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Kultur

11. Dezember 2016 | 09:12 Uhr

Ermittler aus Münster : „Tatort“: Flottes Tänzchen in den Tod

vom

Ein Tanz-Tatort aus Münster - das kann ja heiter werden. Unser Autor Frank Kober hat die neue Folge gesehen.

Eins, zwei – cha, cha, cha. Wirbelnde Beine, schwitzende Körper, strahlende Gesichter. Ein „Tatort“ aus dem Tanzmilieu? Und dann noch aus Münster mit Thiel und Boerne (Axel Prahl, Jan Josef Liefers)? Das kann, nein, das muss ja heiter werden.

Wird es auch. Denn mitten hinein in die Rhythmus gewordene Erotik einer Münsteraner Tanzformation platzt ein Mordfall. Obwohl – das mit dem Mordfall stimmt zwar, nachdem sich im Wolbecker Wald die skelettierte Leiche der Tänzerin Elmira Dumbrowa findet, die seit zwei Jahren verschwunden ist. Aber das mit der „Rhythmus gewordenen Erotik“?

Wer da nämlich übers Parkett schiebt, ist weniger jene heißblütige Tanztruppe, die kurz vor dem Aufstieg in die Bundesliga steht, sondern es sind Boerne und Staatsanwaltsröhre Klemm (Mechthild Großmann). Nur so viel: Es ist ein übler Deal ums Bundesverdienstkreuz für Boerne. Da muss sich der eitle Pfau echt strecken.

Genau wie Thiel, der bei der Suche nach Elmira Dumbrowas Mörder kaum fündig wird. Ob Tanztrainer Andreas (Max von Pufendorf), Elmiras Ex Jonas (Gordon Kämmerer), ihre Freundin Marie (Mersiha Husagic) oder der Mäzen des Vereins und Star-Orthopäde Dr. Steul (Thomas Heinze) – die Geheimniskrämerei der Tanztruppe nervt. Als sich dann ein weiterer skelettierter Fuß im Wald findet, müssen wir nicht lange grübeln: Jetzt geht der Mordsspaß erst richtig los.

Wer so stilsicher Tragik und Komik verflicht, wie Jan Hinter (Buch) und Thomas Jauch (Regie), muss sich über den Quotensieg seines „Tatort“ heute nicht wundern. Andererseits: Das Münster-Team liefert seine Gags mittlerweile so zuverlässig ab, wie die Post einst ihre Briefe. Aber irgendwie auf Kosten von Spontanität und kreativer Naivität. Oder?

Soll heißen: Das Prädikat „launige Unterhaltung“ haben Prahl, Liefers & Co. nun ausgereizt. Doch das Niveau zu halten, ist eben nur das Eine, uns Zuschauer zu überraschen, etwas ganz anderes. Wir sind halt verwöhnt. Und so sehr wir uns auch amüsieren – es wird Zeit für einen neuen Kick. Selbst in Münster.

„Tatort – Ein Fuß kommt selten allein“, 20.15 Uhr, ARD

 
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erstellt am 08.Mai.2016 | 14:56 Uhr

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