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„Nachtsicht“ aus Bremen : „Tatort“-Kritik: Das geliebte Monster

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Der „Tatort“ aus Bremen wird eine Ekel-Show. Und zeigt nebenbei eine düstere Familiengeschichte.

Das wird hässlich heute! So hässlich, dass selbst Gerichtsmediziner Dr. Katzmann (Matthias Brenner) kotzen muss. Solch zermatschte Körper und Köpfe hat auch er noch nie gesehen.

Irgendein Irrer haut mit seinem Auto wildfremde Leute um, rollt wieder zurück und nimmt nochmal Maß. Immer wieder. Für das Bremer Kripo-Team Lürsen und Stedefreund (Sabine Postel, Oliver Mommsen) der blanke Horror am Tatort. Ja, nicht einmal BKA-Kokette Linda Selb (Luise Wolfram), sonst nie um einen klugen Spruch verlegen, kann diesmal helfen. Ist hier ein Serienmörder unterwegs?

Ein Handy am Fundort des ersten Opfers führt die Ermittler immerhin zu Kristian Friedland (Moritz Führmann), einem Ex-Junkie, der jedoch ein Alibi hat. Dennoch erweckt er Misstrauen. Irgendwie tickt Friedland nicht richtig. So infantil und unterwürfig, wie er sich etwa gegenüber seinen Eltern gibt (Rainer Bock, Angela Roy).

Mit jedem weiteren Mord kommen die Kommissare dieser seltsamen Familie näher, da Indizien und schließlich gar das Mordauto zu den Friedlands führen. Doch lässt sich der Irrsinn des offenbar gestörten Kristian tatsächlich aufklären?

Unheimlich, was sich Matthias Tuchmann, Stefanie Veith (Buch) und Florian Baxmeyer (Regie) da ausgedacht haben. Die düstere Katharsis einer Familie, deren Lebenslüge sich erst in Verzweiflung, dann in Mordlust wandelt.

Dass dieser Psychothriller uns so mitreißt, ist neben der sensiblen Story zuerst dem Spiel der Protagonisten zu verdanken. Allen voran Moritz Führmann, dessen Monster uns tatsächlich anzurühren vermag. Trotz seiner Gräuel. Einfach, weil es liebt und geliebt werden will. Und Rainer Bock als Vater, der für seinen missratenen Sohn und seine todkranke Frau durch die Hölle gehen würde, überzeugt schlicht in der Rolle seines Lebens.

So tut dieser „Tatort“ weh wie ein Zahnarztbesuch. Denn je tiefer Baxmeyer in diesem Familiendrama bohrt, desto mehr Nerven trifft er. Bei den Friedlands – und bei uns Zuschauern. Zum Heulen gut.

 

 

 

 

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erstellt am 12.Mär.2017 | 17:14 Uhr

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