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Kultur

06. Dezember 2016 | 09:16 Uhr

Denkmäler : Vergessene Denkmäler - Neue Schau mit Lenin-Kopf

vom

König Friedrich Wilhelm III. und der russische Revolutionär Lenin haben jetzt ein gemeinsames Zuhause. Denkmäler von ihnen stehen am Anfang und Ende einer neuen Berliner Ausstellung, die nach jahrelangem Ringen fertig ist.

«Ich bin glücklich und hochzufrieden», sagt die Leiterin des Museums in der Spandauer Zitadelle, Andrea Theissen, am Mittwoch. Die erste Idee zu der Schau liegt 16 Jahre zurück.

Die Dauer-Ausstellung «Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler» zeigt rund 100 Stücke vom 18. Jahrhundert bis zum Mauerfall, die einst entsorgt, vergraben oder in Depots verbannt wurden. Nun erleben sie ein Comeback. «Der Umgang mit den politischen Denkmälern zeigt Brüche in der Geschichte - jedes Stück erzählt eine eigene Geschichte», sagt die Kuratorin Theissen in dem mit Millionenaufwand umgebauten, hohen Proviantmagazin der einstigen Festung.

Als Zeichen politischer Herrschaft, ideologischer Legitimation oder als Orte des Gedenkens veranschaulichten Denkmäler Vergangenheit. Theissens Anliegen: diese Vergangenheit auf neue Weise zu vermitteln - und begreifbar zu machen. Die meisten der Exponate dürfen angefasst werden. Nichts sei restauriert worden, so bleiben abgebrochene Nasen oder Arme, Risse im Marmor sichtbar. Ab Freitag können Besucher kommen.

Fast wäre das Projekt noch an Lenin gescheitert. Der dreieinhalb Tonnen schwere Granitkopf gehörte einst zu einem 19 Meter hohen Denkmal in Ost-Berlin. Nach dem Mauerfall war es abgebaut, in mehr als 100 Teile zerlegt und am Berliner Stadtrand vergraben worden.

Erst wollte man sich im Senat nicht erinnern, wo die Teile lagen, dann wurden schützenswerte Zauneidechsen ins Feld geführt. Doch Theissen kämpfte «verbissen», wie sie selbst sagt. In einer spektakulären Aktion wurde der symbolträchtige Kopf schließlich im Vorjahr ausgebuddelt und in die Zitadelle gebracht.

Bekannt wurde der Fall des DDR-Denkmals mit dem Film «Good Bye, Lenin!». Ein Millionenpublikum sah in der Tragikomödie, wie die für den Streifen nachgebaute Statue von Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924) davonschwebte - ein Symbol für den Untergang der DDR. Lenins Rolle beim Staatsterror der frühen Sowjetunion, dem Hunderttausende Menschen zum Opfer fielen, wurde viele Jahre wenig beachtet.

Da liegt der Lenin-Kopf nun auf einem kleinen Sockel, Symbol sowohl für die DDR-Denkmalpolitik als auch für das Entfernen unerwünschter Standbilder nach 1989. Vier rostige Schrauben ragen heraus, ein kleines Stück vom linken Ohr fehlt, auch ein Teil des Bartes ist nicht mehr da. «Wir zeigen ihn so, wie wir ihn gefunden haben», sagt die 64-jährige Museumschefin. In der Nähe steht das Denkmal zweier DDR-Grenzsoldaten mit umgehängten Maschinenpistolen. Es stammt aus einer Kaserne in Ost-Berlin.

Ein Stück weiter sind Vogelgezwitscher, Sommerregen und Lachen zu hören. Inszeniert wird ein Sommertag im Jahr 1907 auf der damaligen Siegesallee im Berliner Tiergarten. Rund 70 Figuren stehen für die Denkmalkultur des Kaiserreiches. Nach Abbau und mehreren Umzügen waren die Standbilder jahrelang provisorisch in Kreuzberg gelagert worden.

Die 750 Meter lange Allee hatte Kaiser Wilhelm II. zwischen 1898 und 1901 anlegen lassen - mit 32 Standbildern brandenburgisch-preußischer Herrscher von Markgraf Albrecht dem Bären (um 1100 bis 1170) bis Kaiser Wilhelm I. (1797 bis 1888).

Die Prachtallee wurde in der Bevölkerung wenig respektvoll «Puppenallee» genannt, woraus sich die Redewendung «bis in die Puppen» ableitete. Gemeint war ein nächtlicher Ausflug in den Tiergarten nach einem Lokalbesuch.

Ausstellung

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erstellt am 27.Apr.2016 | 15:25 Uhr

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