zur Navigation springen

Kultur

05. Dezember 2016 | 13:36 Uhr

Literatur : Vertrackte Mördersuche: «Zeit zum Sterben»

vom

Berlin (dpa) – Eigentlich hat Tom Thorne Urlaub. Sein nicht immer erfreulicher Polizeidienst, den der Brite Mark Billingham schon in zahlreichen Romanen beschrieben hat, liegt erst einmal hinter ihm. Anstatt Mörder zu jagen, will er mit seiner Lebensgefährtin Helen wandern gehen.

Aber natürlich kommt alles ganz anders. Aus den Fernsehnachrichten erfahren die beiden, dass ein eher entfernter Kriminalfall eine neue Dramatik bekommen hat. In der Kleinstadt, in der Helen aufwuchs, waren zwei junge Mädchen spurlos verschwunden. Nun ist ein Mann unter dringendem Tatverdacht festgenommen worden. Zu Helens Entsetzen ist es der Ehemann von Helens bester Freundin aus Schulzeiten.

Kurzerhand fährt Helen zu ihrer alten Freundin, um ihr beizustehen. Thorne fährt mit, weil er nicht weiß, was er sonst machen soll. Aber er ist viel zu sehr Kriminalpolizist, als dass er sich aus den Ermittlungen heraushalten könnte. Als Ortsfremder hat er keine Kompetenzen. Und die Polizisten erinnern Thorne bei diversen Gelegenheiten daran, dass sie von dessen unrühmlicher Rolle auf einer einsamen Insel wissen. Diese hatte Billingham in seinem vorigen Roman «Der Manipulator» erzählt.

In Billinghams neuem Roman «Zeit zum Sterben» findet sich Thorne in einer merkwürdigen Lage wieder. Seine Zweifel wachsen, ob der verhaftete Ehemann tatsächlich die beiden Mädchen entführt hat. Aber er darf nichts offiziell unternehmen und recherchiert nur privat.

Dramatisch wird es, als die Leiche eines der entführten Mädchen gefunden wird. Thornes Zweifel an der Arbeit seiner Kollegen wächst, aber noch schlimmer wird es für die Familie des Beschuldigten. Sie werden in ihrem Haus von Gaffern belagert, und die Zeitungen tun ihr Übriges, um das Leben der Ehefrau und der beiden Kinder zur Hölle zu machen. Und auch die Polizei scheint wenig daran interessiert, einen anderen als den verhafteten Ehemann der Tat zu überführen.

Billingham hat die Geschichte sehr vielschichtig aufgebaut. Thorne ist zwar die Hauptfigur, aber auch seine Freundin, Frau und Kinder des Beschuldigten, ein entführtes Mädchen und sogar der Täter steuern aus ihren Perspektiven kleine Puzzlestücke zum Gesamtbild bei.

Die komplizierte Suche nach der Wahrheit und die unterschiedlichen Herangehensweisen der Polizisten sorgen für viel Spannung. Eine zusätzliche Dimension erhält «Zeit zum Sterben» durch sein Porträt der Kleinstadt als einer Ansammlung egoistischer und durchgängig unsympathischer Menschen. Ein ungewöhnlicher Krimi, aber einer, der die Leser fesselt.

- Mark Billingham: Zeit zum Sterben. Heyne Verlag, München, 560 Seiten, 12,99 Euro, ISBN 978-3-453-41951-3.

Verlagsseite zum Buch

zur Startseite

von
erstellt am 05.Jul.2016 | 13:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert