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Kultur

07. Dezember 2016 | 11:39 Uhr

Dresden : Sonntagabend im „Tatort“: Das Elend als Theaterposse

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Der König der Gösse“ serviert dem Publikum eine ziemlich abgedrehte Geschichte mit sonderbaren Figuren. Da ist noch reichlich Luft nach oben.

Im Schatten von Bautzen ist es nur opportun von den Medien, uns den Osten noch einmal richtig zu erklären: Soziales Elend, dramatischer Exodus und – natürlich – wachsender Fremdenhass. Schlimm, schlimm! Da kommt ein Dresdner „Tatort“ aus dem Obdachlosenmilieu gerade recht. Oder auch nicht!

Vor allem dann nicht, wenn der Film das Elend eher karikiert als charakterisiert. Wenn die „Obdachlosen“, von Kostüm und Maske kunstvoll verhunzt, wie bunte Clowns durchs Bild hampeln und ihr Krakeel so echt wirkt, wie ihr Sächsisch. Da kann die Story (Buch: Ralf Husmann, Mika Kallwass) noch so problembewusst sein – mehr als ein müdes Lächeln wird dieser zweite Dresdner „Tatort“ kaum ernten (Regie: Dror Zahavi).

Dabei hat die Truppe um Henni Sieland, Karin Gorniak und Kommissariats-Chef Schnabel (Alwara Höfels, Karin Hanczewski, Martin Brambach) solch einen Mummenschanz gar nicht nötig. Denn bei all ihren linkischen Verrenkungen und ihrer oft unfreiwilligen Komik (neben der oft gewollten) lebt dieses Trio ja selbst schon von einer unbändigen Natürlichkeit und Naivität. Frei Schnauze und mittendrin im Alltagszoff. Beruflich wie privat.

Da wirkt der Mordversuch an einem schnöseligen Sozialunternehmer und die folgende Ermittlungskrämerei doch eher wie gewollt und nicht gekonnt. Denn Hans-Martin Taubert, stinkreich geworden mit der Unterbringung von Obdachlosen, hatte selbstverständlich jede Menge Feinde. Das herauszuklamüsern, braucht es nun wirklich keine Kripo-Pappe.

Dennoch muss unser Sachsentrio treulich alle Verdächtigen abklappern. Von den Tippelbrüdern aus Tauberts „Security“ (Arved Birnbaum, David Bredin, Alexander Hörbe), über seinen zwielichtigen Bruder (Michael Sideris) bis hin zur Konkurrenz im Obdachlosengeschäft (Stephan Baumecker). Und irgendwann ist der Übeltäter auch gefasst.

Doch bis dahin erleben wir ein schauerliches, ja, lächerliches Geeier zwischen Moral und Unmoral, das mit dem Elend der Ärmsten nur spielt. Was für ein Theater!

„Tatort: Der König der Gosse“, 20.15 Uhr, ARD

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erstellt am 02.Okt.2016 | 12:52 Uhr

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