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Kultur

06. Dezember 2016 | 22:54 Uhr

ARD-Sonntagskrimi : „Tatort“ aus München: Zwischen Wahn und Wahrheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für wen lohnt es sich zu lügen? „Tatort“-Kommissar Batic wird in der neuen Folge mit dieser Frage konfrontiert.

Schon ihr letzter Fall  hatte es mit seiner Schockästhetik und anrührenden Dramatik in sich. Ja, „Mia san jetzt da, wo’s weh tut“ – wir erinnern uns an traurige Mädchenaugen, aufgeschlitzte Körper und kaltschnäuzige Yuppies – war ein echter Meilenstein für unsere Münchner Kripo-Barden Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl). Doch im 25. Dienstjahr der beiden Silberlinge geht es offenbar noch eine Spur trauriger.

Ayumi Schröder (Luka Omoto), frisch mit ihrer Familie aus Japan nach München umgesiedelt, muss beim Spaziergang durch die City mit ansehen, wie ihr Mann Ben einem hilflosen Penner auf die Beine helfen will, als dieser plötzlich auf ihn einsticht. Immer wieder. Blutend bricht Ben zusammen, vor den Augen seiner Frau und seines Sohnes Taro. Der Täter flieht, kurz darauf ist Ben tot.

Vor allem Batic, der gerade eine Krise durchlebt, geht der Fall an die Nieren. Zumal ihn Kripo-Chef Maurer (Jürgen Tonkel) ausmustert und Leitmayr zum alleinigen Chef der eilig zusammengetriebenen Soko macht. Die Begegnung mit Klein-Taro und seiner Mutter gibt Batic den Rest. Drei Bündel Elend in einem aussichtslosen Fall.

Denn weder Dutzende Zeugen, noch Hunderte DNA-Proben bringen die Beamten weiter. Und so scheint die geballte Staatsgewalt bald mit ihrem Latein am Ende. Ayumi Schröder wird wohl nie die Wahrheit über den Mörder ihres Mannes erfahren. Oder doch?

Eine Hammergeschichte! Und erneut müssen Nemec und Wachtveitl an ihre Grenzen gehen, um diese bleischwere Story zu bewältigen. Ein Himmelfahrtskommando für das ganze Team, vor und hinter der Kamera (Buch: Erol Yesilkaya, Regie: Sebastian Marka).

Doch am Ende steht ein grandioser Sieg der Fernsehfilmkunst – in Gestalt eines Dramas, das niemanden kalt lassen kann. Und das in seiner düsteren Elegie an den Psycho-Thriller „Das Versprechen“ (2001) erinnert, in dem Jack Nicholson bei der Suche nach einem Mörder ebenso verzweifelte, wie unsere Münchner Spezis heute. Zwischen Wahn und Wahrheit. Schlicht atemberaubend!

 

„Tatort: Die Wahrheit“, 20.15 Uhr, ARD

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