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Kultur

21. Februar 2017 | 10:50 Uhr

Hamburg : Saisonstart mit Mozarts «Zauberflöte» als Lichtspiel-Theater

vom

Mit Jette Steckels provokant strahlender Neuproduktion von Mozarts «Zauberflöte» startet Hamburgs Staatsoper in die neue Saison. Während Sänger und Musiker einhelligen Applaus erhalten, gibt es für das Regie-Team auch kräftige Buh-Salven.

Was man mit Licht, speziell mit gleißenden LED-Lichterketten, alles bewerkstelligen kann!

Hamburgs Staatsoper hatte zum Saisonbeginn denn auch fast die gesamte, aus uralten Mysterien und Märchen bildmächtig gezimmerte «Zauberflöte» damit flächendeckend illuminiert. Und sich auf diese Weise am Freitagabend vor allem optisch als «up to date» erwiesen.

So tänzelte zu Taminos Arie «Dies Bildnis ist bezaubernd schön» Pamina als Leuchtfigur über die funkelnden Pixel-Vorhang-Schnüre. Sarastro und die Königin der Nacht erschienen auf der LED-Lichtspielbühne gar als überlebensgroße, grell kolorierte und wild flackernde Video-Porträts. Gesungen wurde dazu von beiden aus dem Orchestergraben. Coole neue «Zauberflöten»-Welt, bei der sich freilich der Sinn der freimaurerischen Botschaften von Gut und Böse, Aberglauben und Vernunft ins Vage, Bedeutungslose verlor.

Eines allerdings machte die vor allem für ihre Theaterarbeit gefeierte Jette Steckel bei ihrer zweiten großen Opernregie (nach «Tosca» in Basel) sogleich unmissverständlich klar: Das liebende Paar Tamino und Pamina war wie der Vogelfänger Papageno aus Fleisch und Blut, menschlich bis zur Vergänglichkeit. Bereits zur Ouvertüre wurde ein Greis von Sanitätern aus dem Parkett auf die Bühne gehievt. Es war Tamino, der Rückschau hielt: Von den als Betschwestern verkleideten drei Königinnen-Damen als Säugling gewiegt, wuchs er schnell zum jugendlichen Kicker und Liebenden heran.

Ehe er mit Pamina zu seinen letzten Prüfungen aufbrach, war er bei derart rasantem Lebenslauf alsbald ein eisgrauer alter Mann. Ein etwas schlichter Theatercoup. Bis ans Lebensende, so Steckels Fazit aus Mozarts rätselvollen Weisheitslehren, hört es mit den Prüfungen nicht auf. Bittere Pille für Alt und Jung.

Das junge Regie-Team um Steckel und ihren Bühnenbildner Florian Lösche hatte gewiss keinen leichten Stand, mit seiner Neuproduktion unmittelbar auf Achim Freyers funkensprühende «Zauberflöte» zu folgen, die seit mehr als 30 Jahren in Hamburg Kult war. Zumal sich aus dem effektvoll strahlenden, am Ende aber leicht sterilen LED-Lichter-Spektakel der Stegreif-Witz und Buffo-Zauber nicht quick genug entluden und die Dialoge lahmten.

Erfrischend deshalb, weil eine betont junge Sänger-Crew die Szene mit viel Charme und Können aufmischte. An ihrer Spitze Dovlet Nurgeldiyev als gefühlsstark schattierender Tamino, Christina Poulitsi als blendende Königin der Nacht und Jonathan McGovern als kraftvoller Papageno. Etwas unausgeglichen wirkten Christina Gansch als Pamina und Andrea Mastroni als Sarastro. Unter der prägnanten und hochflexiblen Leitung des französischen Alte-Musik-Experten Jean-Christophe Spinosi zeigten auch die Philharmoniker schönste Musizier-Qualitäten.

Staatsoper Hamburg

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erstellt am 24.Sep.2016 | 11:44 Uhr

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