50 Jahren waren es 29,9 Prozent. „Der Tatort ist beim jungen Publikum überraschend präsent“. Und: Männer und Frauen versammeln sich gleichermaßen zum Tatortgucken. „Selbst der stetige Pornokonsum im Internet geht zum Tatort zu 17 Prozent zurück. Das schafft kein anderer.“

Tatort-Statistik

In tausend Tatort-Folgen wirkten bisher insgesamt 89 Ermittler bzw. Ermittlerteams mit. Die meisten Fälle haben die Hauptkommissare Batic und Leitmayr (Miro Nemec und Udo Wachtveitl) aus München aufgeklärt: In 25 Jahren und 72 Einsätzen ermittelte das Team vom Bayrischen Rundfunk bisher. Nur eine ist länger als aktive Ermittlerin dabei: Hauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) aus Ludwigshafen ist seit 1989 im Einsatz. Im Durchschnitt gab es pro Tatort 2,3 Leichen. Ganz vorne liegt der Wiesbadener Fall „Im Schmerz geboren“ mit 51 Toten. In 21 Folgen dagegen gab es gar keine Leiche.

Fakten zum Tatort  

Start:

 

 

 

 

29. November 1970
Ermittler Insgesamt 89 Ermittler bzw. Ermittlerteams, aktuell 22
Zuschauer heute durchschnittlich jeden Sonntag 9,53 Mio. Zuschauer
Leichen

2.280 Leichen, 80 Prozent durch Mord: erschossen, erschlagen, vergiftet

81 Tote durch die Kommissare selbst

Geschlecht der Toten 70 Prozent der Leichen sind männlich
Geschlecht der Täter 75 Prozent der Täter sind Männer

Das Intro

Auch wenn ihn ein Kommissar gerne geändert haben wollte, gibt es ihn bis heute seit der ersten Stunde: den Tatort-Vorspann mit seinem Fadenkreuz und den sich umschauenden Augenpaaren, den Händen und den rennenden Beinen auf nassem Asphalt. Vor seinem Amtsantritt als Neu-Kommissar erntete Schauspieler Til Schweiger heftige Kritik, als er diesen als „irgendwie dämlich“ und altmodisch bezeichnete. Doch das Intro blieb. Bis auf kleine Modifizierungen ist es derselbe Vorspann, und das seit über 40 Jahren. Die Musik stammt von Klaus Doldinger, Augen und Beine im Vorspann gehören dem Schauspieler Horst Lettenmayer. 

Aktuell gibt es 22 Ermittlerteams in ganz Deutschland verteilt. „Gegenüber früheren Tatort-Zeiten hat sich etwas Entscheidendes verändert: Heute ist es die große Vielfalt an eigenständigen und eigenwilligen Teams, die das leisten, was vor 35 Jahren ein Einzelner, eine Ausnahme-Erscheinung wie Götz George, schulterte“, so Volker Herres in Gedenken an den im Juni verstorbenen Ex-Tatortschauspieler. Tatort-Erfinder Gunther Witte sieht den Erfolg des Tatorts eben in dieser Regionalität und den unterschiedlichen Handlungsorten, eine große Zahl von interessanten Kommissars-Persönlichkeiten und vielfältige Storys für die einzelnen Folgen. „So manche Geschichte wurde von der Regionalität besonders geprägt, was sie für die Zuschauer nur interessanter machte. Als Beispiel denke ich an Schimanski und sein Wirken in Duisburg und der Region“.

999 unterschiedliche Tatorte wurden bisher ausgestrahlt. Der tausendste Fall soll anders werden, so NDR-Fernsehfilmchef Christian Granderath. „Vor drei Jahren haben wir uns überlegt, wenn wir den ersten gemacht haben, wollen wir als NDR auch den Tausendsten machen, um die Veränderungen mitschwingen lassen zu können.“ „Taxi nach Leipzig“ ist eine Hommage an den ersten Krimi der Tatortreihe, der den gleichen Titel hatte. „Wir wollten Taxi nach Leipzig aber mit einer anderen Bedeutung erzählen“, so Granderath. Autor Alexander Adolf erschuf ein Kammerspiel, ein Drama auf engstem Raum mit den Tatort-Kommissaren Klaus Borowski (Axel Milberg) aus Kiel und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) aus Hannover. Zusammen gab es sie noch nie.

Der Fall von 2016 beginnt mit der Stimme eines verunsicherten und gekränkten Mannes. Während dieser, Taxifahrer Rainald Klapproth (Florian Bartholomäi), seine ersten Fahrgäste mit seinem Taxi chauffiert, harren die Polizisten noch in einer sterbenslangweiligen Fortbildung aus. Doch bereits nach zehn Minuten sitzen Borowski, Lindholm und Polizist Sören Affeld in Klapproths Taxi. Letzterer ist zwei Minuten später tot. Mit der Leiche im Kofferraum fährt das Taxi nach Leipzig. Nach 90 Minuten ist wie gewohnt Schluß - auch wenn am Ende nicht wie gewohnt die Tatortmusik erklingt. 

- „Taxi nach Leipzig“, Sonntag, 13. November, 20:15 Uhr im Ersten, im Anschluss um 21:45 Uhr die 60-minütige Reportage  „Sonntagsmörder - Ermittlung über 1000 Tatorte“ zur Krimireihe.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 15:30 Uhr

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