zur Navigation springen

Kultur

04. Dezember 2016 | 23:29 Uhr

Kultur : Stifterpaar Hollweg beflügelt die Kunstszene

vom

Uwe Hollweg, auch heute in Sakko mit Einstecktuch, gönnt sich im Büro eine Kuba-Zigarre, während seine Frau durch das Privatmuseum gegenüber der Kunsthalle Bremen führt.

«Hier dieses fantastische Farbdripping des Kaliforniers Sam Francis», sagt die Bremerin, «und dort die übermalten Selbstporträts von Richard Hamilton.» Diese Serie des britischen Pop-Art-Künstlers habe viel gekostet, aber ihr Mann habe zack ja gesagt. Bei solchen Summen sei er entscheidungsfreudiger als sie.

Die Hollwegs, er 78 Jahre alt, sie 69, sind kunstbesessen und großzügig. Mit der vor 20 Jahren gegründeten Karin und Uwe Hollweg Stiftung schießen sie eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als eine Million Euro in Kunst, Kultur und Denkmalpflege, vor allem in Bremen. Hier engagieren sie sich für die Kunsthalle und die Deutsche Kammerphilharmonie - Institutionen, die ihrer Meinung nach Bremens Image entscheidend verbessern.

Zum Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche haben sie gut eine halbe Million Euro beigesteuert. Das ergreifendste Dankeschön nach all den Baustellenbesuchen war für Karin Hollweg die Eröffnungsfeier: «Ludwig Güttlers Blechbläserensemble, die ganze Atmosphäre, das hat mich tief berührt.» Seitdem steht die Nachbildung des vergoldeten Turmkreuzes im Büro der Karin und Uwe Hollweg Stiftung.

Uwe Hollweg ist ein Mann mit Humor, der sich gern hanseatisch zurückhaltend gibt. Er sei nicht reich, allenfalls wohlhabend: «Wir brauchen keine Jacht, kein Flugzeug, nur mal einen schönen Urlaub, gern nach Spanien. Wir sind Golfer und werden im hohen Alter immer schlechter.»

Sein Vermögen hat der Kaufmann im väterlichen Sanitär- und Heizungsgroßhandel Cordes & Graefe gemacht, heute ein europaweit tätiges Familienunternehmen mit mehr als 15 000 Mitarbeitern. Sich für andere engagieren - das hat in seiner Familie Tradition, schon sein Vater war spendabel: «Nach dem Krieg gab's für die Mitarbeiter Kohlen und für die Kinder den ersten Konfirmationsanzug. So war der Alte.»

Der Vater von Karin Hollweg wiederum war in Los Angeles Werbegrafiker, sie selbst Malerin. Schon früh haben sich die Hollwegs deshalb zu Weihnachten und Geburtstagen nicht irgendwelche Päckchen und Parfüms geschenkt, sondern Kunst. Allen voran Arbeiten von Wols (1913-1951), diesem Grenzgänger zwischen Surrealismus und Expressionismus. Die Sammlerin Hollweg faszinieren die Aquarelle und Tuschfederzeichnungen, darunter ein filigraner Kopf mit Spinne und Raupe: «Wols hat ganze Künstlergenerationen beeinflusst.»

600 ihrer Gemälde, Installationen und Künstlerbücher haben die Hollwegs - in Absprache mit ihren drei Töchtern - bereits ihrer Stiftung vermacht. Bis Ende des Jahres sollen es 1200 Werke sein. «Wir wollen, dass das ganze Sammelsurium langfristig zusammenbleibt», sagt Uwe Hollweg. Weil ihnen ein regulärer Museumsbetrieb zu teuer wäre, hat hier nur Zutritt, wer sich vorher anmeldet.

Mittlerweile ist Uwe Hollweg Ehrenbürger und zusammen mit seiner Frau - nach Prominenten wie Arend Oetker, Henri Nannen und Anne-Sophie Mutter - mit der Maecenas-Ehrung ausgezeichnet worden. Doch er spürt auch Gegenwind. «Einige Genossen haben so ihre Schwierigkeiten mit unserer Stiftung», räumt das CDU-Mitglied Hollweg in Anspielung auf die SPD ein. Deren Ansicht nach müsse allein der Staat entscheiden, wofür in der Kulturszene Geld ausgegeben wird, und nicht private Stifter.

Trotzdem ist das Ehepaar Hollweg nicht zu stoppen, die Sammlung wächst. Ihr Privat-Museum haben die beiden bereits verdoppelt. An der Tür von Hollwegs Büro hängt die auf einer Zigarre reitende Blonde des Pop-Art-Künstlers Mel Ramos, einige Schritte weiter zwischen Möbeln aus Familienbesitz abstrakte Arbeiten von Antoni Tàpies, Günther Uecker und Per Kirkeby. Karin Hollweg zeigt die von Berliner Straßenlaternen inspirierte Arbeit des Bremer Künstlers Constantin Jaxy. Die sei eben erst installiert worden, sagt sie: «Das Leben wird reicher durch Kunst.»

zur Startseite

von
erstellt am 06.Jul.2016 | 10:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert