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Kultur

09. Dezember 2016 | 01:06 Uhr

THOMAS NOMMENSEN : Rendsburger Krimiautor blickt in die Abgründe des SED-Milieus

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Es tropft kein Blut. Dennoch fallen Stichworte wie „düster“, „brutal“ und „erschreckend“, wenn von Thomas Nommensens Büchern die Rede ist. Momentan präsentiert der gebürtige Rendsburger auf der Frankfurter Buchmesse seinen zweiten Krimi, der in Berlin-Brandenburg spielt: In „Wintertod“ führen die Spuren in die Vergangenheit – zur Waldsiedlung der DDR in der Nähe von Wandlitz.

„Ich mag es, die Untiefe der menschlichen Seele auszuloten, auf dem schmalen Grat zwischen Gut und Böse, zwischen Opfer sein und Täter werden, zu balancieren“, verrät der Autor im Interview mit unserer Zeitung. Das geschah bereits in seinem Erstling „Ein dunkler Sommer“, angesiedelt in Nordermühlen – einem Ort, der stark von Rendsburg inspiriert ist, wie der Autor gesteht. Allerdings wählte er bewusst einen fiktiven Schauplatz. „Krimis, die in Küstenregionen spielen, bekommen schnell den Stempel Ostsee- beziehungsweise Nordseekrimi aufgedrückt“, weiß er. „Meine Krimis zeigen dagegen auch die dunkle Seite einer Region, sind sehr atmosphärisch.“

Nommensen, Jahrgang 1964, besuchte ein Gymnasium in Rendsburg und ging nach dem Mauerfall nach Berlin. Er arbeitete als Musiker, Toningenieur, Dozent und Software-Entwickler. Als er seine spätere Frau kennenlernte – die Thrillerautorin Jutta Maria Herrmann –, schrieb diese gerade an ihrem ersten Roman. Davon inspiriert beschloss Nommensen, es mit Kurzkrimis zu probieren. Sein erstes Werk wurde 2009 gleich veröffentlicht, das zweite mit dem renommierten Agatha-Christie-Preis ausgezeichnet. „Logisch, dass ich dabeiblieb und meinen ersten Roman plante“, erklärt er.

Nommensen entschied sich auch hierbei für das Genre Krimi, „weil sich Sozial- und Gesellschaftskritik in einer spannenden Handlung leichter zum Leser transportieren lassen“. Zudem liest er selbst gerne Krimis und Thriller. Und weil eine Zeit lang alle Kommissare in der Literatur alt, alkoholkrank und depressiv waren, hat er seinen Hauptkommissar Arne Larsen bewusst anders angelegt: „Noch relativ jung, sensibel und eigenwillig. Jemand, der ein großes Herz hat, aber manchmal auch stur seinem Bauchgefühl nachgeht. Schon eher ein nordischer Typ“, beschreibt er ihn. Für seinen zweiten Fall ist Larsen der „kleinstädtischen“ Enge seines bisherigen Einsatzortes entflohen. Er hat sich nach Berlin versetzen lassen, wo ihm der Schriftsteller mit Mayla Aslan eine Kollegin zur Seite gestellt hat, die aus der dritten Generation türkischer Gastarbeiter stammt. „Sie glaubt, sich das Beste aus beiden Kulturen nehmen zu können, ist tatsächlich aber immer noch ein wenig in der Kluft zwischen Tradition und eigener, moderner Lebensweise gefangen“, sagt der Autor von dieser Figur.

Thomas Nommensen und seine Frau leben im brandenburgischen Panketal vor den Toren Berlins, in jener Region, in der „Wintertod“ spielt. In diesem Krimi gibt es jetzt viele reale Schauplätze – wie einen verwilderten Friedhof in Pankow, die Waldsiedlung bei Wandlitz und eine ehemalige Stasiklink, erklärt der Autor. „Neben Infos aus dem Internet habe ich auch mit Zeitzeugen gesprochen, Karten und Fotos studiert und alles selbst mehrfach in Augenschein genommen“.

In der Waldsiedlung wohnten zu DDR-Zeiten Mitglieder und Kandidaten des Politbüros des ZK der SED mit ihren Familien, abgeschirmt in einem sogenannten „inneren Ring“. Es gab einen Kindergarten, eine Schwimmhalle, ein Klubhaus – fast eine kleine Stadt, doch die Menschen darin begegneten sich mit großem Misstrauen. „Ich habe mich gefragt, was wohl aus den Kindern wurde, die hier ohne vernünftige Sozialisierung aufwuchsen. Was, wenn eines von ihnen psychische Defizite entwickelte? Brachte man es dann fort, oder versteckte man es vor der Öffentlichkeit?“, berichtet Nommensen von der Intention zu dem neuen Krimi. Dieser weist verschiedene Handlungsstränge auf. Das bedeutet große Komplexität, aber auch große Spannung bis zum Schluss.

Und es wird einen dritten Fall mit Arne Larsen geben. Dann ermittelt er erneut mit seiner türkischstämmigen Kollegin Mayla Aslan in Berlin. „Dieser Fall hat allerdings seine Wurzeln in Schleswig-Holstein, und so kann Larsen seine alte Heimat für die Ermittlungen aufsuchen“, verrät Nommensen.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 12:43 Uhr

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