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Kultur

11. Dezember 2016 | 13:03 Uhr

Drei Farben Braun : Studio Braun: 20 Jahre surrealistische Verfremdung

vom

Seit 20 Jahren feiert Studio Braun Erfolge auf der Bühne und im Film. Nun legt das Humortrio - Heinz Strunk alias Matthias Halfpape, Rocko Schamoni alias Tobias Albrecht und Jacques Palminger alias Heinrich Ebber - eine Werkschau vor: «Drei Farben Braun».

Drei relativ gut aussehende Herren mittleren Alters in weißen Anzügen auf gleichfarbigem Chesterfield-Ledersofa - das könnte ein feiner Anblick sein.

Doch haben sich zwei von ihnen anscheinend gerade geprügelt und bluten noch. Der dritte im Bunde bemüht sich vergeblich um Form, starrt wirkungsbewusst in eine unsichtbare Kamera. Ja, so sind sie, die Mitglieder der Hamburger Humorvereinigung Studio Braun - unternehmungslustig und hinterhältig, pardon, -sinnig, dabei immer irgendwie neben der bürgerlichen Spur. Mit der sie rabiat und kreativ in diversen künstlerischen Medien spielen. Das geschilderte Foto ziert das Cover ihres Buchs «Drei Farben Braun», das am 1. Oktober im Berliner Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erscheint.

Im Traditionsmittel einer Werkschau blicken die aus der Provinz stammenden Entertainer Heinz Strunk (54), Rocko Schamoni (50) und Jacques Palminger (52) auf fast 20 Jahre gemeinsamen Schaffens zurück. Ein großformatiger 400-Seiten-Band, mit dem die meisten Menschen wohl überhaupt nichts anfangen können. Der für Fans aber ein Fest bedeuten dürfte. Denn der Wälzer enthält zumeist unveröffentlichtes Material «surrealistischer Verfremdung», wie Palminger sein Tun im Studio-Braun-Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bezeichnet. Eine Fülle an Kritzelzeichnungen und Schmierzetteln, Telefonstreichen und bizarren Unglücks-Gedichten, auch Schmuck- und Pralinenentwürfen, die als «Scheiße» firmieren.

Dazu Fotografien und Dialogstellen überwiegend autobiografischer Operetten wie «Phoenix - Wem gehört das Licht?» (2005) und «Dorfpunks - Blüten der Gewalt» (2008) im Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Bei gutbürgerlichen Preisen übrigens. Denn die handsignierte, auf 3333 nummerierte Exemplare und limitierte Ausgabe kostet 49,99 Euro. Und die mit drei signierten Siebdrucken versehene Edition von 666 Bänden 150 Euro. An den Wort- und Bildbeiträgen ist eine künstlerische Entwicklung eher nicht zu erkennen, das vereitelt bereits die nicht-chronologische Gestaltung des von Herausgeber Gereon Klug textlich klug begleiteten Buches. Stattdessen gibt es Schwerpunkte, die «Politik & Soziales», «Drogen & Alkohol», «Musik», «Sexualität» oder «Kinder & Tiere» heißen.

«Pack deinen Sack / Und geh auf die Reise / Fahr einfach los / Das Ziel es kommt von selbst / Lass dich treiben / Du wirst ein anderer werden / Hab keine Angst / Denn nichts geht dir verlor’n / Und du trägst dein Dorf immer mit dir rum / Und du trägst dein Dorf immer mit dir rum» - so lautet ein Songtext zur Operette «Dorfpunks», bei der alle drei auch in der Theaterband mitspielten. Außerdem verfolgen alle drei ihre Solokarrieren als Musiker, Buchautoren («Der goldene Handschuh») und Schauspieler («Fleisch ist mein Gemüse»).

Ein Vers, der tiefgründig als Hinweis auf den Antrieb der Künstler dient, die sich bemühen, ihre ihnen in der Jugend geschlagenen Seelenlöcher mit Zuwendung heischenden Alltags-, Bühnen- und Filmaktionen zu stopfen. Dabei handle es sich, so Schamoni im dpa-Interview, um «irgendein Grundloch, in das ganz viel Energie, Liebe und Aufmerksamkeit fließen muss. Daher rührt dieses ganze Machen und Tun sein Leben lang, weil man das Loch nicht geschlossen kriegt, wo das alles reinfließt.» Mit etwaigen politischen Zielen habe die Truppe wenig am Hut.

Ob nun bei Abdrucken früher psychedelischer Telefonstreiche, von denen einige ab 1998 als CDs zu Kultobjekten mutierten, bei Andenken an Zettelaktionen an Bäumen oder Straßenlaternen, mit denen «Studio Braun» einen Monster-Kater namens Moppel verkaufen wollte, bei Palmingers Gedicht über ein «Trio von ausnehmender Hässlichkeit» oder Schamonis Laudatio auf Helge Schneider: Der «geneigte Sympathisant», wie Strunk jeden potenziellen Leser nennt, könnte sich im stillen Kämmerlein damit sogar eigene düstere Seelenwolken irrwitzig vertreiben. Und eine Tour zum Buch gibt es auch: Start am 28. September in Dresden.

Termine 2016 der Studio-Braun-Tour zum Buch: Dresden (28.), Leipzig (29.9.), Erlangen (30.9.), Frankfurt (1.10.), Köln (2.20.), Kiel (9.10.), Berlin (10.10.), Hamburg (11. u. 12.10). Weitere Termine im März 2017

Website Studio Braun

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erstellt am 27.Sep.2016 | 14:38 Uhr

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